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Die Uni Bonn hat ihre Studie zum Kreis Heinsberg in NRW vorgestellt. Dort hatten sich in kurzer Zeit viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Eine Dunkelziffer-Schätzung besagt demnach, dass bis zu 1,8 Millionen Menschen bundesweit infiziert sind oder waren. Experten wiegeln jedoch ab: Die Ergebnisse ließen sich nicht einfach übertragen.

Das Örtchen Gangelt mit seinen etwa 12.000 Einwohnern ist ein Coronavirus-Sonderfall. Hier gab es bei einer Karnevalssitzung zu Beginn der Pandemie ein „Superspreading Event“, wie Virologen es nennen. Beim Schunkeln und Singen haben sich viele gegenseitig angesteckt und damit für einen außergewöhnlich großen Ausbruch in dem Ort gesorgt.

Wie viele Menschen davon betroffen waren, haben die Forscher versucht herauszufinden. Dafür haben sie etwa 1.000 Personen aus circa 400 Haushalten untersucht: Sie haben mit einem Abstrichtest geschaut, wer aktuell infiziert ist, und mit einem Antikörpertest im Blut kontrolliert, wessen Immunsystem bereits auf das Virus reagiert hat – wer die Infektion also schon hinter sich hat.

Das Ergebnis entspricht in etwa dem, das die Forscher vor gut einem Monat vorveröffentlicht haben: Rund 15 Prozent der getesteten Personen waren positiv und damit aktuell oder in der Vergangenheit von dem Coronavirus betroffen. Das sind rund fünf mal mehr als von offizieller Seite erfasst wurden.

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Direkte Hochrechnung ergibt 1,8 Millionen Infizierte in Deutschland

Das kann man natürlich direkt hochrechnen – dann wäre man bei 1,8 Millionen Menschen in Deutschland, die die Infektion schon hinter sich hätten. Doch diese Art der Rechnerei ergibt keinen großen Sinn. Denn dadurch, dass der Ort, um den es geht, so klein war, hat ein Ereignis wie die Karnevalssitzung gereicht, um das Virus breit zu verteilen.

Das heißt, man konnte durchaus erwarten, dass in diesem Ort, ein relativ großer Anteil der Bevölkerung in Kontakt mit dem Virus war. Wie das woanders aussieht, in einem größeren Ort zum Beispiel, oder in einem, wo beim Karneval das Virus nicht verteilt wurde, kann man aus den veröffentlichten Daten nicht schließen. Das sagen auch die Autoren der Studie selber: Man kann die Zahlen aus Gangelt nicht auf andere Regionen übertragen.

Andere Wissenschaftler können nun prüfen

Mit der Veröffentlichung der Daten haben die Autoren einen großen Kritikpunkt gegen die Studie ausgeräumt. Denn bisher hatten sie die Ergebnisse nur per Pressekonferenz vorgestellt, andere Wissenschaftler konnten nicht nachvollziehen, wie genau sie vorgegangen sind. Noch ist auch diese Studie nicht von anderen Wissenschaftlern kontrolliert worden, aber sie ist öffentlich einsehbar. Und damit ist sie die erste ihrer Art in Deutschland. Sie erlaubt einen Überblick über die Infektionsrate in diesem speziellen Ort, in Gangelt. Und auch wenn das nicht repräsentativ ist für den Rest des Landes, sind die Ergebnisse interessant für die Forschung – man darf sie nur nicht überinterpretieren.

Das Datenjournalismus-Team des SWR hat sich hier mit Kritik und Fehlern der Studie ausführlich auseinander gesetzt.

Virologe: Ergebnisse nicht auf Bundesrepublik übertragbar

Auch laut dem Frankfurter Virologen Dr. Martin Stürmer sind die Ergebnisse der „Heinsberg-Studie“ nicht auf die gesamte Bundesrepublik übertragbar. Im SWR sagte Stürmer, die Zahlen lieferten vielmehr ein Bild des Infektionsgeschehens im Kreis Heinsberg. Beunruhigend daran sei die hohe Anzahl Infizierter ohne Symptome. Dadurch kämen viele Menschen als Überträger in Frage, ohne zu wissen, dass sie infiziert seien. Hier gibt es den Podcast zum Nachhören:

Die sogenannte Heinsberg-Studie soll Aufschluss über das Infektionsgeschehen geben (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / Reportdienste, Roberto Pfeil)

Was die "Heinsberg"-Studie wirklich über Corona aussagt

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