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Björn Widmann (Foto: SWR3)

Auf der Suche nach einem Atommüllendlager hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung einen Zwischenbericht vorgelegt. Der Salzstock Gorleben scheidet demnach als Endlager aus – dafür gibt es in Baden-Württemberg gleich mehrere geeignete Stellen.

Jahrelang war Gorleben einer der Top-Kandidaten für den Standort eines Atommüll-Endlagers. Seit Montagvormittag ist das allerdings vom Tisch: Geologische Mängel haben Gorleben aus dem Rennen katapultiert, teilte die Bundesgesellschaft für Endlagerung mit.

Unter anderem weise der Salzstock Gorleben ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort. Die Entscheidung gegen den Salzstock sei rein wissenschaftlich erfolgt, es habe keinen politischen Druck gegeben.

Boden in Deutschland ideal für Atommüll-Endlager

Unabhängig von den Gegebenheiten in Gorleben werde man aber in Deutschland auf jeden Fall einen geeigneten Ort für ein Endlager finden. Der Boden hier sei dafür ideal: „Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen“, sagte BGE-Chef Stefan Studt.

Insgesamt sind in dem Zwischenbericht 90 Gebiete in Deutschland ausgewiesen, die als Standort für ein Atommüll-Endlager in Betracht kommen. Gut die Hälfte der Fläche von Deutschland sei grundsätzlich geeignet, heißt es in dem Bericht.

Baden-Württemberg wäre als Endlager zum Teil geeignet

In Baden-Württemberg wäre demnach das Grenzgebiet zu Bayern geeignet, wegen des Tongesteins dort. Ein weiteres sehr großes Teilgebiet reicht von Baden-Württemberg und Bayern über Thüringen, Sachsen-Anhalt bis ins südliche Brandenburg und nach Sachsen.

Ebenfalls möglich wäre ein Standort im Schwarzwald als Teil einer Region, die sich Richtung Osten über Bayern bis an die tschechische Grenze zieht. Konkrete Orte oder Regionen werden in dem Bericht allerdings nicht genannt.

Suche nach Atommüll-Endlager geht noch jahrelang weiter

Damit ist die Suche nach einem Standort für das Lager noch lange nicht abgeschlossen. Der BGE-Bericht listet erst einmal alle Regionen in Deutschland auf, „die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen“, so schreibt es das entsprechende Gesetz vor.

Deswegen sind es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete. In den kommenden Jahren werden aus den Teilgebieten sogenannte Standortregionen ausgewählt, dann erst einmal an der Oberfläche genauer erkundet werden. Einige davon werden auch untertägig erforscht.

Salzstock Gorleben (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Björn Vogt/dpa)
Der Salzstock Gorleben kommt als mögliches Atommüll-Endlager nicht mehr in Frage. picture alliance/Björn Vogt/dpa

Baden-Württembergs Umweltminister: „Wird Unruhe geben“

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) glaubt, dass die Debatte um die Endlagerung von hochradioaktivem Müll jetzt erst richtig in Fahrt kommt: „Mir ist auch klar, dass es da heute einiges an Unruhe geben wird“, sagte er dem SWR vor der Vorstellung des Zwischenberichts.

So soll das geplante Endlager aussehen

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

FDP Kritisiert Auswahlverfahren als „intransparent“

Die FDP ist mit dem Verfahren der Standortsuche nicht zufrieden. „Das ist eine Überraschungstüte“, sagte der baden-württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. „Durch die mangelnde Transparenz verspielt die Bundesgesellschaft für Endlagerung die Chance, dass eine solche Suche und ihr Ergebnis auch akzeptiert werden.“

Ein Endlager könne aber nur durchgesetzt werden, wenn in dem Bundesland und auch in der Region, in der es gebaut werden solle, die Akzeptanz und das Vertrauen der Bevölkerung vorhanden seien.

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