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Seit 2019 geht es Wölfen im Zweifelsfall rudelweise an den Kragen, wenn eins der Tiere beispielsweise Schafe reißt. Der Bundeslandwirtschaftsministerin genügt das nicht.

Gefährlich sind sie in der Regel nicht, doch sie vermehren sich schnell: Je nachdem, wen man fragt, gibt es in Deutschland derzeit zwischen 1.000 und 2.000 Wölfe. Auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz tummeln sich mehrere davon. Selbst in Mudau (Neckar-Odenwald-Kreis) lebt seit etwa September 2020 ein fester Wolf – der erste seit rund 150 Jahren.

Und Wölfe müssen natürlich fressen. Dabei kommen immer wieder Nutztiere ums Leben. Das sorgt für Unmut, obwohl Schäfer und andere Nutztierhalter in ausgewiesenen Wolfsgebieten voll entschädigt werden – sowohl für Risse, als auch für wolfssichere Schutzzäune.

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Klöckner setzt bei Wölfen auf „Bestandsmanagement“

Jetzt fordert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) einen härteren Umgang mit den Raubtieren: „Der gute Erhaltungszustand beim Wolf ist in einigen Bundesländern, darunter Niedersachsen, erreicht. Deswegen setzen wir uns für ein regionales Bestandsmanagement ein“, sagte Klöckner der Neuen Osnabrücker Zeitung.

„Bestandsmanagement“ bedeutet natürlich: mehr Abschüsse in den Gebieten, in denen bereits viele Wölfe leben. 2019 habe es durch Wolfsrisse fast 3.000 tote oder verletze Nutztiere gegeben. „Wo soll das enden, wenn man es einfach ließe?“, so Klöckner.

Und weiter: Sie könne sehr gut nachvollziehen, dass Eltern um ihre Kinder besorgt seien, so Klöckner. Allerdings ist, seit die Wölfe um das Jahr 2000 zurück kamen, noch kein Mensch, geschweige denn ein Kind, von einem Wolf ernsthaft attackiert worden.

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Die meisten Wölfe sind scheu und ängstlich. Was aber tun, wenn man einem begegnet, der sich nicht so einfach vertreiben lässt?  mehr...

Die 2019 von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Verschärfung des Bundesnaturschutzgesetzes – die „Lex Wolf“ – habe nicht gereicht, meint die Ministerin im Interview. „Das habe ich von Anfang an gesagt, aber mit der SPD in der Regierung ging nicht mehr.“

Wenn ein Wolf Schafe reißt, wird notfalls das ganze Rudel abgeschossen

Das könnte Ärger geben: Die Gesetzes-Verschärfung, von der Klöckner sagt, dass sie nicht ausreicht, hatte der Bundestag Ende 2019 vorgenommen. Sie hatte etliche Wolfsfreunde geschockt.

Die Regelung gilt für die Gebiete, in denen nicht einzelne Wölfe leben, sondern ganze Rudel und besagt: Wenn beispielsweise eine Schafherde angegriffen wurde, sollen so lange Wölfe abgeschossen werden, bis es keine Attacken mehr gibt. Dadurch können unter Umständen mehrere Wölfe beziehungsweise ein ganzes Rudel getötet werden.

Jeder Abschuss muss allerdings von der zuständigen Landesbehörde genehmigt werden. Zudem sollen Jäger regelmäßig vorab einbezogen werden.

WWF: Wolfstötung muss Ultima Ratio bleiben

Die Umweltschutzorganisation WWF hatte die neue Regelung begrüßt: Sie mache deutlich, dass Ausnahmen vom strengen Schutzstatus des Wolfes und anderer geschützter Tierarten enge Grenzen gesetzt seien.

Die Tötung eines Wolfes müsse auch bei der neuen Gesetzeslage Ultima Ratio sein. Um ein langfristiges Miteinander von Menschen, Weide- und Wildtieren zu ermöglichen, seien flächendeckende Maßnahmen zum Herdenschutz in allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen das A und O.

2019/2020 lag die Zahl der freilebenden Wolfsrudel in Deutschland laut Bundesamt für Naturschutz bei 128 – 23 Rudel mehr als 2018/2019. Nach wie vor lebte der allergrößte Teil der Wölfe in einem breiten Gebietsstreifen, der in der Mitte Deutschlands von Brandenburg und Sachsen-Anhalt über Mecklenburg-Vorpommern bis nach Niedersachsen reicht. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen konzentrierten sich 98 der insgesamt 128 Rudel.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 28. Juli, 01:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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