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Cornelia Stenull (Foto: SWR3)

Im Prozess zum rechtsterroristischen Anschlag von Halle ist der Angeklagte zur Höchststrafe verurteilt worden: lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Das Oberlandesgericht Naumburg stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren unwahrscheinlich macht. Es sei ein „feiger Anschlag“ gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin. Der Mann habe die mehr als 50 Menschen in der Synagoge ermorden wollen. Diese hätten „Todesängste“ ausgestanden.

Keine Reaktion des Angeklagten bei Verkündung des Urteils

Der Generalbundesanwalt und die Nebenkläger hatten dasselbe Strafmaß gefordert – lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Gegen das Urteil kann vor dem Bundesgerichtshof Revision eingelegt werden.

Während der Verkündung des Urteils reagierte der Angeklagte aus Sachsen-Anhalt mit ausdruckslosem Gesicht und begann nebenher, sich Notizen zu machen.

Er wollte in der Synagoge von Halle ein Massaker anrichten

Am 9. Oktober 2019 hatte der 28-jährige Attentäter versucht – in Kampfmontur, mit vier Schusswaffen und mehreren Kilo Sprengstoff bewaffnet – in der Synagoge von Halle ein Massaker anzurichten. Zum Tatzeitpunkt waren dort 51 Gottesdienstteilnehmer, die den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Der Attentäter scheiterte aber an der massiven Tür der Synagoge.

Attentäter erschießt zwei Menschen und erpresst Fluchtwagen

Daraufhin ging er weiter, ermordete dann eine 40 Jahre alte Passantin, die zufällig vorbei lief, und einen 20-jährigen Mann in einem Döner-Imbiss in der Nähe. Auf seiner Flucht schoss der Attentäter auf Polizisten, fuhr mit dem Fluchtwagen einen Schwarzen an und schoss in einem Dorf bei Halle einen Mann und eine Frau an, nachdem sie ihm ihr Auto nicht geben wollten.

In einer Werkstatt erpresste er dann ein Taxi, das die Polizei mit Hilfe des Taxifahrers orten konnte. Wenig später konnte der Attentäter festgenommen werden.

Sein Motiv: Antisemitismus und Rassismus

Der 28- jährige deutsche Angeklagte gestand nach seiner Festnahme die Taten und zeigte keine Reue. Er begründete sie mit antisemitischen, rassistischen und frauenfeindlichen Verschwörungstheorien. Ein Vorbild des Mannes sei der Attentäter von Christchurch gewesen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte nach der Verurteilung Attentäters: „Wir haben einen fairen Prozess erlebt. Das Urteil zeigt in großer Klarheit, dass wir in einem wehrhaften Rechtsstaat leben. In ihm haben alle Formen von Antisemitismus, Rassismus und Hass keinen Platz, werden konsequent verfolgt und ziehen deutliche Strafen nach sich.“

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Cornelia Stenull (Foto: SWR3)

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