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Der Virologe Christian Drosten hat über Hinweise gesprochen, dass es womöglich doch eine gewisse Grundimmunität gegen das neuartige Coronavirus geben könnte. Er spricht jedoch bewusst von einer Theorie, die noch nicht bewiesen ist. Sie könnte aber überraschende Ergebnisse einer chinesischen Studie erklären.

Das neuartige Coronavirus hatte zu Beginn ein leichtes Spiel: Es konnte sich relativ ungehindert verbreiten, denn das Immunsystem der Menschen kannte es noch nicht – niemand war immun dagegen und quasi jeder konnte sich anstecken und das Virus weitergeben. Das ist zumindest der aktuelle Stand der Forschung, davon gehen Virologen derzeit aus.

Auf den ersten Blick wirkt die Aussage von Christian Drosten von der Charité in Berlin überraschend: In seinem täglichen NDR-Podcast sagte er, man müsse darüber nachdenken, ob es nicht doch eine Grundimmunität gegen das neue Coronavirus in der Bevölkerung gebe.

Chinesische Studie zur Ansteckung mit dem neuen Coronavirus

Anlass für diesen Kommentar des Virologen ist unter anderem eine chinesische Studie, die letzte Woche auf einem Preprint-Server hochgeladen wurde. Das heißt, man kann sich das Manuskript im Internet anschauen, es wurde aber noch nicht von Fachleuten gegengelesen, überprüft oder in einem Fachmagazin publiziert.

In der Studie haben sich chinesische Wissenschaftler angeschaut, wie wahrscheinlich es ist, dass sich Menschen in einem Haushalt gegenseitig mit dem neuen Coronavirus anstecken. Dafür haben sie in etwa 200 Fällen beobachtet, ob ein bestätigter Covid-19-Fall die Menschen infiziert, mit denen er oder sie zusammenlebt. So eine Ansteckung gab es laut der Studie nicht einmal bei 20% der Fälle.

Drosten: Grundimmunität könnte Studienergebnisse erklären

Bild des Virologen Christian Drosten von der Charité in Berlin (Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa-pool/dpa)
Christian Drosten, Virologe an der Charité in Berlin picture alliance/Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Christian Drosten sagt, er hätte erwartet, dass diese Zahl höher sei. Also dass sich mehr Menschen anstecken, wenn sie mit einer infizierten Person zusammenleben. Und er wirft die Frage auf, weshalb das nicht der Fall ist.

Eine mögliche Erklärung wäre, dass es eben doch eine gewisse Grundimmunität in der Bevölkerung gibt – dass die Mitbewohner und Verwandten zum Beispiel im Jahr zuvor eine Infektion mit einem anderen Coronavirus hatten und sich deshalb nicht mit dem neuen Virus angesteckt haben oder das zumindest nicht mehr so leicht ging.

Hinweise, aber keine Beweise

Aber Christian Drosten sagt selbst: Das ist eine Theorie. Es gibt keinen Beweis für so eine Immunität durch andere Coronaviren, es gibt nur die Hinweise aus einigen Studien, in denen sich weniger Menschen gegenseitig anstecken, als man erwarten würde.

Wenn es so eine Grundimmunität gäbe, wäre das ein Hoffnungsschimmer: Denn dann könnte sich die Situation schneller wieder normalisieren, als man bisher annimmt – es könnte schneller ein ausreichender Herdenschutz eintreten. Ganz wichtig dabei: Die Betonung liegt auf „könnte“, denn wir bewegen uns hier klar im Bereich der Spekulationen.

Coronavirus muss weiter erforscht werden

Diese Diskussion zeigt vor allem eines: Die Wissenschaftler wissen noch sehr wenig über das Virus und den Verlauf der Infektion. Denn eines darf man nicht vergessen: Für die Forschung ist das Virus noch sehr neu. Vieles, was wir scheinbar wissen, ist noch vorläufig und unsicher. Daher brauchen wir eine schnelle, intensive Forschung rund um das neue Coronavirus – dafür plädiert auch Christian Drosten.

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