Sieben Menschen starben durch die Hand des Schützen. Sieben Menschen, die sich die Parade zum Unabhängigkeitstag, einem der höchsten Feiertage in den USA, anschauen wollten. Sie alle wurden Opfer eines Heckenschützen, sechs starben vor Ort, ein siebtes Opfer starb im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen.

Der mutmaßliche Schütze, der 21 Jahre alte Robert Eugene C., schoss gut versteckt von einem Dach aus auf die Zuschauer. Die Waffe, mit der er die wehrlosen Menschen auf dem Gehweg erschoss, hatte er davor legal Illinois gekauft – obwohl er der Polizei schon bekannt gewesen sei, sagte ein Polizeisprecher.
Polizei: Attentäter trug zur Tarnung Frauenkleider
Seine Tat hatte der Schütze offenbar gut geplant. C. hatte bei seinem Amoklauf Frauenkleider an, um sich nach den Schüssen zu tarnen und leichter zu entkommen, teilte die Polizei mit. Die Ermittler kamen ihm nur so schnell auf die Schliche, weil DNA-Spuren an der Waffe sichergestellt wurden, berichtete der Sender NBC.
Weil er seine Tat so gut geplant hat, wird Robert C. wohl den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Die Anklage lautet auf siebenfachen Mord: „Dies sind nur die ersten von vielen Anklagen“, sagte der Staatsanwalt des Bezirks Lake County, Eric Rinehart.
C. war den Behörden in Illinois schon bekannt. Im September 2019 stellte die Polizei mehrere Messer, einen Dolch und ein Schwert sicher. „Zu diesem Zeitpunkt gab es keinen hinreichenden Grund für eine Verhaftung oder einen Haftbefehl“, sagte der Staatsanwalt. C. hatte zu dem Zeitpunkt nur Drohungen von sich gegeben.

Geständnis der Tat
Der 21-Jährige hat mittlerweile gestanden, auf die Menschenmenge geschossen zu haben. Das teilte Eric Rinehart am Mittwoch mit. Laut Polizeisprecher Christopher Covelli soll der Schütze nach der Tat „ernsthaft in Erwägung gezogen“ haben, mit einer zweiten Waffe noch ein Attentat in einer anderen Stadt zu begehen. Aktuell sitzt Robert C. in Untersuchungshaft – ohne die Möglichkeit, gegen Kaution bis zu einem Urteil auf freien Fuß zu kommen.
Staatsanwalt: Mutmaßlicher Mörder wird auch wegen weiterer Taten angeklagt
Rinehart geht davon aus, dass der 21 Jahre alte Tatverdächtige noch in Dutzenden weiteren Punkten zur Rechenschaft gezogen werde. Im Falle einer Verurteilung würden aber schon die Anklagen wegen Mordes ersten Grades zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Chance auf vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis führen.
Und auch Rinehart sagte, dass für die Sicherheit der Menschen mehr getan werden müsse. Er forderte ein landesweites Verbot von Sturmgewehren, wie sie bei zahlreichen Massakern in den USA benutzt wurden – auch bei der Tat in Highland Park. US-Präsident Joe Biden war vor Kurzem mit der gleichen Forderung am Widerstand im Kongress gescheitert.
Anschlag auf Parade in Highland Park: Das ist passiert
In Highland Park, einem Vorort von Chicago, hatte der 21-jährige Robert Eugene C. am Montag, dem Unabhängigkeitstag der USA, mutmaßlich das Feuer eröffnet. Die Polzei teilte mit, dass er aus einem „leistungsstarken Gewehr“ vom Dach eines Geschäftsgebäudes aus wahllos auf die feiernde Menschenmenge geschossen hat – etwa 70 mal hatte er abgedrückt. Sieben Menschen starben, mehr als 30 wurden verletzt.
US-Vizepräsidentin Kamala Harris besuchte am Dienstagabend Highland Park. „Ich überbringe Ihnen das Beileid von Präsident Joe Biden und von unserem Land“, sagte sie dort. „Es tut mir so leid, was Sie alle erlebt haben, der Schmerz, das Leid. Das hätte niemals passieren dürfen.“ Kurz davor hatte sie schon in Chicago gesagt: „Wir müssen diesen Horror beenden. Wir müssen diese Gewalt stoppen.“
Der Kongressabgeordnete Brad Schneider, der an der Parade am Montag teilnehmen wollte, schrieb auf Twitter: „Mein Beileid an die Familie und die Angehörigen“. Er verpflichte sich, alles zu tun, „um unsere Kinder, unsere Städte und unser Land sicherer zu machen. Genug ist genug!“
Immer wieder tödliche Zwischenfälle mit Waffen in den USA
Die USA haben seit langem mit einem riesigen Ausmaß an Waffengewalt zu kämpfen. Erst Ende Mai hatte ein 18 Jahre alter Schütze an einer Grundschule in Texas ein Massaker angerichtet. Er hatte Ende Mai in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und 2 Lehrerinnen getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Gut eine Woche davor hatte ein 18-Jähriger in Buffalo im Bundesstaat New York wohl aus rassistischen Motiven zehn Menschen erschossen.
Das Verbrechen hatte die Diskussion über schärfere Waffengesetze in den USA neu entfacht. Schusswaffen sind in den Vereinigten Staaten relativ einfach zu kaufen. Laut der Gesundheitsbehörde CDC wurden 2020 in den USA fast 20.000 Menschen erschossen – mehr als 50 pro Tag. Die Nichtregierungsorganisation Gun Violence Archive registrierte seit Anfang des laufenden Jahres schon 313 Angriffe mit Schusswaffen, bei denen es mindestens vier Opfer gab.