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Hätte man die Menschen in den Hochwassergebieten in NRW und RLP nicht früher und besser warnen können? Über Warnsysteme und Bevölkerungsschutz ist ein Streit entbrannt.

In den Hochwasser-Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen laufen noch die Aufräumarbeiten, die Rettungskräfte suchen weiter nach Vermissten.

Und doch kommt bereits jetzt die Frage auf, wer denn Schuld trage an dieser riesigen Flutkatastrophe, die so viele Menschenleben gefordert und Existenzen zerstört hat. Und es kommt die Frage auf, ob die von Unwetter und Fluten betroffenen Menschen an der Ahr und anderen Flüssen nicht früher hätten gewarnt werden können. Auch der Vorwurf eines Versagens des Hochwasser-Meldesystems wird lauter.

Paulus: Warnungen bei vielen Menschen nicht rechtzeitig angekommen

Jetzt gebe es „die bittere Erkenntnis, dass die Warnungen des Europäischen Flutwarnungssystems und des Deutschen Wetterdiensts bei viel zu vielen Menschen nicht rechtzeitig angekommen sind“, antwortete die rheinland-pfälzische Europa-Abgeordnete Jutta Paulus (Grüne) auf eine Anfrage an die EU-Kommission in Brüssel. „Wir müssen aus diesen Versäumnissen lernen, denn Extremwetterereignisse werden zunehmen.“

Hochwasser-Risikomanagement: Hätte man wissen können, was kommt?

Daniel Bachmann ist Professor für Hydromechanik und Hochwassermanagement. Im SWR3-Interview erklärt er, dass die Melde- und Vorhersagesysteme für die großen Flüsse in Deutschland gut funktionieren würden. Bei den kleineren Flüssen sei die Warnsituation etwas komplizierter, weil die von den einzelnen Bundesländern abhängen. Grundsätzlich sei eine Vorhersage möglich. Je kurzfristiger aber ein Ereignis eintrete, desto schwieriger sei es, eine Warnung rauszugeben. Echtzeitwarnungen kämen dann oft zu spät, so Bachmann. Dennoch seien die Warn-Apps essentiell.

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Nachrichten Hochwasser-Risikomanagement: Hätte man wissen können, was kommt?

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Bei einigen Menschen kam die Unwetter-Warnung rechtzeitig an – zumindest per Durchsage der Feuerwehr:

Hier mal ein Beweis dafür, dass in #Sinzig, im verheerend aussehenden Ortsteil #BadBodendorf bereits frühzeitig gewarnt wurde. #Hochwassser #Ahr #Ahrtal #Hochwasserkatastrophe https://t.co/DH9gioOd9v

Kritik am Alarmsystem – neue Sirenen werden gefordert

Der Landkreistag in Rheinland-Pfalz fordert jetzt neue Warnsysteme, um die Menschen künftig besser zu schützen. Dazu gehörten auch moderne Sirenen-Anlagen, sagte der Geschäftsführende Direktor des Landkreistages, Burkhard Müller, dem SWR. Bei der jetzigen Unwetter-Katastrophe sei die Sirenen-Warnung wegen der lauten Flut- und Zerstörungsgeräusche zum Teil gar nicht zu hören gewesen.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sieht sein Bundesland in Sachen Katastrophenschutz gut aufgestellt. Allerdings fehlten die Sirenen als Teil des Warnsystems, kritisiert Stobl. Verstärkt will Baden-Württemberg in Zukunft auf die Warnapp NINA setzen.

Habe nie verstanden, warum man die Sirenen abmontiert hat.

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War die Flutkatastrophe in RLP und NRW ein „monumentales Systemversagen“?

Die britische Wissenschaftlerin Hannah Cloke wirft den deutschen Behörden ein „monumentales Systemversagen“ vor. Die Forscherin war am Aufbau des Europäischen Hochwasseraufklärungssystems (EFAS) beteiligt. Klare Hinweise, die im Rahmen von EFAS bereits vier Tage vor den ersten Überschwemmungen herausgegeben wurden, seien offenbar nicht bei der Bevölkerung angekommen, so Cloke.

Der Katastrophenschutz in Deutschland ist ein Flickenteppich – und je nach Bundesland unterschiedlich entwickelt. Durch die föderale Organisation könnten Risiken entstehen. Das SWR3-Topthema mit den Hintergründen dazu:

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Nachrichten SWR3 Topthema: 19.7.2021: „Besser warnen“

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Seehofer: Katastrophenschutz in Deutschland gut aufgestellt

Ins Zentrum der Kritik rückt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Seinem Ministerium ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zugeordnet. Bei seinem Besuch in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Montag wies Seehofer die Kritik zurück und sagte: „Ich glaube, dass unser Katastrophenschutz in Deutschland gut aufgestellt ist.“

Er schließe nicht aus, dass Verbesserungen gemacht werden müssten, die Warnmeldungen hätten funktioniert. Generell liege die Verantwortung für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten bei den Ländern und den Landkreisen. Auch deshalb nannte der CSU-Politiker die aktuellen Vorwürfe „billige Wahlkampf-Rhetorik“.

Das sagt der Chef des Katastrophenschutzes zum Warnsystem

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster, sagte am Sonntagabend im ZDF heute journal: „Der Deutsche Wetterdienst hat relativ gut gewarnt.“ Das Problem sei, dass man oft eine halbe Stunde vorher noch nicht sagen könne, welchen Ort es mit welcher Regenmenge treffen werde. „Wir haben 150 Warnmeldungen über unsere Apps, über die Medien ausgesendet“, sagte Schuster. Er verwies darauf, dass die Warn-App NINA des BBK neun Millionen Nutzer habe.

Katastrophenschutz-Chef zur Flut-Tragödie https://t.co/uVOIn4FLeD

Wo die Menschen in den Hochwassergebieten durch Sirenen gewarnt worden seien und wo nicht, könne er im Moment nicht sagen. Analoge Warnsysteme wie Sirenen seien aber weiter sehr wichtig, bekräftigte BBK-Chef Schuster.

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

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Radionachrichten 28. Juli, 02:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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