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Sie hat ihr Amt noch gar nicht offiziell angetreten, aber Kamala Harris ist schon jetzt etwas Besonderes: Sie ist nicht nur die erste Frau, die erste Schwarze und die erste Amerikanerin mit südasiatischen Wurzeln in dem Amt der Vize-Präsidentin – sie dürfte darin auch besonders wichtig werden.

Dass Kamala Harris mehr Gewicht haben könnte als ihre Amtsvorgänger, das hat wohl auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon erkannt: Sie richtete ihre Glückwünsche zum Wahlsieg nicht nur an Joe Biden, sondern explizit auch an Harris. Das war bisher zumindest immer anders gewesen: 2012 sprach Merkel – zumindest öffentlich – lediglich Barack Obama ihre Glückwünsche aus, Joe Biden beglückwünschte sie nicht mit. 2016 galt dasselbe für den gewählten Präsidenten Donald Trump – Stellvertreter Mike Pence erwähnte die Kanzlerin nicht. Am Montag sagte Merkel aber ausdrücklich, sie freue sich darauf, Harris kennenzulernen.

Allerdings war Merkels Gratulation an das Duo Biden-Harris nicht einzigartig – auch aus anderen Ländern der Welt wurden beide Politiker zum Wahlsieg beglückwünscht. Damit dürfte klar sein: Dass Harris künftig eine gewichtige Rolle spielen wird, scheint auch im Ausland angekommen zu sein.

Fünf Gründe, warum Biden Harris viel Macht überträgt

Nun, da Biden über Amtsinhaber Donald Trump gesiegt hat, wird klar, dass der gewählte US-Präsident seiner Stellvertreterin Harris großen Einfluss beim Regieren gewähren wird. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Grund 1: Bidens eigene Erfahrung als Vize

Die Vizepräsidentschaft der 56-Jährigen werde keine gewöhnliche sein, schrieb das Magazin Foreign Policy schon vor Monaten. Das sei nicht nur der Tatsache geschuldet, dass Harris die erste Frau, erste Schwarze und erste Amerikanerin mit südasiatischen Wurzeln in dem Amt sei. Biden war selbst acht Jahre lang US-Vizepräsident unter Barack Obama und gilt als einer der bislang einflussreichsten Politiker in diesem Amt.

Bei Biden lag das vor allem daran, dass Obama noch teils unerfahren war: Obama war bei Amtsantritt 47 Jahre alt und hatte wenig Erfahrung in außen- und sicherheitspolitischen Fragen. Biden dagegen kannte den Politikbetrieb in Washington seit Jahrzehnten und hatte im Senat prägende Funktionen in den Ausschüssen für Justiz und Auswärtiges. So kam es, dass er die US-Außenpolitik in den Obama-Jahren maßgeblich mitbestimmte. Biden sagt, er habe damals von Obama gefordert, als Vizepräsident vor großen Entscheidungen stets die letzte Person im Raum mit seinem Chef zu sein – und er hat klar gemacht, dass sich an seiner Vorstellung von der Vizepräsidentschaft nichts geändert hat.

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Grund 2: Biden will Verantwortung nicht alleine tragen

„Ich habe Kamala gebeten, die letzte Stimme im Raum zu sein. Mir immer die Wahrheit zu sagen, was sie auch tun wird. Meine Annahmen in Frage zu stellen, wenn sie anderer Meinung ist. Die schwierigen Fragen zu stellen. Denn so treffen wir die besten Entscheidungen für das amerikanische Volk“, sagte Biden im August, als er Harris als seine Vize-Kandidatin präsentierte. „Auf lange Sicht setzt Biden darauf, dass sie ihm beim Regieren helfen kann, so wie er Obama geholfen hat“, schrieb Elaine Kamarck von der Denkfabrik Brookings vor der Wahl.

Biden weiß, dass der Job des Präsidenten zu groß für eine einzige Person ist; im Weißen Haus wie im Leben ist ein vertrauenswürdiger Partner ein großer Gewinn.

Elaine Kamarck von der Denkfabrik Brookings

Grund 3: Harris bringt Extra-Qualifikationen mit

Harris dürfte ihren Einfluss aufgrund ihrer Erfahrung als Staatsanwältin und Justizministerin in Kalifornien sowie als US-Senatorin des bevölkerungsreichsten Bundesstaats insbesondere bei innenpolitischen Themen geltend machen. In ihrer Karriere hat sie sich nach eigenen Aussagen dem Auftrag verschrieben, für die Rechte aller Menschen in Amerika zu kämpfen. Biden dürfte besonders großen Wert auf Harris' Meinung legen, wenn es darum geht, einige der drängendsten Probleme des Landes anzugehen: strukturellen Rassismus, die von vielen geforderten Reformen der Strafjustiz und Polizei und wirtschaftliche Ungerechtigkeit. Auch dürfte Harris sich für die Chancengleichheit der Geschlechter stark machen. Bei ihrer Siegesrede am Samstag sagte sie: „Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein.“

Biden will nach vier turbulenten Jahren Trump die Beziehungen zu den US-Verbündeten kitten. Angesichts der Corona-Pandemie und Bidens Alter erscheint es jedoch fraglich, wie viele Auslandsreisen er selbst unternehmen wird. Auch da könnte Harris ins Spiel kommen und so manche Aufgabe übernehmen.

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Grund 4: Biden könnte zu alt für zweite Amtszeit sein

Aber Bidens Alter spielt nicht nur hinsichtlich kommender Auslandsreisen eine Rolle: Er dürfte Harris auch zu einer mächtigen Vizepräsidentin machen wollen, um zu verhindern, dass die Demokratische Partei am Ende seiner Karriere ohne Anführer dasteht. Angesichts von Bidens Alter erwarten nämlich viele, dass er nur eine Amtszeit lang Präsident sein wird – er wird am 20. November 78 Jahre alt und damit bei Amtsantritt der älteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten sein.

In den kommenden Jahren hat Harris die Gelegenheit, sich in Stellung zu bringen, um Bidens Erbe an der Spitze der Partei und des Staates anzutreten. „Vizepräsident zu sein ist das beste Sprungbrett für eine Präsidentschaftskandidatur, das es gibt“, sagte der für seine Publikationen zum Thema bekannte Rechtswissenschaftler Joel Goldstein dem US-Magazin Fortune.

Grund 5: Harris könnte Mehrheit im Senat sichern

„Vizepräsidentin Kamala Harris ist nicht nur ein Schmuck, den sich der Staatschef für ein besseres Image und zur Erledigung harter Arbeit ausgesucht hat“, kommentierte die linksliberale polnische Zeitung Gazeta Wyborcza nach Bidens und Harris' Wahlsieg. Als Vizepräsidentin könnte Harris auch eine Schlüsselrolle im Senat zukommen. Denn: Die Republikaner haben sich dort zwar schon die Hälfte der Sitze gesichert, aber im Januar stehen im Bundesstaat Georgia noch zwei Stichwahlen an. Entscheiden die Demokraten diese für sich, haben beide Parteien jeweils 50 Stimmen. Harris könnte mit ihrer Stimme das Patt zugunsten der Demokraten brechen – und Biden die Umsetzung seiner Agenda garantieren. Denn ohne die Zustimmung des Senates dürfte Biden seine neuen Gesetze nicht durchbringen können.

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