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Laura Bisch (Foto: SWR3)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist dafür bekannt, dass er sich soweit es geht aus den Inhalten seiner Plattform raushält – ihm geht es vor allem um die Wirtschaftlichkeit des Konzerns. Nach einem Werbeboykott einiger Firmen lenkt er nun ein. Zumindest etwas.

Werbung bringt Facebook viel Geld ein – und wenn das nicht mehr fließt, reagiert der Konzern. So zumindest das Vorurteil, das Konzernchef Mark Zuckerberg mit seiner jüngsten Äußerung bekräftigt. Denn wegen des Werbeboykottes mehrerer Firmen will Zuckerberg nun doch auf inhaltliche Kritik an seinen Plattformen Facebook und Instagram eingehen.

Werbeboykott zwingt Zuckerberg, zu handeln

Aber von Anfang: Wegen einer Flut von Hasskommentaren, Propaganda, Spam und Fake-News in ihren Diensten stehen Facebook und auch Twitter in der Kritik. US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen Mitte Juni zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. Ihr Vorwurf: Facebook – aber auch Twitter – müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des US-Wahlkampfes.

Warum ausgerechnet ein Werbeboykott?

Facebook soll mit dem Werbeboykott an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – denn der Konzern macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbung. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen. Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten. Dafür gab es sogar Kritik von eigenen Mitarbeitern.

Boykott bekommt immer mehr Unterstützer

Mittlerweile bekommt der Werbeboykott gegen Facebook immer mehr Unterstützer – nach Marken wie The North Face und Patagonia haben sich auch der US-Riese Coca-Cola und die Kaffeehauskette Starbucks dem Protest angeschlossen.

We’re in. We’re Out @Facebook #StopHateForProfit Learn more: https://t.co/uAT7u7mjBG https://t.co/jVxTIH5ThQ

Sie alle gaben nach und nach bekannt, vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Die Folge: Die Facebook-Aktie brach ein – das Unternehmen verlor viel Geld. Alleine bei Coca Cola soll der Werbeetat in den USA 2019 geschätzt knapp 21 Millionen Euro ausgemacht haben. Dass berichtete die New York Times mit Verweis auf Daten des Branchenanalysten Pathmatics.

Wie hat Zuckerberg auf den Boykott reagiert?

Als immer mehr Unternehmen sich an der Aktion beteiligten, reagierte Zuckerberg: In einem Livestream kündigte der Facebook-Chef an, künftig stärker gegen Hassnachrichten vorzugehen, Falschmeldungen unmittelbar vor der US-Präsidentschaftswahl zu löschen sowie die Standards für Werbung zu erhöhen. Später veröffentlichte Zuckerberg auf seinem Facebook-Account auch noch eine schriftliche Erklärung.

Three weeks ago, I committed to reviewing our policies ahead of the 2020 elections. That work is ongoing, but today I...Gepostet von Mark Zuckerberg am Freitag, 26. Juni 2020

Inhaltlich ging Zuckerberg dabei vor allem genauer auf vier Punkte ein:

1. Ein Wähler-Informations-Zentrum: Facebook wolle verifizierte, offizielle Informationen dazu bereitstellen, wo und wann US-Bürger zur Wahl gehen könnten. Außerdem setze sich das Netzwerk dafür ein, dass sich Menschen auch über Facebook für die Wahl registrieren und sogar per Mail ihre Stimme abgeben könnten. Keine Wähler sollten unterdrückt werden, so Zuckerberg.

2. Fake-News konsequent sperren: Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Präsidentschaftswahl im November vom Wählen abhalten sollen, werden Zuckerbergs Worten zufolge entfernt.

3. Hass aus Werbung und Kommentaren verbannen: Außerdem sollen auch in der Werbung abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben blockiert werden. Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren – so wie es Twitter zuletzt vereinzelt bei Trump-Tweets gemacht hatte.

4. Richtlinien verbessern: Facebook hatte zudem in einer Stellungnahme betont, jährlich Milliarden Dollar in die Sicherheit seiner Community zu investieren. Der Konzern arbeite kontinuierlich mit externen Experten zusammen, um seine Richtlinien zu überprüfen und zu aktualisieren.

Was wird sich bei Facebook ändern?

Nun ist die Frage: Was ist dran, an Zuckerbergs Absicht zur Besserung seiner Netzwerke? Dass sich bei Facebook demnächst viel ändert, daran haben einige Unternehmen ihre Zweifel. So zum Beispiel ein US-Schokoladenhersteller, der sich ebenfalls dem Boykott angeschlossen hat, in der US-Zeitung USA Today:

Wir glauben nicht, dass Facebook gewalttätige und spalterische Reden auf seinen Plattformen effizient verwalten wird. Trotz wiederholter Zusicherungen von Facebook, Maßnahmen zu ergreifen, haben wir keine bedeutsamen Veränderungen gesehen.

Erklärung von Hershys in USA Today

Auch europäischen Unternehmen wurden mittlerweile aufgerufen sich an der Aktion zu beteiligen. Das soll den Druck auf Facebook weiter erhöhen und dazu führen, dass sich langfristig etwas ändert.

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