STAND
AUTOR/IN

Zu viel Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt ist nie zu empfehlen. Insbesondere nicht für wilde Waschbären, wie sich in Erfurt herausgestellt hat. Denn der taumelnde Bär musste seinen Besuch teuer bezahlen...

Der Waschbär tapste am Samstagnachmittag ziemlich unbeholfen über den Weihnachtsmarkt und wurde sehr schnell zum Thema weltweit: Magazine und Zeitungen berichteten, User teilten Bilder von dem offenbar betrunkenen Bären, der sich an der Haltestelle Fischmarkt unter einem Mülleimer ablegte und zeitweise nicht mehr rührte.

Die Feuerwehr fängt den Waschbären auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt ein – er musst danach erschossen werden (Foto: Reuters News Picture Service - RNPS)
So wurde der offenbar betrunkene Waschbär von der Erfurter Feuerwehr abtransportiert. Reuters News Picture Service - RNPS

Vermutlich von Glühweinresten genascht

Die herbeigerufene Feuerwehr kam und fing den Waschbären in einem Hauseingang ein.

Der Stadtsprecher von Erfurt, Daniel Baumbach, sagte, die zuständige Jagdbehörde habe zunächst keine Zeichen für eine Krankheit bei dem Tier entdeckt – es sei denkbar, dass das Tier Glühweinreste aus weggeworfenen Bechern getrunken habe. Es sei aber auch möglich, dass es Rattengift gefressen habe.

Stadtjäger musste das Tier erschießen

Zunächst hieß es, das Tier sei in ein Tierheim gebracht worden – dem widersprach der Stadtsprecher aber. Tierheime seien nur für Haustiere verantwortlich, der Waschbär aber sei ein Wildtier.

Und nicht irgend eines, sondern eine „invasive Art“, also eines, das eine Gefahr für heimische Tierarten, zum Beispiel Schlangen und Vögel, darstelle. Außerdem können sie auch Infektionskrankheiten verbreiten.

EU-Verordnung regelt: Invasive Arten müssen bekämpft werden

Gemäß einer EU-Verordnung von 2014 muss der Bestand dieser invasiven Arten eingedämmt werden – Waschbären stehen seit 2016 EU-weit auf der Liste der unerwünschten Tier- und Pflanzenarten. Der Stadtjäger von Erfurt musste den Waschbären deswegen erschießen. Eine Alternative dazu habe es nicht gegeben, so Baumbach. So steht es auch in der Pressemitteilung, welche die Stadt herausgegeben hat.

Neben vielen entsetzten Kommentaren von Waschbär-Fans finden sich im Internet unter #Waschbär auch Fakten zu den Anfängen der Waschbärenpopulation in Deutschland:

(Not-so-)Fun Fact: #Waschbär​en wurden einst nach Deutschland gebracht, um ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen. Einer der Pelztierzüchter hatte dann 1934 die glorreiche Idee, zwei Waschbären-Paare auszusetzen, um „aus reiner Freude unsere Fauna bereichern zu können“.🤦‍♀️🤦‍♀️🤦‍♀️ ⬇️

Waschbären plündern gern Mülleimer – in Erfurt lief ein Waschbär über den Weihnachtsmarkt und musste erschossen werden (Foto: imago images / Design Pics)
Waschbären sind vielerorts zur Plage geworden – EU-weit stehen sie auf der Liste der unerwünschten Tierarten. imago images / Design Pics

Heftige Kritik im Internet

Die Verantwortlichen in Erfurt mussten sich mit vielen sehr heftigen Reaktionen beschäftigen, als bekannt wurde, dass der Waschbär getötet wurde: es hagelte Beschimpfungen und sogar Drohungen gegen die Jäger und die Feuerwehr. Die Stadt hält mit Aufklärung und Fakten dagegen: Die Waschbären seien vielerorts zur Plage geworden, in diesem Jahr seien schon 27 Exemplare im Innenstadtbereich gefangen und „tierschutzgerecht“ getötet worden. Das allerdings ohne mediale Aufmerksamkeit – diese hat erst der große Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt gebracht.

Waschbären machen auch in Rheinland-Pfalz Probleme

Auch im Südwesten müssen jährlich hunderte Waschbären erlegt werden. In Rheinland-Pfalz leben sie vor allem im Westerwald, Taunus, Eifel und Hunsrück. Sie haben so gut wie keine natürlichen Feinde und breiten sich immer mehr aus.

STAND
AUTOR/IN
  1. „Dachte, dass es Covid nicht gibt“ Fitness-Influencer glaubte nicht an Corona – jetzt ist er daran gestorben

    Der 33-jährige Influencer Dmitriy Stuzhuk glaubte nicht an Corona und die Pandemie. Doch dann wurde er im Urlaub plötzlich krank. Diagnose: Covid-19. Jetzt ist der Ukrainer tot.  mehr...

  2. Vom Ministerium bestätigt Gesundheitsminister Spahn positiv auf Corona getestet

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das hat das Gesundheitsministerium bestätigt. Der Minister ist jetzt in häuslicher Quarantäne.  mehr...

  3. Neue Corona-Regeln Pandemiestufe 3 in Baden-Württemberg: Diese Maßnahmen gelten jetzt

    Bundesweit infizieren sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus. In Baden-Württemberg wurde ein kritischer Wert überstiegen. Seit Montag gilt deswegen die Pandemiestufe 3. Was bedeutet das und welche Regeln gelten dadurch?  mehr...

  4. Husten, schnupfen, Covid? Corona, Grippe oder Erkältung – Symptome und Unterschiede

    Mit einem Schnupfen auf die Arbeit? Im Herbst fast normal. Denn jetzt beginnt die Grippe- und Erkältungssaison. Dann beginnt das Husten – ist es also doch Covid-19? Hier erfährst du, wie sich die Krankheiten unterscheiden und was du tun kannst.  mehr...

  5. Informationen zum Coronavirus Corona-Karten: Wie viele sind infiziert, wie viele wieder gesund?

    Wie viele Menschen wurden positiv auf Corona getestet? Und wie genau ist die Lage in Deutschland? Hier findest du Karten, die ständig aktualisiert werden.  mehr...

  6. Erfolgreiche Suchaktion Vermisste Jugendliche im Odenwald wieder aufgetaucht

    Die beiden Jugendlichen, die seit Sonntag in Birkenau im Odenwald vermisst wurden, sind wieder aufgetaucht. Das hat die Polizei mitgeteilt. Zahlreiche Polizisten und Rettungskräfte hatten tagelang nach ihnen gesucht.  mehr...