STAND
AUTOR/IN

Warum wurden die vielen Betroffenen in der Hochwasser-Nacht nicht früher gewarnt? Jetzt steht fest: Zwar hatte die Leitstelle Trier zehn Meldungen an die Medien verschickt, diese liefen aber offenbar „ins Leere“.

Bei der Frage danach, warum viele Betroffene der Hochwasser-Nacht nicht früher gewarnt wurden, gibt es neue Erkenntnisse: Wie die Kreisverwaltung Trier-Saarburg dem SWR auf Nachfrage mitteilt, liefen deren Meldungen an die Medien offenbar „ins Leere“.

Hochwasser-Warnung: Problem mit missverständlichem Meldeformular

Doch warum kamen die Meldungen nicht an? Grund dafür sei wohl ein Meldeformular des sogenannten MoWaS-Meldesystem, das missverständliche Informationen enthalten hatte. Mit dem MoWaS-Meldesystem können Katastrophenschutz-Stellen in Kooperation mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Warnmeldungen absetzen, die über Medien und Warn-Apps verbreitet werden. Auf Grundlage des Formulars ging der zuständige Einsatzleiter davon aus, dass die Meldungen an die Medien verschickt wurden.

Haben die Warnsysteme versagt? Hochwasser-Kritik: Wer hat Schuld an der Katastrophe in NRW und RLP?

Hätte man die Menschen in den Hochwassergebieten nicht früher und besser warnen können? Über Warnsysteme und Bevölkerungsschutz ist ein Streit entbrannt.  mehr...

Warnungen enthielten konkrete Handlungsanweisungen für die Bevölkerung

Zehn solcher Warnmeldungen verschickte die Integrierte Leitstelle Trier in der Hochwasser-Nacht zwischen 19.01 Uhr und 9.16 Uhr. In der ersten Meldung um 19:01 Uhr hieß es: „In den nächsten Stunden sind starke Regenfälle, schnell steigende Flusspegel und Unwetter zu erwarten. Es besteht Hochwassergefahr.“ Außerdem enthielten die Meldungen konkrete Handlungs- und Verhaltensanweisungen für die Bevölkerung.

Um 1:05 Uhr verschickte die Leitstelle Trier sogar eine Meldung der höchsten Warnstufe, bei der die Sender dazu aufgefordert sind, ihr Programm sofort zu unterbrechen. Darin hieß es: „Evakuierung des Seniorenheims Kordel und der angrenzenden überflutungsgefährdeten Häuser. Folgen Sie den Anweisungen der Einsatzkräfte, achten Sie auf weitere Meldungen.

Doch keine der insgesamt zehn verschickten Warnmeldungen erreichte regionale Medien wie den SWR oder RPR1 – obwohl der Einsatzleiter, der die Meldungen bei der Leitstelle in Auftrag gab, davon ausging.

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Chronik Hochwasser & Unwetter Hier findest du die Entwicklungen vom 14.7. bis 21.7.2021

Im SWR3-Ticker halten wir euch auf dem Laufenden in Sachen Hochwasser und Unwetter. Hier kannst du zurückblicken auf die Ereignisse vom 14.7. bis 21.7.2021.  mehr...

Ein weiteres Problem: Auch über die von der Leitstelle im Auftrag des Einsatzleiters ausgewählte Kategorie „regional/lokal“ erreichte die Warnmeldung aus Trier die Bevölkerung nicht über die Medien. Denn zur Verfügung standen hier im vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bereit gestellten Warnsystem MoWaS offenbar nur der Radiosender Energy und die Verlagsgruppe Madsack – beide Medienhäuser wurden somit zwar von der Leitstelle benachrichtigt, berichten aber nicht explizit aus der Region Trier.

Möglicher Aktualisierungsbedarf war bekannt

Vergangenen Juni sei das Ministerium durch eine Berufsfeuerwehr auf „einen möglichen Aktualisierungsbedarf des Meldeformulars“ aufmerksam gemacht worden. Der Hinweis betreffe auch die Änderung der Medienkategorien. Es sei nun „notwendig, die Dinge zeitnah aufzuarbeiten,“ erklärte die Kreisverwaltung Trier-Saar.

Ermittlungen im Kreis Ahrweiler nach Hochwassere-Katastrophe

In diesem Zusammenhang wird jetzt auch aufgearbeitet werden müssen, warum der Landkreis Ahrweiler, in dem mindestens 140 Menschen starben, nicht eine einzige Warnmeldung über das hierfür vorgesehene BBK-System MoWaS verschickte. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat in Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe im Ahrtal Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassung aufgenommen.

Ahrweiler

An Ahr und Mosel: So viel Geld gibt es Ab Montag können Flut-Betroffene in RLP Wiederaufbauhilfe beantragen

In Rheinland-Pfalz werden weiter die Flut-Schäden beseitigt und der Wiederaufbau läuft. Ab Montag können die Flut-Betroffenen Geld dafür beantragen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 29. Mai, 5:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

Dauer

Meistgelesen

  1. Nach Real-Sieg im Champions-League-Finale „Zwei so Scheißfragen“ – CL-Sieger Toni Kroos bricht Live-Interview ab

    „Da weiß man direkt, dass du aus Deutschland kommst“: Nach nur 45 Sekunden hat Champions-League-Sieger Toni Kroos von Real Madrid einen ZDF-Reporter einfach stehen lassen.  mehr...

  2. Liveblog zum Krieg in der Ukraine Selenskyj: Können nicht gesamtes Staatsgebiet mit Gewalt zurückholen

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen: Während die Welt den Einmarsch verurteilt, zerstören russische Truppen Städte und Infrastruktur. Alle Infos dazu.  mehr...

  3. Rezo Video treibt es auf die Spitze Wann steht Germany's Next Topmodel vor dem Aus?

    Man kann Modellcasting-Shows gut finden. Aber was, wenn junge Frauen immer wieder zu Dingen getrieben werden, die sie absolut nicht wollen? Wenn großes Leid entsteht? Rezo belegt das bei GNTM so eindeutig, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.  mehr...

  4. Staufen

    Zeuge hörte einen Schrei Staufen: 15-Jähriger klettert Strommast hoch und gerät in Brand

    War es eine Mutprobe? Ein 15-Jähriger ist am Abend in Staufen vor Zuschauern einen Strommast hochgeklettert. Ein See in der Nähe hat ihm wohl das Leben gerettet.  mehr...

  5. Nach Amoklauf an Grundschule in Texas Tote Lehrerin: Witwer stirbt vor Kummer – Mega-Spenden für ihre Kinder

    Größer kann ein Unglück kaum werden: Die Verzweiflung über den Mord an seiner Frau – einer heldenhaften Lehrerin im texanischen Uvalde – hat den Familienvater Joe Garcia umgebracht. Tausende spenden jetzt für die vier Kinder des Paares. Die Summe ist beeindruckend.  mehr...

  6. Tatort-Kritik „Liebeswut“ Psychothriller mit ganz schön viel „Kunst“

    Eine Frau im Hochzeitskleid mit Kopfschuss: Selbstmord vermuten die beiden Bremer Kommissarinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram). Oder war es doch der Teufel?  mehr...