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Der Tennis-Weltranglistenerste Novak Djokovic hat den Rechtstreit um seine Einreise nach Australien verloren. Das australische Bundesgericht hat seinen Einspruch abgelehnt. Inzwischen hat er das Land verlassen.

Für den Tennis-Star sind die Australian Open und die Verteidigung seines Titels vorbei, bevor sie begonnen haben. Einen Tag vor dem Start des Turniers hat Djokovic den juristischen Showdown gegen die australische Regierung verloren. Mittlerweile hat er auch Australien verlassen, bestätigte das Einwanderungsministerium des Landes.

I welcome today’s unanimous decision by the Full Federal Court of Australia, upholding my decision to exercise my power under the Migration Act to cancel Mr Novak Djokovic’s visa in the public interest. I can confirm that Mr Djokovic has now departed Australia. https://t.co/8CapwFeDCS

Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung, die bedeutet, dass ich nicht in Australien bleiben und an den Australian Open teilnehmen kann Ich respektiere die Entscheidung des Gerichts und werde mit den zuständigen Behörden in Bezug auf meine Ausreise kooperieren.

Australisches Bundesgericht weißt Djokovics Einspruch zurück

Am Sonntagvormittag hatte ein Bundesgericht den Einspruch des 34-Jährigen gegen die erneute Annullierung seines Visums abgelehnt. „Das Gericht hat beschlossen, dass der abgeänderte Antrag kostenpflichtig abzuweisen ist“, erklärte der Vorsitzende Richter James Allsop. Das heißt, Djokovic trägt auch die Prozesskosten. Eine Begründung des Gerichts gab es noch nicht, diese soll nachgereicht werden. ARD-Südost-Asien-Korrespondentin Sandra Ratzow erklärt das im Video.

Der australische Regierungschef Scott Morrison hat die Gerichtsentscheidung gegen den Tennis-Weltranglistenersten Novak Djokovic begrüßt. Der Premier schrieb auf Facebook, die Australier hätten während der Pandemie viele Opfer gebracht – und sie erwarteten zu Recht, dass das Ergebnis dieser Opfer geschützt werde. Jetzt sei es an der Zeit, mit den Australian Open weiterzumachen und den Tennis-Sommer zu genießen.

The Full Federal Court of Australia today unanimously decided to dismiss Mr Novak Djokovic’s application for judicial...Posted by Scott Morrison (ScoMo) on Sunday, January 16, 2022

Es ist mir unangenehm, dass der Fokus in den vergangenen Wochen auf mir lag. Ich hoffe, dass wir uns nun alle wieder auf das Spiel konzentrieren können und auf das Turnier, das ich liebe.

Langes Hin und Her um Djokovics Visum

Dem Urteil geht eine längere Vorgeschichte voraus, die international für Aufsehen gesorgt hatte. Nachdem die australische Regierung Djokovics Visum am Freitag ein zweites Mal für ungültig erklärt hatte – mit der Begründung, dass durch seinen Aufenthalt im Land ein Art „Anti-Impf-Stimmung“ gefördert werden könnte – musste der Tennis-Star wieder in ein Quarantäne Hotel. Seine Anwälte hatten Einspruch gegen den Visa-Entzug eingelegt.

Visum zum zweiten Mal gecancelt: Djokovic wird zu seinem Quarantäne-Hotel gebracht. (Foto: Reuters)
Visum zum zweiten Mal gecancelt: Djokovic wird zu seinem Quarantäne-Hotel gebracht.

Vergangenen Montag hatte der ungeimpfte Weltranglistenerste nach einem Teilerfolg vor Gericht sein Visum zurückbekommen und konnte sogar trainieren.

Djokovic spricht von „schwierigen Zeiten“

Wir leben in schwierigen Zeiten einer globalen Pandemie und manchmal können solche Fehler passieren.“ Das sagte er in einer Erklärung, die er am Mittwoch auf Instagram veröffentlichte. Was meint er damit genau?

Corona-positiv – Quarantäne nicht eingehalten

Djokovic gab zu, am 18. Dezember 2021 einen Termin mit der französischen Sportzeitung L'Equipe gehabt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hat Djokovic bereits gewusst, dass er Corona-positiv ist, da er am 16. Dezember einen Test gemacht hatte.

Sich nicht an die Quarantäne gehalten zu haben, sei im Nachhinein eine „Fehleinschätzung“ gewesen, so der Tennisspieler. Der Sportstar habe den Journalisten nicht hängen lassen wollen, stets Abstand gehalten und außer beim Fotoshooting eine Maske getragen, gab Djokovic an.

Vor einem weiteren, in der Öffentlichkeit diskutierten Termin am 17. Dezember 2021 mit Kindern habe er noch nicht vom positiven Coronabefund gewusst und einen Schnelltest absolviert, der negativ ausgefallen sei.

Falsche Angaben auf Einreisebogen

Außerdem räumte er ein, versehentlich auf seinem Einreisebogen eine falsche Angabe zu seinen Reiseaktivitäten vor dem Flug nach Melbourne gemacht zu haben. Für diesen „menschlichen und sicher nicht absichtlichen“ Fehler sei sein Management verantwortlich, das aufrichtig um Entschuldigung bitte.

Jesus-Vergleich erntet herben Spott im Netz

Im Netz ist der Fall Djokovic spannender als so mancher Krimi. Hater und Fans überschlagen sich hier mit Kommentaren. Den Vogel schoss aber Djokovics Vater ab: Er verglich seinen Sohn mit Jesus.

Novak Đokovićs Vater Srđan bei einer PK in Belgrad: „Jesus haben sie gekreuzigt und alles Mögliche mit ihm angestellt. [..] Und Novak wollen sie jetzt auf die gleiche Art kreuzigen, geringschätzen, auf die Knie zwingen. […] Schämen sollen sie sich!“ #Djokovic https://t.co/F5G2C2j5A3

Viele können es kaum fassen und empfinden die Aussage von Djokovics Vater als den Gipfel von Selbstmitleid und Pathos. Unter dem Hashtag „#Djokovic“ geht die Post ab: „Dachte immer, Mütter lieferten den Gipfel der Glorifizierung ihrer Söhne…“ twittert Userin Johanna Sprondel:

Dachte immer, Mütter lieferten den Gipfel der Glorifizierung ihrer Söhne… #Djokovic https://t.co/lEiloVAxHY

„Und ihr denkt, eure Eltern seien peinlich“, twittert @Krstorevic:

Und ihr denkt, eure Eltern seien peinlich. #Djokovic

„Aufschlag Jesus“ spottet man beim österreichischen Falter:

Aufschlag Jesus. Über den Fall #Djokovic als moderne Tragödie. Seuchenkolumne 620 https://t.co/VnZirpwawD https://t.co/MWOSUCLBbm

@rolnam fragt sich, mit was Djokovics Vater wohl geimpft ist:

der Impfstoff von #Djokovic Vater. Anders ist es nicht zu erklären. https://t.co/d372PYhg90

Und eins ist klar: Nach Hause fliegen braucht Djokovic auch nicht – er kann ja übers Wasser gehen:

#Djokovic wird nicht von #Australien nach Hause fliegen...er wird über das Wasser nach Hause geh'n!☝️ #Jesus https://t.co/Yo93aA2icl

„Same Energy“ heißt es hier:

@Krstorevic @BorisNMoellers https://t.co/CEI5vSkN8v

Manche sehen Djokovic-Rivalen Roger Federer am Zoll sitzen:

Live scenes at Melbourne Airport Border Control.. #Federer #Djokovic #AustralianOpen https://t.co/KD9SLP1X16

Beim Postillion versucht Djokovic es jetzt als Franzose „Chocoviche“:

Französischer Tennis-Newcomer Novacques Chocoviche nach Australien eingereist #Djokovic https://t.co/72yaASjeV9

Tennisstar Rafael Nadal sieht die Sache pragmatisch: „Wenn sie (die Mediziner, Anm.) sagen, man muss sich impfen lassen, muss man sich eben impfen lassen. So sehe ich das.“

Rafael Nadal gives a clear vaccine endorsement: “I believe in what the people who know about medicine say. If the people say that we need to get vaccinated, we need to get the vaccine. That’s my point of view.” https://t.co/Un0fDC6A5g

Etliche sind Australien auch dankbar, dass ein Tennisstar keine Ausnahmen zugestanden bekommt:

Danke, Australien, dass ihr #Djokovic genauso behandelt, wie jeden anderen auch. Er wusste um die Einreisebedingungen und hatte lange genug Zeit. Es war "seine" Entscheidung. Er hat eine Sonderbehandlung vorausgesetzt, die ihm nicht zusteht. Hoch gepokert und verloren.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 4. Juli, 5:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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