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Joe Biden ist Wahlsieger, damit ist der Krimi um die US-Wahl aber noch nicht vorbei. Hier geht's zu unserem FAQ rund um die Kandidaten, deren Ideen und das Wahlsystem.

Noch einer langen Geduldsprobe ist die US-Wahl entschieden: Der demokratische Herausfordere Joe Biden bekam mehr Stimmen. Derzeit weigert sich der republikanische Amtsinhaber Donald Trump aber, seine Niederlage einzuräumen. Er wirft Wahlbetrug vor, ohne Fakten nennen zu können und will gerichtlich dagegen vorgehen.

Trump und Biden: Mit diesen Ideen sind die Kandidaten angetreten

Donald Trump

Donald Trump wurde 1946 als Sohn eines New Yorker Immobilienunternehmers geboren. Seine Großeltern väterlicherseits stammen aus Rheinland-Pfalz. Trump ist Unternehmer, bereits vor seiner politischen Karriere war er in den USA bekannt – unter anderem durch Auftritte in seiner eigenen Reality-TV-Show.

Trump hat fünf Kinder. Drei stammen aus seiner Ehe mit dem Model Ivana: seine Söhne Donald Jr. und Eric und seine Tochter Ivanka. Aus der Ehe mit der US-Schauspielerin Marla Maples ging seine Tochter Tiffany hervor. 2005 heiratete Trump dann das slowenische Model Melania. Mit ihr hat er einen Sohn namens Barron.

Trumps Strategie: polarisieren und konfrontieren

Kaum ein anderer US-Präsident hat während seiner Amtszeit so stark polarisiert wie Trump. Das ist auch Teil seiner politischen Strategie.

Der Anti-Politiker, der mit dem aufräumt, was seiner Klientel so sehr zu schaffen macht: Von einer selbst ernannten Elite aus Wirtschaft, Politik und Medien in den Küstenstädten nicht mehr ernst genommen zu werden.

Ukraine-Affäre Warum droht Trump ein Amtsenthebungsverfahren?

Die Demokraten im US-Kongress prüfen, ob sie ein Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump einleiten. In einem Telefonat mit dem ukrainischen Staatschef habe Trump Verrat begangen, so die Vorwürfe.  mehr...

Wir müssen mit politischer Korrektheit aufhören, ein Land aufbauen, das nicht mehr diese Probleme hat.

Konfrontation sei Trumps Mittel der Wahl, um etwas zu erreichen, so Landwehr. „Handelskriege, gekündigte Abrüstungsverträge, Erpressung von Unternehmen und vieles mehr.“

Bei einem Thema ging Trumps Strategie nicht auf: die Corona-Pandemie. Mit fast neun Millionen Corona-Infektionen sind die USA weltweit nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität am stärksten von der Pandemie betroffen. Demnach sind bisher mehr als eine Million US-Amerikaner gestorben (Stand: 27. Oktober). Der Vorwurf von Kritikern: Trump habe zu spät auf die Corona-Krise reagiert und sie zu Beginn verharmlost. Das könnte ein Faktor gewesen sein, der ihn jetzt die Präsidentschaft gekostet hat.

Was sind Trumps Positionen?

Trump hat kein offizielles Wahlprogramm. Bekannt ist, dass er das Krankenversicherungssystem Obamacare seines Vorgängers am liebsten abschaffen würde – außerdem wird er wahrscheinlich weiterhin für eine verschärfte Einwanderungspolitik stehen.

Der Satz 'America First'– also 'Amerika zuerst' – hat Trumps Amtszeit geprägt. Das nimmt vor allem Einfluss auf Trumps Außen- und Wirtschaftspolitik. Die USA sollen nicht mehr die 'Weltpolizei' sein, also nicht mehr so stark in internationalen Konflikten und Kriegs- und Krisengebieten mitmischen, wie das vorher oft der Fall war. In der Wirtschaftspolitik setzte Trump unter anderem auf hohe Zölle und Einfuhrverbote, um die heimischen Unternehmen zu stärken – damit hatte er vor der Corona-Pandemie wirtschaftlich mehr Erfolg, als viele Kritiker ihm zugestehen wollen.

Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni ist mit einer Amerikanerin verheiratet, deren Vater glühender Fan von US-Präsident...Posted by SWR3 on Monday, November 2, 2020

Durch die Besetzung des frei gewordenen Supreme Court-Sitzes durch die konservative Amy Coney Barrett ist er außerdem seinem Ziel das oberste Gericht der USA für eine lange Zeit sehr konservativ zu prägen ein ganzes Stück näher gekommen. 

Joe Biden

Joe Biden wurde 1942 als Sohn eines Autohändlers geboren. Er ist Jurist und blickt auf eine lange politische Karriere zurück: Er hat bereits vor der aktuellen Wahl zweimal versucht, Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden. Von 2009 bis 2017 war unter Barack Obama Vizepräsident der Vereinigten Staaten.

Aus Bidens Ehe mit Neilia Hunter gingen drei Kinder hervor: Joseph Robinette III, Robert Hunter und Naomi Christina. Sein Privatleben ist geprägt von Schicksalsschlägen: 1972 kamen seine Frau und seine Tochter bei einem Verkehrsunfall ums Leben, 2015 starb sein ältester Sohn an den Folgen eines Gehirntumors. Biden ist mit der Lehrerin Jill Tracy Jacobs verheiratet. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter namens Ashley.

Bidens Strategie: Wird er in Obamas Fußstapfen treten?

„Viele Amerikaner – egal ob sie mich leiden mögen oder nicht – sehen mich als Gegenentwurf zu Trump. Und das stimmt wahrscheinlich“, sagt Biden über sich selbst. Viele sehen in ihm auch einen Politiker, der die Agenda von Trumps Vorgänger Obama fortführen wird.

Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten geht auf Menschen zu, das ist eine seiner größten Stärken.

Seine größte Schwäche: Sein Alter, so Sarre. Denn: Biden wäre beim Amtsantritt 78 Jahre alt – und damit der älteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Allerdings hat er mit der Wahl seiner Vizepräsidentin Kamala Harris bereits eine vor allem bei jungen Wählern beliebte, liberale Demokratin positioniert – sollte ihm etwas passieren.

Was sind Bidens Positionen?

Biden ist politisch gesehen ein Kandidat der Mitte, erläutert Sarre. Er ist für eine Weiterentwicklung der Krankenversicherung, für eine Erhöhung des Mindestlohns, will Jobs schaffen und sich gleichzeitig für den Klimaschutz stark machen. Außerdem will er sich im Kampf gegen die Benachteiligungen von Minderheiten einsetzen.

Wir haben eine Klima-Krise und Donald Trump will die noch nicht mal wahrhaben – sondern spricht von 'Schwindel'.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Corona-Pandemie, von der die USA weiterhin sehr stark betroffen sind. Das macht das Thema auch zu einem der wichtigeren im Wahlkampf. Biden kritisiert Trump immer wieder für sein Missmanagement in der Krise und macht ihn damit auch für den Tod von einer Million US-Amerikanern verantwortlich. Auf seiner offiziellen Homepage wirbt Biden – neben einem detaillierten Plan – mit drei Kernthesen für einen besseren Umgang zur Eindämmung der Pandemie:

  1. auf die Wissenschaft hören
  2. Entscheidungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit sollen von Experten getroffen werden
  3. Vertrauen, Transparenz, gemeinsame Ziele und Rechenschaftspflicht von Seiten der Regierung wiederherstellen

Gefahr für Amerikas Demokratie? Herausforderer über Trump: „Er wird versuchen, die Wahl zu stehlen“

Niemand weiß, ob Donald Trump wiedergewählt wird oder nicht. Viele befürchten aber, er könne eine Niederlage schlicht nicht anerkennen. Gegner Biden hat schon eine Idee, was dann passieren könnte.  mehr...

Electoral College und Swing States: Wer entscheidet über das Wahlergebnis?

Was ist das Electoral College?

Für den Sieg bei der Präsidentschaftswahl in den USA ist das sogenannte Electoral College entscheidend. Denn in den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt. Stattdessen können die Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme Wahlmänner und -frauen in ihrem jeweiligen Bundesstaat geben, die wiederum den Präsidenten wählen. Diese Wahlleute stehen bereits im Vorfeld für einen der beiden möglichen Kandidaten. Im Electroal College sitzen 538 dieser Wahlleute. Sie werden von den einzelnen Bundesstaaten entsandt. Für eine Mehrheit brauchen die Präsidentschaftskandidaten 270 Stimmen im Electoral College.

Nicht jeder Bundesstaat hat gleich viele Wahlleute im Electroal College – deshalb hat auch nicht jeder Bundesstaat gleich viel Bedeutung für die Wahl des US-Präsidenten. Wie viele ins Electoral College entsandt werden, hängt von der Einwohnerzahl des jeweiligen Bundesstaats ab. Deshalb sind einige besonders wichtig für die Präsidentschaftskandidaten – zum Beispiel Florida, Texas und New York.

Was sind Swing States?

Bei einigen Bundesstaaten ist traditionell klar, welche der beiden Partien sie wählen – also Demokraten (Biden) oder Republikaner (Trump). Entscheidend für das Wahlergebnis sind deshalb auch die sogenannten Swing States. Das sind die Staaten, bei denen vorher unklar ist, welche Partei – beziehungsweise welcher Präsidentschaftskandidat – dort vorne liegen wird. Bei dieser Wahl werden vor allem Florida, Pennsylvania, Arizona, Michigan, Wisconsin und Ohio von großer Bedeutung sein. Wer einzelne dieser Staaten für sich entscheidet, hat die Türe zum Weißen Haus weit aufgestoßen.  

Eine Besonderheit in den USA ist auch das Prinzip: „The winner takes it all“. Das bedeutet: Es ist in einem Bundesstaat entscheidend, wer die Mehrheit hat. Ein Beispiel: Es gibt im Bundesstaat X 20 Wahlleute. 12 davon stimmen für Trump, acht für Biden. Somit hätte Trump dort eine Mehrheit, und würde deshalb die gesamten zwanzig Stimmen erhalten.

Aufgrund dieses Wahlsystems kann es sein, dass ein Kandidat eigentlich mehr Stimmen erreicht, also von einer Mehrheit der Wahlberechtigten gewählt worden wäre, aber trotzdem nicht Präsident wird. Denn: Entscheidend sind ja die Wahlmänner. Das war so zum Beispiel bei der letzten Wahl vor vier Jahren der Fall: Die demokratische Kandidatin Hilary Clinton hatte zwar mehr Stimmen der Bürgerinnen und Bürger, der Republikaner Donald Trump wurde aber Präsident.

Warum lagen die Umfragen 2016 daneben?

In den Umfragen vor der Präsidentenwahl 2020 lag Joe Biden vor Donald Trump – und konnte am Ende auch die Wahl für sich entscheiden. Auch Hillary Clinton führte in vielen Bundestaaten kurz vor der Wahl 2016. Wie wir wissen kam es damals anders – Trump wurde US-Präsident.

Die Gründe für die abweichenden Ergebnisse damals sind vielfältig:

  • Unentschiedene Wähler gaben ihre Stimmen in letzter Minute doch Donald Trump. Die Menge der „undecided voters“ – also der unentschlossenen Wähler – wurde unterschätzt: Der Republikanische Kandidat Trump schaffte es offenbar in den letzten Tagen vor der Stimmabgabe bei genau dieser Wählergruppe Stimmen zu gewinnen.
  • Die Wahlbeteiligung der Trump Wähler war höher als zuvor angenommen. Trump schaffte es, seine Fans in die Wahlkabine zu bewegen – das gelang ihm besser als Clinton. Ein weiterer möglicher Grund: Einige der Wähler der Demokraten schienen sich ihrer Sache vielleicht zu sicher und sahen es nicht als notwendig, tatsächlich wählen zu gehen
  • Trump wurde im sogenannten „Rust Belt“ unterschätzt: in den Umfragen der ehemaligen Stahlregionen Pennsylvania, Ohio, Indiana, Michigan, Illinois und Wisconsin. Es gelang ihm, Pennsylvania, Ohio, Michigan und Wisconsin von den Demokraten zurückzugewinnen.

Songs zur US-Wahl 2020:

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