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Zehn Tage nach seiner Covid-19-Diagnose ist US-Präsident Donald Trump laut seinem Leibarzt nicht mehr ansteckend. Mit einer Rede vor dem Weißen Haus steigt Trump wieder in den Wahlkampf ein.

US-Präsident Donald Trump scheint den schlimmsten Teil seiner Corona-Infektion überstanden zu haben. Laut seinem Leibarzt Sean Conely ist Trump nicht mehr ansteckend. Ob Trump auch negativ auf das Virus getestet wurde, ist aber nicht klar.

Der Präsident habe die von der Gesundheitsbehörde CDC aufgestellten Kriterien zur Aufhebung seiner Quarantäne erfüllt. Nach „aktuell anerkannten Standards“ gelte er nicht mehr als Infektionsrisiko, sagte Conley.

Erster öffentlicher Trump-Auftritt nach Krankenhausaufenthalt

Zuvor hatte Trump mit seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seinem vorübergehenden Krankenhausaufenthalt den Wahlkampf wieder voll aufgenommen. Von einem Balkon des Weißen Hauses sprach er am Samstag 18 Minuten lang zu einer Menge von mehreren Hundert Anhängern. Er fühle sich großartig, sagte Trump.

Vor einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen

Vor knapp einer Woche wurde Trump aus dem Walter-Reed-Militärkrankenhaus entlassen. Als der Hubschrauber mit US-Präsident Donald Trump am Montagabend auf dem Gelände des Weißen Hauses in Washington landete, wollte Trump seine Stärke zeigen. Er stieg die Treppe zum Balkon auf der Südseite seiner Residenz hoch, nahm dort die Gesichtsmaske ab und salutierte dem Piloten seines abfliegenden Hubschraubers.

Zu diesem Zeitpunkt für dürfte Trump allerdings noch ansteckend gewesen sein und hätte nach Vorgaben von Gesundheitsbehörden eine Maske tragen müssen, um Personen in seiner Nähe zu schützen. Er nahm sie aber ab, während Kameraleute des Weißen Hauses in seiner Nähe waren.

Trumps zweifelhafte Botschaft: „Habt keine Angst vor dem Virus“

Danach nahm der Präsident ein Video auf, in dem er seine Landsleute aufrief, keine Angst vor dem Virus zu haben. „Lasst es nicht Euer Leben beherrschen. Habt keine Angst davor“, sagte Trump. „Geht raus, seid vorsichtig.“

Vorher schrieb Trump bei Twitter, er fühle sich besser als vor 20 Jahren. „Es ging mir nicht so gut“, sagte er dann im Video. „Aber vor zwei Tagen fühlte ich mich wieder großartig, besser als ich mich seit langem gefühlt habe.“ Trump mutmaßte, dass er jetzt ja vielleicht immun gegen das Coronavirus sei. Aber trotz seiner Stärke-Show war eines zu merken: Trump wirkte immer noch kurzatmig.

Trump wurde mit experimentellem Antikörper-Mittel behandelt

Im Krankenhaus wurde der US-Präsident unter anderem mit einem noch experimentellen Antikörper-Mittel behandelt. Epidemie-Experte Anthony Fauci sagte, das Mittel könnte dabei geholfen haben, Trumps Gesundheitszustand wieder zu verbessern.

„Ich habe einen starken Verdacht, dass ihm das geholfen hat“, sagte Fauci CNN. Wer sich jetzt Hoffnung macht, wird enttäuscht: Das Medikament wird für gewöhnliche Patienten noch lange nicht verfügbar sein.

Arzt: Trump noch nicht über den Berg

So stark sich Trump auch in Szene setzte: Die Realität sah wohl anders aus. Trumps Leibarzt Sean Conley gab zu diesem Zeitpunkt zu: Trump sei „noch nicht über den Berg“. Möglicherweise könne es noch einige Tage dauern, bis er Entwarnung geben könne.

„Wenn wir durch das Wochenende bis zum Montag kommen und sein Zustand genauso bleibt oder sich verbessert, dann können wir alle schließlich erleichtert aufatmen“, sagte Trumps Leibarzt nur wenige Tage nach Trumps positivem Corona-Test.

Allerdings gebe es auch keine Rechtfertigung, Trump weiter im Krankenhaus zu behandeln. Der Präsident werde auch im Weißen Haus rund um die Uhr die beste medizinische Versorgung bekommen.

Heftige Kritik an Trumps Verhalten

Mit seiner politischen Corona-Show hat sich Trump sicherlich nicht nur Freunde gemacht. Mit seinem Auftreten und seinen Äußerungen der vergangenen Tage dürfte Trump seine Kritiker und viele Wähler in der Überzeugung bestärkt haben, dass er im Kampf gegen die tödliche Pandemie der falsche Mann im Weißen Haus ist.

„Keine Angst“ vor einem Virus zu haben, das in den USA schon mehr als 7,4 Millionen Menschen infiziert und mehr als 210.000 Menschen getötet hat? Bei den oppositionellen Demokraten und in den sozialen Netzwerken brach sofort ein Sturm der Entrüstung aus.

Trumps Wahlherausforderer Joe Biden rief den Präsidenten auf, sich mit seinen Äußerungen an die mehr als 200.000 Familien zu wenden, die ein Mitglied verloren hätten.

Der demokratische Senator Jeff Merkley sprach von der „Fortsetzung der furchtbaren und gefährlichen Ratschläge eben jenes Mannes, dessen Missmanagement die Krise so schlimm gemacht hat“.

Families and loved ones mourning the loss of 209,000 dead Americans would disagree. This is a continuation of the terrible and dangerous advice from the same person whose mismanagement has made this crisis so bad. https://t.co/5u9NHkOWU9

Merkley sprach auch davon, dass man ein Superspreader-Event im Weißen Haus gesehen habe. So etwas wolle man in der nächsten Woche nicht auch im Senat sehen. Deswegen solle die Anhörung der Bundesrichterin Amy Coney Barrett zur Nachfolge der verstorbenen Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg verschoben werden. Und zwar so lange, bis Wissenschaftler – nicht Politiker – sagten, dass die Anhörung sicher sei.

We’ve seen a super spreader event at the White House. We don’t need another one next week at the Senate. The Supreme Court confirmation process should be delayed until science—not politics—says it’s safe. If we are to act, let it FINALLY be on COVID relief.

Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar twitterte: "Dieser Mann ist ungeeignet für das Präsidentenamt." Viele hoben auch hervor, dass der Präsident gut reden hat, wenn er sich auf die besten Ärzte des Landes und quasi unbegrenzte medizinische Ressourcen verlassen kann.

“Don’t be afraid of Covid” is an evil thing to say to those of us who lost our loved ones to Covid 19. This man is unfit to be President, he lacks the compassion and humanity it takes to lead our country. https://t.co/7rSzVyuVK3

Trump-Fans feiern ihren Präsidenten

Die Fans von Donald Trump sind dagegen begeistert, dass ihr Präsident aus dem Krankenhaus entlassen wurde. „Er ist einfach aus Eisen gemacht“, sagte Karen Simon, die sich vor der Walter-Reed-Klinik postiert hatte.

Viele Fans des Präsidenten sind der Meinung, das Coronavirus sei in Wirklichkeit gar nicht so schlimm. An sie wandte sich Trump mit seiner Politik-Darbietung. Trump setzt auf ein Image von Stärke und vermeidet jedes Zeichen von Schwäche tunlichst. Er inszeniert sich als Kämpfer, der es mutig mit dem Virus aufnimmt und der trotz der Infektion unermüdlich für die USA arbeitet.

Trump erklärt sich zum Corona-Experten

Der Republikaner behauptete während seines Krankenhausaufenthaltes auch, er sei durch die Infektion zu einem wahren Corona-Experten geworden – indem er durch die harte Schule gegangen sei. „Ich habe viel über Covid gelernt“, sagte Trump in einem Video. „Ich habe es gelernt, indem ich zur wahren Schule gegangen bin.“

Noch am selben Tag sorgte Trump für Fassungslosigkeit, indem er sich in einem Auto an seinen vor dem Krankenhaus versammelten Fans vorbeikutschieren ließ. Viele sahen das als weiteren Beweis für Trumps Rücksichtslosigkeit, weil der Präsident seine Personenschützer anstecken könnte.

Stadt Washington sauer auf Weißes Haus

Die Gesundheitsbehörde der Hauptstadt Washington ist auf das Weiße Haus auch nicht sonderlich gut zu sprechen. „Wir haben auf unterschiedlichen Ebenen Kontakt zum Weißen Haus aufgenommen, auf der politischen Ebene und der Ebene des Gesundheitswesens“, sagte die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser.

Ein Vertreter der Gesundheitsbehörde „hat ein sehr oberflächliches Gespräch mit jemandem gehabt, den wir nicht als substanziellen Kontakt des Gesundheitswesens ansehen“, so Bowser.

Weißes Haus kommuniziert nicht gern

Der Mangel an Kommunikation ist für die Stadt Washington ein großes Hindernis. Sie versucht mit Maskenvorschriften und Begrenzung von Gruppengrößen, die Ausbreitung des Virus einzudämmmen.

Dass die medizinischen Experten des Weißen Hauses zurzeit viel zu tun hätten, verstehe Bowser. Doch aus dem Rathaus in Washington hieß es, die Ärzte des Weißen Hauses hätten die Gesundheitsbehörde der Stadt nicht über die vielen positiven Testergebnisse informiert. Wie auch bei uns ist das aber ein notwendiger Schritt, bevor Kontaktverfolgung und Quarantäne beginnen können.

#TrumphasCovid: So reagiert das Netz

Unterdessen trenden in den sozialen Netzwerken Hashtags wie #TrumphasCovid, #Trump, #Desinfektionsmittel und #Corona – manche Nutzer witzeln über die Nachricht, andere machen sich Gedanken darüber, wie Trump seine eigene Infektion für seine Politik nutzen könnte. So gruselt sich ein Nutzer schon jetzt davor, was Trump bald darüber sagen könnte – und den möglichen Effekt, den solche Aussagen mit sich bringen könnten.

Wie #Trump nach der (hoffentlichen) Genesung umgeht, wird gefährlich. "Ich habe Covid besiegt", "Ich habe gute Gene", "So schlimm war das gar nicht", "Ich bin so stark und das Virus so schwach"... Seine Anhänger werden ihn noch mehr für eine gottgleiche Figur halten.

Wenn Trump etwas Glück hat, ist sein Krankheitsverlauf harmlos. Das kann er dann medial als Beweis verkaufen, dass er härter ist als andere und dass Covid gar nicht schlimm ist. Möglicherweise rettet ihm Covid so die Wahl. Verrückt. #TrumpHasCovid

Ein anderer vermutet hinter der Infektion sogar eine Wahlkampftaktik.

Es könnte Wahltaktik sein: -TV-Duelle auf Eis gelegt -Einen kranken Märtyrer greift man nicht an -Nähe zu Melania suggerieren, weil auch infiziert -Nach Heilung wird #Corona weiter verharmlost, die eigene unmenschliche Stärke betont #Trump #COVID19

#kharmaisabitch 🤡 oder einfach nur der verzweifelte Versuch keinen #Wahlkampf mehr machen zu müssen, um dann ne Entschuldigung zu haben, wenn man verliert! 🤔 #trump #trumphascovid

Humor kommt in den sozialen Netzwerken derzeit wohl nicht zu kurz ...

Es bleibt dabei: Jede Produktionsfirma bei klarem Verstand hätte das Drehbuch für 2020 kopfschüttelnd abgelehnt. #TrumpHasCovid

Covid is a horrible horrible virus that has killed 1mil+ people worldwide and over 200,000 here in the U.S. and yet, two days ago, Trump chose to downplay its impact mocking Biden for his use of a mask saying, “i don't wear a mask like he does, he wears it everywhere!” . Today, he tested positive for Coronavirus.

Unfassbar: Trump und Melania haben Corona. Ich hätte nicht gedacht, dass sie ihn näher ran lässt, als 1,50 m. #TrumpHasCovid

Eine weitere Nutzerin ist empört sich aber genau darüber, wie sich andere über die Ansteckung des US-Präsidenten lustig machen und wünscht eine gute Besserung.

Was für Menschen Ihr seid, wird sich auch dadurch zeigen, wie Ihr die Corona-Infektion von #Trump und Melania kommentiert. Viele haben schon dokumentiert, dass sie auch infiziert sind. Mit Hass. Gute Besserung.

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