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In Deutschland demonstrieren Menschen für ihre Freiheitsrechte, weil sie sich während der Corona-Pandemie eingeschränkt fühlen. In Stuttgart waren zuletzt Tausende auf dem Wasen – und die Demo am Wochenende soll noch größer werden.

In Berlin heißen sie Hygienedemos, auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart lief die Demo letzten Samstag unter dem Motto „Querdenken“: Tausende Menschen demonstrierten mit dem Grundgesetz in der Hand für mehr Freiheitsrechte während der Corona-Pandemie. Die meisten wollen raus aus dem Lockdown.

Einige der Demonstrierenden, die letzte Woche auf dem Wasen waren, finden es unter anderem übertrieben, zu Hause bleiben zu müssen. Einen Lockdown angesichts von rund 7.000 Toten hinterfragt etwa Michael Ballweg, IT-Unternehmer aus Stuttgart: „Man muss die Relativierung infrage stellen. Es gibt bestimmt gute Konzepte für schützenswerte Gruppen. Aber es ist nicht nötig, die ganze Bevölkerung unter Generalisolation zu stellen.“

Unsicherheit, Frust und Verschwörungstheorien

Andere sind einfach unsicher, haben Angst und wissen nicht mit der Krise umzugehen. In den Medien und in der Politik würden vor allem medizinische und wirtschaftliche Fragen prominent behandelt – den Kritikern kommen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die sozialen Fragen und der Umgang mit Corona zu kurz, erklärt sich Rechtsextremismus-Expertin Judith Rahner die Frustration. „Diese Fragen werden zunehmend lauter gestellt und sollten auch auf die Straße“, so Rahner im SWR-Interview.

„Ich habe mehr Angst vor der Zukunft als vor dem Virus.“

Demonstrantin aus Stuttgart

Auch Impfgegner, Rechtspopulisten, Reichsbürger und Rechtsextreme fanden sich auf dem Wasen ein und mobilisieren außerdem via Chatgruppen im Internet. Viele von ihnen schließen sich den Appellen von „Widerstand 2020“ an. Manche von ihnen – und auch Demonstranten anderer Gruppierungen – sind außerdem Anhänger von Verschwörungstheorien, etwa, dass Bill Gates alle Bürgerinnen und Bürger zwangsimpfen lassen wolle: „Die haben irgendetwas vor“, sagte beispielsweise ein Demonstrant in Stuttgart. Ähnlich äußerte sich einer der Gründer von „Widerstand 2020“, Rechtsanwalt Ralf Ludwig, auf der Demo in Stuttgart: „Ich habe Angst davor, dass es hier um Impfstoffe geht, die nicht getestet sind. Ich habe Angst davor, dass an uns Dinge ausprobiert werden, die nicht gesichert sind.“

Demonstrant steht auf dem Cannstatter Wasen und protestiert gegen Corona-Maßnahmen (Foto: SWR)
Am Samstag kamen zahlreiche Demonstranten auf den Cannstatter Wasen. Der Grund: Die Menschen protestieren gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen.

Ablehnung von etablierter Politik

Neben Ludwig haben eine Psychologin, Victoria Hamm, und ein HNO-Arzt aus Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis, Bodo Schiffmann, „Widerstand 2020“ gegründet. Schiffmann hat mit seinen corona-kritischen Videos im Netz eine große Fangemeinde und fordert seit Wochen, der Lockdown müsse weg. Die drei Gründer haben sich für mehr als 100.000 Mitglieder gefeiert – doch diese Zahl wird angezweifelt. Generell lehnt „Widerstand 2020“ etablierte Politik ab, ist für Basisdemokratie, Tierschutz, warnt vor bedingungsloser Zuwanderung und ist skeptisch gegenüber Medien.

Die Anhänger von „Widerstand 2020“ lassen sich jedenfalls nicht über einen Kamm scheren. Vielmehr scheint die Bewegung frustrierten und verunsicherten Bürgerinnen und Bürgern jeglicher politischen Strömung eine Plattform zu bieten, auf der sie ihren Unmut bündeln können.

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