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Tim Stobbe (Foto: SWR3)
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)

Freiheit durch Freitesten – in Tübingen ist das möglich. Die Corona-Modellstadt war deswegen am Wochenende voll. Einige Besuchende waren aus Städten wie Frankfurt oder Mainz angereist. Doch es gibt auch Kritik.

Seit fast zwei Wochen läuft in Tübingen ein Modell, wie Lockerungen trotz anhaltender Coronavirus-Pandemie möglich sind. Für alle, die genug vom Lockdown haben, schien die Stadt daher nun ein neues Mekka der Freiheit zu sein. Am Wochenende strömten die Menschen in die Stadt. Am Samstag standen sie schon um 9 Uhr an den Teststationen, eine halbe Stunde vor Öffnung. Denn der negative Corona-Schnelltest ist Bedingung für ein Tagesticket zur Innenstadt – für Einkäufe und Café-Besuche.

Voll, aber nicht überrannt

SWR-Reporterinnen und -Reporter aus dem Studio Tübingen berichteten von einer gut gefüllten Innenstadt. Es sei aber nicht viel voller als in den vergangen Tagen gewesen. Was allerdings aufgefallen sei, dass manche für ein bisschen Freiheit einen großen Anfahrtsweg auf sich nehmen. Und so traf man in Tübingen auch Besucher aus Frankfurt, Mannheim, Mainz oder Tuttlingen.

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Stadt begrenzt Besuchertickets

Die Zahl der Tagestickets für alle, die nicht aus dem Kreis Tübingen kommen, hat die Stadt am Samstag auf 3.000 begrenzt. Nur an drei der insgesamt neun Teststationen durften sich Anreisende von außerhalb testen lassen. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) begründet das damit, dass der Modellversuch klären soll, ob es möglich ist, das normale Stadtleben wiederzugewinnen. Die kleine Stadt Tübingen könne aber nicht die Sehnsucht halb Süddeutschlands nach Normalität stillen.

Tübinger OB Boris Palmer (Foto: SWR)

Boris Palmer

Dauer

Von einer Überfüllung will Palmer aber nicht sprechen und teilt auf Facebook ein Live-Video, das den Marktplatz zeigt. Die Szenerie dort wirkt tatsächlich überschaubar.

Posted by Boris Palmer on Saturday, March 27, 2021

Trotzdem will man in Tübingen auf Nummer sicher gehen und so wird es am Osterwochenende keine Tickets für auswärtige Besucher geben. Palmer erklärt, man wolle nicht „überrannt“ werden. Generell wurde der Tübinger Modellvesuch vom Sozialministerium bis zum 18. April verlängert.

Partys am Freitagabend

Doch ganz ohne Probleme läuft das Modellprojekt in Tübingen nicht ab. Beschwerden gab es in den sozialen Netzwerken, besonders über den Freitagabend. Manchem Tübinger war es nämlich doch „zu viel Party“ – mit Alkohol, aber ohne Abstand und Masken.

Palmer kritisiert Verstöße – kein Alkohol nach 20 Uhr

Via Facebook äußerte Palmer Kritik: Wenn das Modellprojekt scheitere, weil abends die Viren verteilt werden, werde nicht nur SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagen, dass nur der Lockdown helfe, so Palmer weiter. Der Grünen-Politiker spielte auf einen Disput mit Lauterbach an, der im Verlauf der Woche das Tübinger Modell öffentlich kritisierte.

@Party gibt es heute keine

Erst testen, dann Straßenmusik, flanieren, Abstand halten - zu einem Saxophon besser mehr...Posted by Boris Palmer on Saturday, March 27, 2021

Leider haben gestern Abend ziemlich viele eine Party daraus gemacht, die alle Corona-Regeln ignorierte. Ich verstehe es ja. Der Alkohol. Lange währender Freiheitsentzug. Frühlingstemperaturen. Es geht aber trotzdem nicht.

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen

Palmer appellierte an alle, sich zu erinnern: „Maximal fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen zusammen stehen.“ Er habe als Leiter der Ortspolizeibehörde entschieden, dass um 20 Uhr der Ausschank für Getränke auf die Straße eingestellt werde. Das sei die einzige Möglichkeit, „eine übergroße Zahl von Verstößen gegen die Corona-Verordnung des Landes zu verhindern.“ Mit Tagesticket und Registrierung dürfe man aber weiter bis 23 Uhr in den Außenbereichen der Gastronomie sitzen bleiben.

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