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Als erster Deutscher ist Boris Herrmann bei der Vendée Globe in die Geschichtsbücher und die Herzen vieler Menschen gesegelt. 80 Tage, mehr als 28.000 Seemeilen, ein dramatischer Zusammenstoß – und die Hoffnung auf das Bundesverdienstkreuz.

Nach 80 Tagen selbstgewählter Einsamkeit war Weltumsegler Boris Herrmann wegen einer Zeitgutschrift von sechs Stunden zunächst auf dem vierten Rang der Vendée Globe – der härtesten Segelregatta der Welt. Doch dann passierte der dramatische Zusammenstoß mit einem Fischerboot.

Herrmann vermutete zuerst, dass das Fischerboot das AIS (Automatisches Identifikationssystem) ausgeschaltet hatte. Nach einem Telefonat mit der Reederei des betroffenen Fischerbootes habe sich Herrmann bei Kapitän Josu Zaldunbide dafür nun entschuldigt, diesen Vorwurf in den Raum gestellt zu haben.

In der Hast der Situation habe ich das als die einfachste und naheliegendste Erklärung wahrgenommen, weil ich schon das ein oder andere Fischerboot gesehen habe, das kein AIS an hatte.

Boris Herrmann

Kurz vor dem Ziel: Herrmann stößt mit Fischerboot zusammen

Herrmann war nur noch etwa 90 Seemeilen (rund 167 Kilometer) vom Ziel entfernt, als er mit einem Fischerboot zusammenstieß. Der Deutsche blieb bei der Kollision unverletzt – seine Jacht „Seaexplorer“ wurde jedoch beschädigt.

Nach dem Unfall konnte der 39-Jährige nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit segeln und verlor damit alle Chancen auf Platz eins oder zwei – was bei der Vendée Globe eine Sensation gewesen wäre. Denn immerhin war er als erster Deutscher bei dieser Segelregatta am Start und bisher gingen die Podestplätze fast ausschließlich an Franzosen.

Warum Herrmanns bisher gut funktionierenden Alarmsysteme kurz vor dem Ziel versagten und ihn nicht rechtzeitig aus dem Schlaf rissen, ist weiter offen.

„Das war der schlimmste Alptraum“, sagte er nach der Kollision. „Ich habe in den Tagen zuvor wie ein Löwe gekämpft. Vielleicht komme ich nie wieder so dicht an einen Podiumsplatz heran?“, so Herrmann.

Boris Herrmann sitzt im Cockpit seiner Rennyacht "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco" (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Team-Malizia.com | Boris Herrmann)

Pech für deutschen Segler: "Das ist echt Mist"!

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Bundesverdienstkreuz für Boris Herrmann?

Es wurde zwar kein Platz auf dem Treppchen, Herrmann könnte aber bald das Bundesverdienstkreuz erhalten. Niels Annen, Staatsminister im Auswärtigen Amt, bestätigte dem SID einen entsprechenden Vorschlag bei der Hamburger Staatskanzlei. „Als erster deutscher Teilnehmer hat Boris Herrmann Herausragendes geleistet“, würdigte der SPD-Politiker den 39-Jährigen.

Doch nicht nur wegen seines sportlichen Erfolgs könnte Herrmann diese hohe Auszeichnung durch den Bundespräsidenten zuteil werden. Auf seiner Weltreise hatte der Segler auch wissenschaftliches Messgerät geladen, um Daten zum CO2-Gehalt, zur Temperatur und dem Salzgehalt des Wassers aufzuzeichnen. Den zusätzlichen Ballast für das Rennen nahm der Hamburger gerne in Kauf.

Ich verstehe das Bundesverdienstkreuz so, dass man dabei für einen geleisteten Dienst für andere Menschen ausgezeichnet wird. Es freut mich natürlich sehr, dass meine Reise so empfunden wird und dass unsere Botschaft für die Klimaforschung wahrgenommen wird.

Boris Herrmann

Greta Thunberg segelte mit Herrmann zum UN-Klimagipfel

Klimaaktivistin Greta Thunberg bezeichnete ihren „großartigen Freund“ Herrmann auch deswegen als „wahren Helden“. Sie waren 2019 gemeinsam von England zum UN-Klimagipfel nach New York gesegelt.

80 Tage, 20 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden unterwegs

Herrmann hatte mit seiner Jacht „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ als fünfter Segler die Ziellinie vor dem französischen Küstenort Les Sables-d'Olonnne gekreuzt. Der Franzose Yannick Bestaven, der mit der „Maître CoQ IV“ als Dritter am Zielort angekommen war, sicherte sich den Sieg mit einer Gutschrift von 10:15 Stunden. Er war 80 Tage, 20 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden unterwegs gewesen.

Der Segler Boris Herrmann sitzt in seiner Rennyacht "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco" (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Auf der verlinkten Tracking-Karte ist das Rennen der Vendée Globe nochmal nachzuverfolgen.

Sieger der härtesten Segelregatta der Welt: Yannick Bestaven

Als Erster hatte der französische Skipper Charlie Dalin auf der „Apivia“ am Mittwochabend die Ziellinie gekreuzt. Dennoch gewann der 36-Jährige nicht. Der Grund: Zeitgutschriften für andere Segler.

Sieger wurde der Franzose Yannick Bestaven mit seiner „Maître CoQ IV“. Bestaven erreichte zwar in der Nacht über sieben Stunden nach Dalin das Ziel und kam hinter seinem Landsmann Louis Bureau („Bureau Vallee 2“) als Dritter an.

Bestaven hatte ebenso wie Herrmann eine Zeitgutschrift von der Wettfahrtleitung zugesprochen bekommen. Beide Regattateilnehmer hatten sich an der Rettungsmission für den schiffbrüchigen Kevin Escoffier in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember beteiligt. Dafür erhielt Bestaven einen Bonus von zehn Stunden und 15 Minuten.

Das reichte Bestaven, um an den beiden Konkurrenten vorbeizuziehen. Damit setzen die Franzosen ihre Siegesserie beim Vendée Globe fort. In allen neun Rennen seit 1989/90 waren sie erfolgreich.

Vendée Globe – die härteste Segelregatta der Welt

Am 8. November hatten sich die Segler in Les Sables-d'Olonne alleine in ihren Einhand-Booten auf die rund 50.000 Kilometer lange Reise einmal um die Welt gemacht. Die Bedingungen bei dieser Regatta sind extrem: Die Segler können kaum schlafen, müssen alles selbst reparieren – egal, wie groß die Wellen sind, die gerade über ihre Boote reinbrechen, erklärt ARD-Segel-Experte Matthias Steiner im Interview mit SWR3:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Segel-Experte Matthias Steiner: Die Bedingungen an Bord sind extrem

Dauer

Deshalb gilt die Vendée Globe als härteste Segelregatta der Welt. Von bislang 167 Teilnehmern haben in den ersten acht Auflagen der Vendée Globe nur 89 das Ziel erreicht.

Rund 8.000 Menschen haben den Mount Everest bezwungen. Etwa 500 waren im All. Aber nur rund 100 haben die Welt alleine und nonstop unter Segeln bezwungen. Das ist die Herausforderung.

Boris Herrmann

Das Rennen wird deswegen auch „Mount Everest der Meere“ genannt. Die Regatta findet alle vier Jahre statt und beginnt immer im November. Der aktuelle Rekord wird vom Franzosen Armel Le Cléac’h mit 74 Tagen, 3 Stunden, 35 Minuten und 46 Sekunden gehalten.

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