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Ein junger Minkwal ist die Themse in London hochgeschwommen und dort in einer Schleuse stecken geblieben. Rettungskräfte konnten ihn zunächst befreien. Doch dann nahm die Aktion eine tragische Wendung.

Eigentlich hatte alles nach einem Happy-End ausgesehen: Ein Minkwal war am Sonntag in der Themse im Südwesten der britischen Hauptstadt London aufgetaucht. Der Meeressäuger war in der Richmond-Schleuse stecken geblieben und konnte nicht mehr vor und zurück.

Menschen beobachteten vom Ufer oder Paddelbooten aus die Szene. Helfer kümmerten sich zunächst darum, dass die Haut des Tiers feucht gehalten wurde und sprühten es mit einem Schlauch ab.

Zunächst ging bei der Londoner Wal-Rettungsaktion alles glatt

Am Abend versuchten die Rettungskräfte dann, den Wal in eine Art schwimmende Plane einzupacken, an der Luftpolster angebracht waren. Nach Stunden gelang dies auch: Der Wal konnte aus der Schleuse befreit werden und sollte mit Hilfe der Plane an einen geeigneteren Ort gebracht werden:

UPDATE: At 1am the #Whale was towed a mile up stream from #Richmond where it came loose from its inflatable casing in the middle of the river around Isleworth. Agencies said they will try and relocate and assess the whale today but want to stress it is not in best health. https://t.co/zICCBjzuVo

Wal rutscht zurück ins Wasser und entkommt

Doch das ging schief: Als der Wal auf den aufblasbaren Ponton gehoben werden sollte, rutschte er zurück ins Wasser und schwamm wohl davon. Das Tier sei völlig verirrt, sagte Martin Garside, Sprecher der Londoner Hafenbehörde. „Als ob man ein Kamel am Nordpol sähe.“ Noch nie sei ein Wal in der Themse so weit flussaufwärts gesehen worden – 150 Kilometer von der Mündung entfernt.

Später trieb das Tier an der Teddington-Schleuse im Bezirk Richmond eine Weile still im Wasser und dümpelte bei einsetzender Ebbe schließlich völlig entkräftet am Ufer.

Dort standen bereits Spezialisten bereit, um ihn zu erlösen: „Wir können bestätigen, dass der Zwergwal in Teddington Lock menschlich eingeschläfert wurde, nachdem das Tier auf dem nahe gelegenen Damm gestrandet war“, schrieb die Hilfsorganisation British Divers Marine Life Rescue am Montagabend auf ihrer Facebook-Seite.

Wal in der Themse war ein Minkwal

Bei dem unglücklichen Wal in der Themse-Schleuse handelte es sich um einen Minkwal (auch Zwergwal genannt), der normalerweise im Nordatlantik zu Hause ist. Das Tier war angesichts seiner Länge von vier Metern wohl noch recht jung. Ausgewachsene Tiere werden rund zehn Meter lang und etwa neun Tonnen schwer. Kälber sind hingegen mit zwei Metern recht klein, schreibt das Whale and Dolphin Conservation mit Sitz in München.

Wal schwamm wohl am britischen Parlament vorbei

Die Schleuse in Richmond ist die am weitesten flussabwärts gelegene, an der noch die Nordsee-Gezeiten zu spüren sind. Um von der Themse-Mündung dorthin zu gelangen, muss der Wal auch durch die Innenstadt entlang des Parlaments geschwommen sein. Ein Handyvideo zeigt das Tier wenige Stunden, bevor es stecken blieb, auf Höhe der Barnes-Brücke in Westlondon. „Es ist überraschend, dass niemand den Wal auf seinem Weg zur Richmond-Schleuse gesehen hat“, sagte Julia Cable von der Hilfsorganisation British Divers Marine Life Rescue dem Sender Sky News.

Wieso hatte sich das Tier nach London verirrt?

Wieso der Wal in die Themse geschwommen und schließlich in der Schleuse bei Richmond stecken geblieben ist, ist noch nicht klar. Möglicherweise folgte er Fischen aus der Nordsee in den Fluss und verirrte sich.

Es ist nicht der erste Wal, der sich in die Themse verirrt

Immer wieder verirren sich Wale in die Themse. Berühmt wurde der Willy genannte „River Thames Whale“, ein Nördlicher Entenwal, der im Januar 2006 in dem Fluss entdeckt wurde, aber nicht gerettet werden konnte. 2019 wurden innerhalb kurzer Zeit gleich zwei tote Wale in der Themse entdeckt, allerdings deutlich näher an der Mündung.

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