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Björn Widmann (Foto: SWR3)

Das erste Fernsehduell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden dauerte 90 Minuten. Die waren aber nicht voller Wahlversprechen und konkreter Ideen – sondern voller Beleidigungen und persönlicher Angriffe.

US-Präsident Donald Trump ist bekannt und gefürchtet dafür, Gesprächspartner zu überfahren. So versuchte Trump es auch bei der ersten TV-Debatte gegen Joe Biden – der teilte aber heftig gegen den Präsidenten aus.

Zum Teil verlief der eineinhalbstündige Auftritt ziemlich chaotisch. Trump fiel Biden ständig ins Wort, das ging Biden ziemlich auf die Nerven und er giftete an einer Stelle besonders scharf zurück: „Halt doch mal den Mund, Mann. Das ist so was von unpräsidial.“

Biden attackiert Trump als „Clown“

Demokrat Biden beschimpfte Trump als „Clown“, „Lügner“, „Rassisten“, „Putins Schoßhündchen“ und den „schlechtesten Präsidenten, den Amerika je hatte“. Trump konterte: „Nichts an dir ist schlau, Joe.“

Als es um die Anti-Rassismus-Proteste ging, rief Republikaner Trump die Rechtsextremisten in den USA dazu auf, sich zurück-, aber auch bereitzuhalten. Ansonsten wurden Trump und Biden nur selten inhaltlich konkret.

Von Rassismus bis Klimawandel ohne konkretes Ergebnis

Die Themen beim TV-Duell reichten von der Corona-Pandemie und deren wirtschaftlichen Folgen über den Streit um den vakanten Posten am Obersten Gerichtshof, Trumps unveröffentlichten Steuererklärungen bis hin zu Rassismus und Klimawandel.

Ob er eine Niederlage am 3. November ohne weiteres hinnehmen werde, ließ Trump weiter offen. Stattdessen warnte er vor massivem Wahlbetrug im Zusammenhang mit der Briefwahl. „Das wird ein Betrug sein, wie Sie ihn noch nie gesehen haben.“ Das Ergebnis werde womöglich noch Monate nach der Wahl nicht feststehen.

Trump macht Stimmung gegen Briefwahl

Moderator Chris Wallace wollte von Trump wissen, ob er zur Ruhe aufrufen und darauf verzichten werde, seinen Sieg zu erklären, bis der Ausgang klar sei. Trump antwortete, seine Anhänger sollten gut aufpassen. Er hoffe, dass die Wahl fair verlaufen werde. Aber wenn er sehe, dass „Zehntausende Wahlzettel manipuliert werden, kann ich da nicht mitziehen“, sagte Trump.

Wie viele Experten sagte auch Biden noch einmal, dass die Briefwahl sicher sei. Er werde den Wahlausgang auf jeden Fall akzeptieren, ob er gewinne oder verliere.

Aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus dürften deutlich mehr Amerikaner als sonst die Briefwahl nutzen. Experten gehen aber davon aus, dass mehr Anhänger der Demokraten als der Republikaner darauf zurückgreifen werden.

CNN-Faktencheck entlarvt beide Kandidaten

„Wir hatten eine Lawine an Lügen von Präsident Trump“, sagte CNN-Faktenchecker Daniel Dale im Anschluss an die Debatte. Biden dagegen habe zwar auch einige falsche und irreführende Aussagen gemacht, habe aber größtenteils richtig gelegen.

So warf Trump Biden unter anderem vor, Schwarze in der Vergangenheit als Raubtiere bezeichnet zu haben. Tatsächlich war es aber Hillary Clinton, die 1996 im Zusammenhang mit Gang-Kriminalität den Begriff „Raubtiere“ für Schwarze verwendete. Biden benutzte den Begriff in den Neunzigern zwar auch – nannte Schwarze aber nicht pauschal so.

Aber auch Bidens Vorwurf, die Trump-Regierung habe in der Corona-Krise nichts getan, um kleinen Unternehmen zu helfen, wurde als falsch entlarvt. Die Konjunkturpakete, auf die sich Demokraten und Republikaner geeinigt hatten, waren auch für kleine und mittlere Unternehmen bestimmt. Es gab aber Kritik, dass das Geld bei den Unternehmen nicht ankam, die es am dringendsten gebraucht hätten.

Und es geht doch noch tiefer… So geschockt reagiert das Netz auf das Trump-Biden-TV-Duell

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So ist die Debatte gelaufen

Dass Trump sich nicht so leicht geschlagen geben wird, war schon vor dem TV-Duell klar. Dementsprechend ging Trump mit seiner – wie CNN es nannte – „Bulldozer-Persönlichkeit“ auf Biden los und ließ seinem Konkurrenten kaum Raum, dessen Sätze zu beenden.

Trump lag zuletzt in vielen Umfragen auf Platz zwei und versuchte, die Debatte zu bestimmen. Er stellte Biden immer wieder verbal ein Bein, unterbrach ihn und beleidigte ihn sogar.

Ganz im Trump-Stil machte er die Debatte mehr über sich selbst und wurde seinem Ruf als Rüpel gerecht. „Da ist nichts Intelligentes an Ihnen“, sagte Trump zu Biden. „47 Jahre lang haben Sie nichts gemacht.“

Trump übertönt Biden

Die schlimmsten Gegenangriffe Bidens wehrte Trump damit ab, dass er einfach mit lauter Stimme weiterredete. Seine Mitarbeiter glaubten vor der Debatte, dass Biden nicht in der Lage sein würde, Trumps offensiver Art etwas zu entgegnen. Aber auch Biden platzierte einige Konter, nannte Trump einen „Clown“ und giftete: „Würden Sie die Klappe halten, Mann?“

Bei Moderator Chris Wallace hinterließ Trump nicht viel Eindruck: „Offen gesagt, haben Sie mehr unterbrochen“, sagte Wallace zum Präsidenten, als er ihn bat, Biden aussprechen zu lassen.

Coronavirus holt Trump bei Debatte ein

Trump hatte gehofft, dass sich die Wahl an allen Themen entscheidet, außer an seiner Corona-Politik. Aber die Pandemie holte ihn auf der Bühne ein. „Es ist wie es ist, weil Sie sind wer Sie sind“, sagte Biden zu Trump, der die Gefahren des Virus immer heruntergespielt hatte. Im Privaten hatte er allerdings gesagt, er verstehe, wie tödlich es sei.

Trump reagierte auf Bidens Angriffe mit einer Mischung aus Verteidigung und Gegenangriff. Anstelle der mehr als 200.000 Toten durch die Pandemie in den USA hätte es unter Biden „Millionen“ gegeben, behauptete Trump.

Eine schwierige Wirtschaftslage? Unter Biden wäre es schlimmer. Trump stellte seine Behauptungen allerdings auf, ohne überzeugende Belege oder Hinweise zu liefern. Biden hätte nicht genügend Masken oder Beatmungsgeräte herstellen lassen, warf er dem Demokraten an den Kopf.

„Es wird sehr bald einen Impfstoff geben“, sagte Trump. Biden tat das als Zukunftsmusik ab: „Viele Menschen sind gestorben und viele mehr werden sterben, es sei denn, er wird deutlich schlauer“, sagte Biden über Trump.

Tiefer Graben in der Gesellschaft in den USA

Beim Thema Pandemie wurde auch wieder klar, wie tief der Graben zwischen Demokraten und Republikanern in den USA ist – somit auch in der Gesellschaft: „Er will einen Shutdown dieses Landes, und ich will es offen halten“, sagte Trump über die Corona-Strategie von Biden.

Biden will die Corona-Pandemie mit Hilfe einer nationalen Strategie eindämmen. Dabei wolle er dem Rat von Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten folgen. Falls die zur Eindämmung der Pandemie neue Ausgangsbeschränkungen empfehlen sollten, würde er dem Folge leisten, sagte Biden vor Kurzem. So warf Biden Trump während der Fernsehdebatte vor, sich „völlig unverantwortlich“ verhalten und so Tausende von Menschenleben gefährdet zu haben.

Biden: „Rassist im Oval Office”

Beim Thema Rassismus ließ Trump kein gutes Haar an seinem Herausforderer Biden. Er behauptete, Biden habe geholfen, Millionen schwarzer Amerikaner mit einem Gesetz von 1994 ins Gefängnis zu bringen. Biden nannte Trump den „Rassisten“ im Oval Office.

Biden blieb gefasst, als Trump ihn immer wieder angriff. Auch als der Präsident Biden als Werkzeug der „radikalen Linken“ darstellte und als schwache Figur, die gegen „Recht und Ordnung“ sei.

Er forderte von Biden wiederholt, eine Polizeigewerkschaft zu nennen, die ihn unterstütze, und behauptete erneut fälschlicherweise, Biden wolle der Polizei die Mittel entziehen.

Biden verteidigte sich oft zu spät

Biden versuchte, sich zu wehren, konnte sich aber erst verteidigen, nachdem Trump seine Argumente vorgebracht und falsche Behauptungen aufgestellt hatte. Biden gewann wieder etwas an Boden, als er sich über Trumps Warnungen vor Vororten lustig machte: „Er kennt keinen Vorort, es sei denn, er nimmt die falsche Abzweigung.“

Ein weiteres Reizthema vor allem bei den Demokraten war die Nominierung von Amy Coney Barrett als Richterin am Supreme Court – nur wenige Wochen vor der Präsidentenwahl. Dazu sagte Trump: „Wahlen haben Konsequenzen.“

Biden sei nicht gegen Barrett, sagte er. Allerdings sei er der Ansicht, „das amerikanische Volk hat das Recht, bei der Nominierung für den Supreme Court mitzuentscheiden“.

Biden sorgt sich bei der Nominierung Barretts vor allem um zwei wichtige Bereiche: Gesundheitsversorgung und Abtreibung. Biden sagte, Barrett würde mit ihrer Stimme dafür sorgen, dass die Obamacare-Krankenversicherung für Millionen von Amerikanern mit Vorerkrankungen gekippt und legale Abtreibungen gefährdet würden. Trump versuchte, das zu verteidigen – konnte aber nicht sehr überzeigend argumentieren.

Moderator Wallace hatte Mühe mit Trump

Fox-News-Moderator Chris Wallace hatte bei der Debatte keine leichte Aufgabe. Es sei nicht sein Job, in Echtzeit Fakten zu checken, sagte Wallace im Vorfeld. Aber letztendlich hatte er Probleme, Trump zu stoppen. Der Präsident unterbrach seinen Konkurrenten Biden immer wieder.

Während der Debatte schien Wallace auch immer wieder die Kontrolle verloren zu haben. „Ich bin der Moderator und ich möchte, dass Sie mich meine Frage stellen lassen“, sagte Wallace zu Trump. Minuten später: „Ich habe Ihnen in etwa gleich viel Zeit gegeben. Bitte lassen Sie den Vizepräsidenten sprechen.“

Trump zieht Biden-Sohn in Debatte

Wie von vielen erwartet, schaffte es Trump, auch Joe Bidens Sohn Hunter in der Debatte unterzubringen. Trump wirft ihm vor, Geld aus Russland bekommen zu haben. Das widerlegte der Senat in einem Bericht.

Joe Biden nannte Trumps Herunterbeten von alten Vorwürfen „diffamierend“ und feuerte zurück: „Seine Familie – da könnten wir die ganze Nacht reden.“

Aber statt weiter auf Trumps Familie einzugehen, wandte sich Biden stattdessen direkt an das Publikum, blickte in die Kamera und sagte: „Es geht nicht um meine Familie oder seine Familie. Es geht um Ihre Familie.“

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