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Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Die Bundesregierung geht von einem Einsatz eines Corona-Impfstoffes frühestens im ersten Quartal 2021 aus. Und auch dann geht es erst einmal Schritt für Schritt.

„Es wird nicht von Anfang an möglich sein, alle Impfwilligen mit einem Impfstoff zu versorgen“, so Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Montag. Die am Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelte Kommission hat jetzt ein Konzept vorgelegt – gemeinsam mit dem Deutschen Ethikrat, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Das ist demnach geplant:

Wer bekommt den Impfstoff zuerst?

Nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs sollen Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeheimen zuerst gegen das Virus geimpft werden.

Ebenso sollen aber auch Menschen in Schlüsselstellungen in der Gesellschaft und für die öffentliche Ordnung zuerst geimpft werden: also Mitarbeiter von Gesundheitsämtern, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher, wie die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, mitteilte.

Auch Menschen, die etwa in Heimen für Obdachlose oder Asylbewerber sehr beengt untergebracht seien, sollten dazu zählen. Noch seien genaue Feststellungen zur Priorisierung nicht getroffen, also nicht alle Gruppen genau identifiziert. Es fehlten dazu noch Daten. „Sehr alte Patienten (...) haben mit Abstand die höchste Risikokonstellation“, betonte Buyx aber. Die Impfungen soll freiwillig erfolgen und kostenlos sein.

Wird es eine Impfpflicht geben?

Der Deutsche Ethikrat, die Ständige Impfkommission und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sind gegen eine generelle Pflicht zur Impfung gegen das Coronavirus in Deutschland. Impfungen setzten eine aufgeklärte, freiwillige Zustimmung voraus, erklärten die Wissenschaftler (Sorge wegen des Impfstoffs? Hier haben wir mehrere Corona-Impfmythen unter die Lupe genommen.)

Eine undifferenzierte Impfpflicht sei deshalb auszuschließen. Allenfalls beim Vorliegen schwerwiegender Gründe lasse sich für eine klar definierte Gruppe von Menschen eine Impfpflicht rechtfertigen – etwa für Mitarbeiter in ständigem Kontakt mit Hochrisikopatienten.

Jetzt wollen die Wissenschaftler weiter für Akzeptanz werben. Denn damit die Impfungen großflächig gegen die Pandemie wirkten, müssten rund 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Bis jetzt seien laut Umfragen aber erst rund 60 Prozent dazu bereit.

Wo wird geimpft?

Geimpft werden soll in „staatlich mandatierten Impfzentren“ unabhängig vom Versichertenstatus. Um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und die Wirksamkeit weiter zu ermitteln, müssen den Experten zufolge die Impfungen bundesweit in einer zentralen Datenbank online erfasst werden.

Wer organisiert die Impfungen?

Geplant ist, dass der Bund den Impfstoff bereit stellt. Die Länder sind dann für den Aufbau von Impfzentren sowie die Impfungen selbst zuständig. Dabei sollten die Kosten für den Aufbau und die Organisation von Impfzentren gemeinsam von den Ländern und aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung (Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds) sowie gegebenenfalls der privaten Krankenversicherung getragen werden, heißt es.

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