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Die Staatsanwaltschaft Trier hat den mutmaßlichen Amokfahrer von Trier wegen fünffachen Mordes angeklagt. Außerdem wird dem 51-Jährigen versuchter Mord in 18 weiteren Fällen vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft geht vom Mordmerkmal der Heimtücke aus. Er sei in der Absicht, „möglichst viele Menschen zu töten oder zumindest zu verletzen“ durch die Trierer Fußgängerzone gerast. Dafür sei er „wahllos und gezielt auf Passanten“ zugefahren, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Amokfahrer von Trier: Motiv der Tat weiter unklar

Das Motiv des Mannes sei weiter unklar, so der Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. Die Staatsanwaltschaft gehe momentan davon aus, dass er aus persönlichen Motiven gehandelt habe. Er sei alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und offenbar durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert gewesen, hieß es.

Außerdem leide der mutmaßliche Täter nach Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen an einer Psychose. Über die Frage der Schuldfähigkeit werde das Landgericht Trier in der Hauptverhandlung entscheiden, sagte Fritzen.

1. Dezember 2021: Bei der Amokfahrt in Trier sterben fünf Menschen – darunter ein Baby

Bei der Amokfahrt in Trier starben fünf Menschen. Unter den Opfern waren ein damals neuneinhalb Wochen altes Mädchen und sein 45 Jahre alter Vater. Außerdem verloren drei Frauen ihr Leben. Alle stammten aus Trier. Mehrere Menschen seien so schwer verletzt, dass sie bis heute klinisch behandelt werden müssten.

Der mutmaßliche Amokfahrer war teilweise mit mehr als 80 Stundenkilometer durch die Fußgängerzone in Trier gerast. Zur Tatzeit sei er alkoholisiert gewesen, ein Atemalkoholtest habe einen Wert von 1,4 Promille ergeben. Kurz nach der Tat konnte er festgenommen werden.

Todesfahrt durch Trier: Nach Angaben der Polizei begann die Fahrt am roten Punkt im Bereich der Konstantinstraße. Von dort bog das Fahrzeug in die Fußgängerzone (gestrichelte Linie) in der Brotstraße ein. Über den Hauptmarkt fuhr das Auto weiter in die Simeonstraße, anschließend weiter in Richtung Porta Nigra. Dort bog der Wagen nach rechts in die Christophstraße in Richtung Hauptbahnhof ab. Am blauen Kreuz trafen alamierte Polizeibeamte den Wagen stehend an und überwältigten den Fahrer. (Foto: Polizei Trier)
Todesfahrt durch Trier: Nach Angaben der Polizei begann die Fahrt am roten Punkt im Bereich der Konstantinstraße. Von dort bog das Fahrzeug in die Fußgängerzone (gestrichelte Linie) in der Brotstraße ein. Über den Hauptmarkt fuhr das Auto weiter in die Simeonstraße, anschließend weiter in Richtung Porta Nigra. Dort bog der Wagen nach rechts in die Christophstraße in Richtung Hauptbahnhof ab. Am blauen Kreuz trafen alamierte Polizeibeamte den Wagen stehend an und überwältigten den Fahrer. Polizei Trier

Polizei: Fahrer stellte Auto ab und rauchte eine Zigarette

Unmittelbar nach der Amokfahrt stellte der Täter nach Angaben der Polizei sein Auto ab und rauchte eine Zigarette. Polizisten hätten den 51-Jährigen stehend am Heck des Wagens angetroffen, berichtete der Polizeivizepräsident von Trier, Franz-Dieter Ankner, im Dezember in einer Sondersitzung des Innenausschusses des rheinland-pfälzischen Landtags in Mainz.

Dort sah er den Einsatzkräften grinsend entgegen“, sagte er weiter. Die Beamten hätten ihn dann überwältigt und festgenommen.

Polizei: Amokfahrer von Trier hatte Munition dabei

Außerdem sei in dem Auto, mit dem der 51-Jährige durch die Trierer Fußgängerzone fuhr und mehrere Menschen tötete, scharfe Munition gefunden worden. Es wurde aber bislang keine dazu passende Waffe entdeckt, berichtete der Polizeivizepräsident weiter. Weil sich Kartons in dem Wagen befanden, seien Sprengstoffexperten eingeschaltet worden, die dann aber Entwarnung gegeben hätten, erklärte er.

Keinen Hinweis auf Mittäter oder Unterstützer

Ankner erklärte außerdem, dass es weiterhin keine Hinweise auf Mittäter oder Unterstützer für die Tat gebe. Der mutmaßliche Amokfahrer gelte als Einzelgänger.

Er habe offenbar in dem Geländewagen, der für die Tat benutzt wurde, übernachtet. Das Auto sei dem Mann von einem Bekannten aus Gefälligkeit überlassen worden, so der Polizeivizepräsident.

Schweigeminute in Gedenken an die Opfer

Nach der Amokfahrt kamen Tausende Menschen zu Gedenk- und Trauerorten in der Innenstadt zusammen. Mit einer Gedenkveranstaltung an der Porta Nigra und einer Schweigeminute wurde der Opfer gedacht. 

Trier

Gedenken an Opfer der Amokfahrt Schweigeminute in Trier: „Das Leben steht für diesen Moment still“

Zwei Tage ist es her, dass ein Mann mit seinem Geländewagen in der Trierer Innenstadt Fußgänger überfahren hat. Heute wurde der Opfer und allen Betroffenen mit einer Schweigeminute gedacht.  mehr...

Trierers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) bedankte sich für die große Anteilnahme und die vielen Solidaritätsbekundungen. „Es hilft uns allen sehr, zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft innerhalb und außerhalb der Stadt Trier ist.

Langfristige Hilfen für Opfer der Amokfahrt

Der Opferbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek (SPD) sieht einen Bedarf für ein Hilfssystem, „das sich nicht auf schnelle und frühe Hilfe konzentriert, sondern langfristig zur Verfügung steht“. Es sei nach der Tat von Trier aber wichtig, dass sich die Opfer und die Zeugen der Tat austauschen könnten.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 16. September, 23:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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