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Stürmer Silas Wamangituka vom VfB Stuttgart heißt eigentlich Silas Katompa Mvumpa und ist ein Jahr älter als angegeben. Jetzt hat der DFB ein schnelles Urteil gefällt.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Stürmer Silas Katompa Mvumpa vom VfB Stuttgart wegen unsportlichen Verhaltens für drei Monate gesperrt. Zudem muss der Kongolese eine Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro zahlen, wie der Verband am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte. Spieler und Club haben dem Urteil zugestimmt. Es ist somit rechtskräftig.

VfB-Stuttgart-Profi Silas Katompa Mvumpa (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

DFB sperrt VfB Stuttgart Stürmer Silas für 3 Monate + Geldstrafe

Dauer

Stürmer Silas vertraute sich zuerst den VfB-Bossen an

Der VfB hatte am Dienstag öffentlich gemacht, dass der Offensivmann bislang unter dem falschem Namen „Silas Wamangituka“ gespielt hat. Zudem ist er ein Jahr älter als bislang angegeben.

Zuvor hatte sich der elffache Torschütze der vergangenen Bundesliga-Saison, der für die Schwaben bisher als Silas Wamangituka aufgelaufen war, den Clubbossen anvertraut. Er sei „Opfer von Machenschaften seines ehemaligen Spielervermittlers“ geworden, schrieb der VfB.

Der Deutsche Fußball-Bund sperrt Silas Katompa Mvumpa wegen unsportlichen Verhaltens für drei Monate - bis einschließlich 11. September 2021 - und belegt den Spieler mit einer Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro. #VfB https://t.co/zqbtZGJLAT

„Sein Geständnis wirkte sich strafmildernd aus, ebenso wie die Tatsache, dass er auch mit seiner wahren Identität eine Aufenthaltserlaubnis und ein Spielrecht als Profifußballer in Deutschland erhalten hätte“, hieß es nun in der DFB-Mitteilung. Silas wird nach einem im März erlittenen Kreuzbandriss wohl erst im Herbst sein Comeback geben. Die vom DFB verhängte Sperre gegen den 22-Jährigen gilt bis einschließlich 11. September.

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27 Mal spielte Silas für den VfB

Seit fast zwei Jahren hatte Mvumpa als „Silas Wamangituka“ bei dem Fußball-Bundesligisten gespielt. Seitdem stand der Angreifer aus der Demokratischen Republik Kongo 27 Mal für den VfB auf dem Platz – 25 Bundesliga- und zwei DFB-Pokalspiele absolvierte Wamangituka für den VfB. Er schoss 13 Tore – elf in der Bundesliga und zwei im DFB-Pokal. Dafür feierten die Fans den 1,89-Meter-Riesen – aber sie riefen dabei immer einen falschen Namen.

Als Silas zum VfB kam, nannte er den 6. Oktober 1999 als Geburtstag – in Wahrheit ist er aber am 6. Oktober 1998 auf die Welt gekommen. In Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo mitten in Afrika.

VfB steht hinter Silas

Aber warum die erfundene Identität? Silas erzählte seinem Arbeitgeber davon und brachte seine verschleierte Geschichte damit selbst ans Licht. Ein dubioser Spielervermittler habe sich Silas' „neue“ Identität ausgedacht. Dahinter steckt ein mieses Spiel mit einem jungen Fußballtalent – das dem Spielervermittler wohl einiges an Geld eingebracht hat.

Wenn man es mit der Überschrift Menschenhandel beschreibt, dann kommen wir dem Thema schon sehr nah“, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat – und sieht Silas ganz klar in der Rolle des Opfers. „Wenn er nichts gesagt hätte, hätte er seine Karriere, ohne dass irgendetwas passiert wäre, sehr einfach fortsetzen können, völlig problemlos.

Druck von Berater im Kongo

Angefangen habe alles vor vier Jahren. Der damals 18-Jährige wurde vom belgischen Topverein RSC Anderlecht zu einem Probetraining eingeladen. Um aus der Demokratischen Republik Kongo nach Belgien reisen zu können, bekam Silas ein zeitlich befristetes Visum. Nach einigen Trainings wollte Anderlecht den Kicker haben. Weil Silas‘ Visum aber kurz vor dem Ablaufen war, musste er erst einmal zurück in sein Heimatland.

Dort schaltete sich der Spielervermittler ein. Er machte Druck auf Silas und redete ihm ein, er dürfe nicht mehr nach Belgien zurück. Silas verließ sich auf die Ratschläge seines Vermittlers und wurde immer mehr von dem dubiosen Geschäftsmann abhängig. Dem VfB Stuttgart erzählte Silas, er habe in der Zeit weder Zugriff auf sein Konto noch auf seine Papiere gehabt. Der Vermittler habe ihn schließlich auch dazu gedrängt, seine Identität zu ändern.

Hintergrund für falsche Identität noch nicht klar

Also kam Silas Katompa Mvumpa ein Jahr jünger gemacht und als Silas Wamangituka nach Europa. Der VfB Stuttgart teilte mit, dass Wamangituka einer der Namen von Silas Vater sei. Warum er den annehmen sollte und ein Jahr jünger gemacht wurde, sei bis jetzt aber noch nicht klar. Um aufenthaltsrechtliche Gründe sei es aber wohl nicht gegangen – so der Stand heute.

Die Schwaben vermuten, dass Silas seinen Namen ändern sollte, um die Verbindung des Stürmers zu seinem Ausbildungsverein im Kongo zu unterbrechen. Zum anderen habe sich dadurch aber auch die Abhängigkeit von seinem Vermittler erhöht – durch die Namensänderung sei Silas erpressbar gewesen.

Silas: Ich habe in ständiger Angst gelebt

Wohlgefühlt hat sich Silas mit seiner falschen Identität nie: „Ich habe in den letzten Jahren in ständiger Angst gelebt und mir auch um meine Familie im Kongo große Sorgen gemacht. Es war ein schwerer Schritt für mich, meine Geschichte zu offenbaren“, sagte Silas. Erst durch die Unterstützung seiner neuen Berater habe er sich „getraut, alles auf den Tisch zu bringen“.

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