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Auf der Flucht vor der Polizei hat ein Mann vor eineinhalb Jahren mit seinem Wagen zwei Teenager erfasst. Einer von ihnen kam ums Leben. Jetzt ist der Raser am Landgericht München wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Es war kurz vor Mitternacht als ein Mann aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen am 15. November 2019 in eine Polizeikontrolle geraten ist. Er hatte gekokst und damit gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Außerdem stand er unter Alkoholeinfluss. Offenbar aus Angst wieder ins Gefängnis zu müssen, ist er dann vor der drohenden Kontrolle geflohen.

Mit 120 Stundenkilometern durch München

Auf der Gegenfahrbahn war der Mann durch München gerast und hatte mehrere rote Ampeln ignoriert. Mit mindestens 122 Stundenkilometern, so hat es die Staatsanwaltschaft gesagt, hat der Wagen dann zwei Jugendliche erfasst, die gerade die Straße überquerten. Ein 14-Jähriger kam ums Leben. Eine 16-Jährige Freundin des Jungen überlebte schwer verletzt. Andere Autofahrer konnten dem Geisterfahrer in letzter Sekunde ausweichen.

Wegen Mordes, vierfachen Mordversuches, gefährlicher Körperverletzung und verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge hat das Landgericht München I den heute 36 Jahre alten Deutschen zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem muss er zum Entzug.

„Sekunden entschieden über Leben und Tod“

Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ehrl sprach von einem tragischen Abend: „Sekunden oder Zehntelsekunden, die über Leben und Tod entschieden“. Sie begründete die Verurteilung wegen Mordes damit, dass man um das Risiko wissen müsse, jemanden zu töten, wenn man an einem Freitagabend als Geisterfahrer durch eine Millionenstadt wie München rase. Vor Corona wohlgemerkt.

Seine Chance fliehen zu können, sei dem Angeklagten wichtiger gewesen als ein Menschenleben, so Ehrl. Mit gesenktem Blick und regungslos hat der Angeklagte das Urteil aufgenommen.

Staatsanwaltschaft: Tote billigend in Kauf genommen

Eine Verurteilung wegen Mordes hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. „Dass bei seiner Fahrweise das von ihm gelenkte Fahrzeug eine nicht vorhersehbare Anzahl von Menschen töten könnte, nahm er billigend in Kauf“ hatte die zuständige Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage erklärt.

Die Verteidigung hatte sich gegen den Mordvorwurf gewehrt. Ihrer Ansicht nach wäre höchstens eine Verurteilung wegen illegalen Autorennens mit Todesfolge in Frage gekommen. Ob sie daher gegen das Urteil vorgehen wird, ist aber noch nicht bekannt.

Hohe Haftstrafen für illegale Autorennen möglich

Seit Oktober 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat. Schon wer daran teilnimmt, kann mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Kommen dabei Menschen ums leben oder werden verletzt, sind bis zu zehn Jahren Haft vorgesehen.

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