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Laura Bisch (Foto: SWR3)
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Seit einigen Wochen gehen Facebook und Twitter gegen die sogenannte QAnon-Bewegung vor, die Verschwörungserzählungen verbreitet und US-Präsident Donald Trump unterstützt. Nun will Facebook noch härter durchgreifen.

Facebook hat angekündigt, sein Vorgehen gegen die QAnon-Bewegung zu verstärken. Künftig sollen alle Facebook-Seiten und -Gruppen sowie alle Instagram-Accounts gelöscht werden, die QAnon vertreten, hat das Online-Netzwerk am Dienstag mitgeteilt.

Zunächt milderes Vorgehen

Mitte August hatte Facebook zunächst nur angekündigt, gegen QAnon-Anhänger vorzugehen, wenn sie Gewalt androhen oder sich darüber unterhalten. Zu diesem Zeitpunkt hieß es, rund hundert Seiten und etwa 1.500 Anzeigen mit Verbindungen zu der Bewegung und mehr als 300 Hashtags mit Bezug zu QAnon auf Facebook und Instagram seien beseitigt worden – für mehr als 1.950 Gruppen und 440 Seiten auf Facebook sowie mehr als 10.000 Instagram-Konten seien Restriktionen wegen Verbindungen zu der Bewegung in Kraft gesetzt worden.

Der Grund, warum Facebook sein Vorgehen nun verschärft, dürfte die US-Wahl am 3. November sein – und die Tatsache, dass die QAnon-Bewegung gerade in den vergangenen Monaten weiter an Bekanntheit in den USA gewonnen hat.

Zuvor hatte Twitter Konten gesperrt

Twitter, das bereits am 11. Juli Konten der Identitären Bewegung gesperrt hatte, weil sie Gewalt und Terrorismus verherrlichten, hatte ebenfalls Tausende Accounts der Bewegung gesperrt – Zehntausende sollten noch folgen, hieß es zuletzt. Mehr als 7.000 Accounts, die QAnon-Unterstützern zugerechnet würden, seien dauerhaft gesperrt worden, sagten Twitter-Sprecher damals dem Fernsehsender CNBC und der New York Times. Viele weitere seien eingeschränkt worden. Twitter erklärte zudem, mit QAnon verbundene Inhalte sollen nicht mehr in Trends und Empfehlungen auftauchen und Weblinks beim Hochladen blockiert werden.

Die Begründung: Das Verhalten der QAnon-Anhänger könne Schaden im realen Leben anrichten. So hätten die von solchen Konten ausgehenden Formen der koordinierten Drangsalierung anderer Menschen zugenommen.

Trump lobt Unterstützung von QAnon-Bewegung

Bei den Parlamentswahlen, die zusammen mit der Präsidentenwahl am 3. November anstehen, sind auf Seiten der Republikaner mehrere Kandidaten im Rennen, die Sympathien für QAnon-Ideen gezeigt haben. Und auch der US-Präsident hat sich bisher nicht klar von der Bewegung distanziert: Donald Trump hatte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus gesagt, er wisse nicht viel über QAnon. Doch habe er mitbekommen, dass die Anhänger der Bewegung „mich sehr mögen, was ich zu schätzen weiß“. Er habe gehört, „dass dies Leute sind, die unser Land lieben“, sagte er. Tatsächlich wurden QAnon-Symbole in den vergangenen Jahren von Anhängern immer wieder in die Kamera bei Auftritten von Trump gehalten.

Faktenchecks zu Verschwörungstheorien findet Ihr unter anderem hier:

Überblick SWR3-Faktenchecks Fake News & Verschwörungstheorien in der Corona-Krise

Fake News verbreiten sich dieser Tage schneller als das Virus. Panikmache, falsche Fakten und Verschwörungstheorien verunsichern bei Whatsapp & Co. Hier findest du Faktenchecks – und wir zeigen, wie du die Fakes erkennen kannst.  mehr...

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