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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen großen Milchkuhbetrieb im Allgäu wegen des Verdachts auf Tierquälerei. Tierschützer sagen, dass es sich um keinen Einzelfall handelt.

Nach Recherchen des SWR-Politikmagazins „Report Mainz“, dem ARD-Magazin „Fakt“ und der „Süddeutschen Zeitung“ soll der Milchviehbetrieb Endres aus Bad Grönenbach im Allgäu seit Jahren gegen den Tierschutz verstoßen haben. Viele der 1.800 Kühe sollen schwer misshandelt worden sein.

Über mehrere Wochen hat die Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ in den Ställen des Betriebs gedreht. Die Aufnahmen wurden dann an „Report Mainz“ übergeben:

Kühe misshandelt: getreten, geschlagen, geschleift

Videoaufnahmen zeigen wie Tiere vom Personal getreten und geschlagen werden. Außerdem wurden Kühe, die nicht mehr laufen können, mithilfe von Hüftklammern und Traktoren durch den Stall geschleift. Auf den Aufnahmen ist außerdem zu sehen, dass kranke Kühe in ein eigenes Abteil des Stalls gebracht wurden - dort wurden sie dann aber nicht ausreichend versorgt.

Es wurde dokumentiert, dass ein Tier über einen Zeitraum von zehn Tagen nur sehr wenig Wasser und Futter erhalten hat und außerdem nicht sachgerecht getötet wurde.

Soko Tierschutz: Tierquälerei ist kein Einzelfall

Die Aufnahmen wurden zwischen Ende Mai und Ende Juni gemacht. Sie stammen nach Angaben des Rechercheteams vom Tierrechtsverein „Soko Tierschutz“ aus Planegg im Landkreis München. Der Verein sieht in dem Fall keinen Einzelfall.

Trotz Kontrollen ende die Tierquälerei erst, wenn Tierschützer die Öffentlichkeit einschalteten. „Das zeigt, dass der Staat da massiv versagt“, sagte Vereinsgründer Friedrich Mülln im SWR.

Tierschützer fordern überregionale Kontrollen

Grund dafür sei, dass die Landratsämter für Kontrollen zuständig seien: „Die Leute kennen sich halt untereinander. Die Kinder gehen auf dieselbe Schule, man geht zum gleichen Stammtisch, man sieht sich im Supermarkt und dann tut man sich natürlich nicht gegenseitig weh, weil wer will schon in einem Dorf wohnen, wo man dann angefeindet wird?“ Daher fordert der Tierschützer überregionale Kontrollen.

„Ich habe solche Bilder noch nie gesehen“

Professor Holger Martens, ein Experte für Rinderhaltung, hat die Aufnahmen für die ARD und die „Süddeutsche Zeitung“ begutachtet. Seine Einschätzung: „Ich habe solche Bilder noch nie gesehen. Sie sind nicht akzeptabel. Das sind unerträgliche Zustände. Das verstößt eindeutig gegen die bestehenden Gesetze. Es ist bedrückend.“

Der Familienbetrieb - einer der größten Milchwirtschaftsbetriebe in Deutschland – hat sich zu den Vorwürfen bisher noch nicht geäußert. Die Staatsanwaltschaft Memmingen bestätigte, dass sie die Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen hat.

Käserei beendet Zusammenarbeit mit Milchviehhof

Ein Kunde des Betriebs hat die Zusammenarbeit nach Bekanntwerden der Vorwürfe aufgekündigt. „Die gelieferte Milch des betreffenden Milchviehhofes war und ist von einwandfreier Qualität, dennoch werden wir, aus ethischen und moralischen Gründen, ab sofort keine Milch mehr von diesem Hof annehmen und verarbeiten“, teilte die Käserei Champignon am Mittwoch dem SWR mit.

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