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Hunde, Katzen, Hamster oder Vögel: auch viele Tiere sind von der Flut in der Eifel betroffen. Das Tierheim Remagen kümmert sich um die Waisen.

Nicht nur viele Familien haben ihr Hab und Gut in den Fluten der Ahr verloren, auch viele Tiere sind von ihren Familien getrennt worden und streunen jetzt obdachlos durch das Flutgebiet. Das Tierheim in Remagen kümmert sich um die Waisen-Tiere.

Zum einen bringen viele Menschen Fundtiere nach Remagen, die von Helfern oder Nachbarn gefunden wurden. Zum anderen melden sich aber auch viele Tierbesitzer im Tierheim und auch beim Tierschutzverein Kreis Ahrweiler, die ihre Lieblinge vorübergehend in Pflege geben wollen, weil sie selbst keine Wohnung mehr haben.

Tierheim Remagen am Limit (Foto: SWR, SWR3)

Nachrichten Tierheim Remagen am Limit

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Tierheim voll: Neuankömmlinge kommen gleich in Pflege

Alles, was jetzt reinkommt, weil die Quarantänezwinger voll sind, wird eins zu eins an Pflegestellen, die wir kennen, weitergegeben. Meistens sind es schon Tierbesitzer, die vielleicht zwei Katzen haben“, sagt der Vorsitzende des Tierheims Remagen, Claus-Peter Krah im Gespräch mit SWR3-Reporter Josh Kochhann.

Diese Tierbesitzer würden Zimmer frei machen, um die Pflegetiere in Quarantäne zu nehmen. Denn die Tiere „haben ja meistens ihren Impfpass nicht mit dabei und wissen nicht, wie der Status ist“, sagte Krah.

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„Der Tierarzt wird reich und wir werden arm“

Deswegen könne man sie auch nicht einfach zu den anderen Tieren im Heim setzen, um Ansteckungen mit möglichen Krankheiten zu verhindern. „Sonst, wenn die was haben, stecken die den ganzen Umstand an. Und dann wird der Tierarzt reich und wir arm“, sagte Krah.

Was die ohnehin angespannte Situation noch komplizierter macht: Neben Katzen und Hunden sind unter den Flutopfern auch Exoten wie Schildkröten, Reptilien und Koi. Der Verein, der das Tierheim Remagen betreut, hofft deswegen im Moment vor allem auf Geldspenden.

Ahr-Hochwasser: Viele Tiere vom Öl krank geworden

Über einen Hilfsfonds Tierhilfe bezahlt das Tierheim Remagen viele Maßnahmen: Zum einen werden Tierbesitzer unterstützt, der Verein muss aber auch die Tierarztkosten für die Fundtiere übernehmen. Viele der Tiere seien krank, weil sie im Öl geschwommen seien.

Für Krah ist das alles eine Extremsituation – auch für seine insgesamt 13 festangestellten Azubis und Freiwilligen. Die Hälfte davon sei selbst vom Hochwasser betroffen. Und dann sei da momentan auch noch der enorm hohe Verwaltungsaufwand.

Viele Tiere suchen noch immer ihre Besitzer.  (Foto: SWR, SWR3-Reporter Josh Kochhann)
Viele Tiere suchen noch immer ihre Besitzer. SWR3-Reporter Josh Kochhann

Aufwändige Suche nach Besitzern der Tiere

Ein Großteil der gefundenen Tiere sind Totfunde.“ Wenn die Tiere gechipt seien, könne man den Besitzer informieren. Aber auch das ist in der Zeit nach der Flut nicht einfach. „Wir haben sehr viele Fälle, wo die Besitzer kein Zuhause mehr haben oder im Krankenhaus liegen oder sonstwo untergebracht sind.“ Und die muss man erst einmal finden.

Was das Tierheim jetzt erst einmal nicht mehr braucht, ist Tierfutter. Davon liegt ein ganzer Berg am Eingang des Gebäudes. Viele Menschen meinen es gut und bringen unangemeldet Futter für die Tiere. „Da kommen die Autos an, Kofferraum voll: ‚Guck mal, habe ich für euch, ihr könnt da bestimmt was mit anfangen.‘ Und dann werden die ausgeladen und fertig“, sagte Krah.

Neben dem Tierheim in Remagen habe der Verein auch noch zwei Lager in Unkelbach und Bad Bodendorf – die seien beide randvoll mit Futterspenden.

Tierschutzverein koordiniert Tierhilfe im Kreis Ahrweiler

Im Kreis Ahrweiler koordiniert der Tierschutzverein die Anfragen für vermisste oder gefundene Tiere. Das hat eine Flut von Anfragen zur Folge: 500 E-Mails beantwortet der Verein am Tag – zum Beispiel von Menschen, die ihre Tiere suchen.

Daneben muss sich auch noch jemand um die Tiere im Heim kümmern. Auch die haben nicht nur Hunger und wollen Gassi gehen, sondern sie sind zum Teil auch traumatisiert von der Flut. Man könne zwar nicht herauslesen, was die Tiere durchgemacht haben, aber man könne aus vielen Hunden und Katzen „Trauer und Schmerz“ herauslesen. Manchmal auch Freude – diese Momente seien aber eher selten, sagte Krah. Dem Team mache das zu schaffen.

Von einem Tier-Schicksal ist Claus-Peter Krah besonders betroffen: Ein Pferd wurde von der Ahr mitgerissen. Sein Besitzer fand es 15 Kilometer weiter auf einer überfluteten Wiese. Nach eineinhalb Tagen im Wasser sei das Tier in einem furchtbaren Zustand gewesen: „Da konnte nicht einmal ein Zugang gelegt werden, die Haut ist einfach geplatzt. Das Tier war dehydriert und unterkühlt.“

SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 25. September, 03:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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