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Mehrere Wetterexperten haben im Untersuchungsausschuss zur Flut im Ahrtal ausgesagt. Praktisch alle sagen: Das Ausmaß der kommenden Katastrophe hätte den Behörden klar sein müssen.

Die Wetterfachleute Sven Plöger, Jörg Kachelmann sowie mehrere Wissenschaftler haben im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe im rheinland-pfälzischen Landtag ausgesagt. Ihre Einschätzung soll bei der Frage helfen, wie es vor einem halben Jahr zu der Sturzflut mit 134 Toten an der Ahr kommen konnte.

Nach ihrer Einschätzung war das Unglück zumindest kurz vorher absehbar. Nach Ansicht Kachelmanns hat es sich schon drei Tage vor dem 14. Juli abgezeichnet. Schon am Montag (12.7.) hätten die Behörden nach seinen Worten vorsorglich eine Evakuierung vorbereiten und die Bevölkerung in den Tälern vorwarnen können, dass eine solche Maßnahme notwendig werden könnte.

Kachelmann: Bäche und Flüsse waren am Vormittag schon voll

So sei am späten Vormittag des Unglückstages zu 100 Prozent klar gewesen, dass es im Ahrtal eine Rekord-Sturzflut geben werde. Damals seien bereits riesige Regenmengen am Oberlauf der Ahr gefallen, auf die die Behörden hätten reagieren müssen.

In der Eifel seien Bäche und Flüsse an den Oberläufen „voll“ gewesen. Die Menschen in den Tälern hätten man demzufolge in Sicherheit bringen müssen, so Kachelmann.

Ahrtal Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe

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Plöger: „Es hätte genauso gut auch den Schwarzwald treffen können“

Für den Meteorologen und Fernsehmoderator Sven Plöger war zwei Tage vor der Flutkatastrophe klar: „Da kommt ein extremes Ereignis.“ Er sei von Regenmengen von 100 bis 200 Litern pro Quadratmeter im Westen Deutschlands ausgegangen, sagte der 54-Jährige.

Allerdings hätte dies genauso gut den Schwarzwald wie die Ahr-Region und das Sauerland treffen können. Der Regionaleffekt sei bis zum 13. Juli nicht ablesbar gewesen.

„Gehen Sie von den Flüssen weg“

Er habe aber bereits zwei Tage vor der Katastrophe gewarnt: „Achtung an den Flüssen, beobachten Sie die Pegel, gehen Sie von den Flüssen weg“, sagte Plöger. Dass der Wasserstand über neun Meter steigen würde, „habe ich nicht gewusst, und ich behaupte, das hat auch keiner gewusst“.

Hydrologe: Sturzflut-Risiko war im Ahrtal schon am 13. Juli absehbar

Der Hydrologe Jörg Dietrich berichtete, schon am 13. Juli hätten Daten gezeigt, dass es ein extremes Risiko für eine Sturzflut an der oberen Ahr gebe.

Auf Basis dieser Erkenntnisse hätten die Behörden am Nachmittag des 14. Juli für den Unterlauf der Ahr Maßnahmen beschließen können, beispielsweise Evakuierungen. Die Behörden hätten etwa die möglichen Überflutungsflächen falsch eingeschätzt. Konkrete Warnungen habe es dann nur für Menschen gegeben, die 50 Meter links und rechts der Ahr wohnten.

Ahrtal-Flut: Sechs Experten – mehr oder weniger eine Aussage

„Man hätte wissen müssen, dass 50 Meter bei weitem nicht ausreichen“, so Dietrich. Der Fluss sei an manchen Stellen bis zu 500 Meter übergetreten. Laut seines Gutachtens gab es an dem Tag stundenlang Zeit, die Menschen, zumindest am Unterlauf der Ahr, in Sicherheit zu bringen.

Ähnlich äußerten sich auch der Karlsruher Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr, die britische Wissenschaftlerin Hannah Cloke und der Geograf Heye Bogena vom Forschungszentrum Jülich. In der nächsten Sitzung am 4. Februar will sich der Untersuchungsausschuss weiter mit der Rolle des Landesamtes für Umwelt beschäftigen. 

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Radionachrichten 18. August, 3:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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