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Nach der Massenpanik beim Lag-Ba-Omer-Fest im israelischen Wallfahrtsort Meron mit Dutzenden Toten und 150 Verletzten suchen die Behörden nach der Unglücksursache.

Tausende gläubige Juden strömten am Donnerstagabend in den Wallfahrtsort Meron in Israel. Zuerst feierten sie und beteten. Aber dann rutschten wie es aussieht einige Menschen auf einer Metallrampe aus, andere fielen im dichten Gedränge über die Gestürzten – es brach eine Massenpanik aus.

Mindestens 45 Menschen starben, etwa 150 wurden verletzt. Schon jetzt ist klar: Die Massenpanik beim Lag-Ba-Omer-Fest ist eine der schlimmsten Katastrophen der israelischen Geschichte.

Am Freitagmorgen begannen die Behörden damit, die Opfer zu identifizieren. Die meisten Opfer sollten noch im Laufe des Freitags – vor Beginn des jüdischen Ruhetages Sabbat – begraben werden.

Ausschreitungen am Morgen nach der Massenpanik

Nach der Massenpanik riegelten die Sicherheitskräfte das Gelände ab, die Polizei sperrte Zufahrtsstraßen. Es gab Berichte, dass sich Hunderte Gläubige am Morgen weigerten, zu gehen, weil sie beten wollten.

Es sei auch zu Ausschreitungen gekommen, hieß es. Die Polizei berichtete außerdem, es habe Probleme mit dem Handyempfang gegeben. Viele verzweifelte Menschen konnten Angehörige in Meron nicht erreichen.

Zehnmal mehr Besucher als erlaubt

Die Behörden hatten für das Fest in Meron wegen der Corona-Pandemie nur 10.000 Besucher zugelassen. Israelische Medien berichteten, dass aber fast 100.000 Besucher in den Wallfahrtsort geströmt seien.

Die Polizei hat am Freitagmorgen damit begonnen, die genaue Ursache der Massenpanik herauszufinden. Die Polizisten stehen dabei unter Beschuss: Sie hätten Leute in das abgesperrte Areal gelassen, obwohl es schon extrem voll gewesen sei.

Als die Panik ausbrach, habe die Polizei dann nicht schnell genug Ausgänge auf der anderen Seite geöffnet, so die Kritik. Insgesamt waren etwa 5.000 Sicherheitskräfte rund um Meron im Einsatz.

Rettungskräfte sind erschüttert

Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sprach von einem „unerträglichen Ereignis“. „44 Menschen, die Freude erleben wollten und die in Leichensäcken zurückkommen“, sagte Motti Buckchin der Nachrichtenseite ynet.

Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen.

Ein Zaka-Sprecher sagte, es herrsche Chaos. Viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. „Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte der Sprecher. „Das sind unfassbare Zahlen.

Dieses vom israelischen Rettungsdienst Magen David Adom zur Verfügung gestellte Foto zeigt Ersthelfer in der jüdisch-orthodoxen Pilgerstätte am Berg Meron. Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Magen David Adom | -)
Dieses vom israelischen Rettungsdienst Magen David Adom zur Verfügung gestellte Foto zeigt Ersthelfer in der jüdisch-orthodoxen Pilgerstätte am Berg Meron. Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. picture alliance/dpa/Magen David Adom | -

Maas twittert: „Erschütternde Nachrichten“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) twitterte am Freitagmorgen: „Die Nachrichten, die uns heute Morgen von der Tragödie beim Lag B'Omer Fest am Meron Berg in Israel erreichen, sind erschütternd. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.

Die Nachrichten, die uns heute Morgen von der Tragödie beim Lag B'Omer Fest am Meron Berg in #Israel erreichen, sind erschütternd. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell wünschte den Verletzten eine rasche Genesung. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte seine Bestürzung über das „schwere Unglück“.

Fest hat eine 2.000 Jahre alte Tradition

Das Lag-Ba-Omer-Fest erinnert unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba. Er brach im Jahr 132 aus und wurde drei Jahre später niedergeschlagen. Am Tag von Lag-Ba-Omer ist der Erzählung nach auch eine Epidemie zu Ende gegangen, an der viele jüdische Religionsschüler starben.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 28. Juli, 02:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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