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Schon über 1.300 Mitarbeiter des Fleischbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind mit dem Coronavirus infiziert. Der Bundesarbeitsminister will durchgreifen.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch bei dem Schlachtbetrieb Tönnies hat Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) scharfe Maßnahmen angekündigt, um Missstände in der Fleischindustrie zu beheben. „Wir machen jetzt Schwerpunktrazzien der Arbeitsschutzbehörden des Zolls“, sagte er am Montag in der ARD. Auch im System müsse sich etwas ändern.

„Das kann sich diese Gesellschaft nicht länger bieten lassen“

Heil betonte, es müsse mit den vielen Subunternehmen und der Ausbeutung von Menschen Schluss sein. „Unter der Bedingung der Pandemie wird aus dieser Form von Ausbeutung ein allgemeines Gesundheitsrisiko“, sagte der SPD-Politiker. „Das kann sich diese Gesellschaft nicht länger bieten lassen.“

Der Minister forderte zugleich die Verantwortung der Unternehmen ein. „Ich erwarte von diesem Unternehmen, dass alles getan wird, um den Schaden zu begrenzen, um tatsächlich auch einzustehen für das, was da angerichtet wurde“, sagte Heil. Es müsse geprüft werden, welche zivilrechtlichen Haftungsmöglichkeiten es gebe.

BUND: Mensch und Tier bleiben auf der Strecke

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt sagte, der Fall Tönnies sei nur die Spitze des Eisbergs. „Seit Jahrzehnten erleben wir in der Land- und Lebensmittelwirtschaft ungehemmte Konzentrationsprozesse zu immer größeren Ställen, Bauernhöfen oder Schlachtkonzernen“, erklärte er am Montag in Berlin.

Dabei blieben gute Arbeitsbedingungen, artgerechte Tierhaltung sowie Umwelt- und Klimaschutz viel zu oft auf der Strecke. Die auf Wachstum und Agrarexport ausgerichtete Politik habe einen erheblichen Anteil an dem Skandal.

Kommt der Lockdown für Rheda-Wiedenbrück?

Nach dem massiven Corona-Ausbruch bleibt die Großschlachterei Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück bis 2. Juli geschlossen. Der zuständige Kreis Gütersloh hatte am Wochenende die 7.000 Beschäftigten und das Management per Verordnung unter Quarantäne gestellt. Bis Sonntagnachmittag wurden nach Behördenangaben rund 1.330 Beschäftige vor allem aus Osteuropa positiv auf das Coronavirus getestet.

Die Landesregierung entschied sich am Sonntag zunächst gegen einen Lockdown und damit das massive Runterfahren des öffentlichen Lebens für die ganze Region. Am Montagabend hieß es dann doch, es zeichneten sich neue Schritte  zur Eindämmung des Infektionsherdes ab.

Fachleute des Robert-Koch-Instituts und andere Wissenschaftler sind im Kreis Gütersloh laut Behörden im Einsatz. „Deren Empfehlungen folgen weitere Maßnahmen“, teilte Laschet am Montag über Twitter mit, ohne dabei Details zu nennen.

Adressliste war unvollständig

Das Vertrauen in die Firma Tönnies selbst ist bei den Behörden zurzeit recht niedrig: Auf der von der Firma Tönnies gelieferten Beschäftigtenliste hätten am Freitag bei 30 Prozent die Adressen gefehlt, sagte der Fachbereichsleiter Gesundheit beim Kreis Gütersloh, Thomas Kuhlbusch. Auch bei Nachfragen habe das Unternehmen nur zögerlich reagiert.

Dafür reagierten die Behörden: In der Nacht auf Samstag hätten sich Mitarbeiter von Kreis und Arbeitsschutz in der Konzernzentrale die Personalakten besorgt und bis zum Morgen ausgewertet, erklärte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) bei einer Pressekonferenz.

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