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Laura Bisch (Foto: SWR3)

Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling hat erneut Kritik für ein Posting zum Thema LGBTQ geerntet. Dieses Mal schloss sich allerdings nicht nur Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe der Kritik an; auch Emma Watson fand klare Worte. Doch Rowling rechtfertigte sich unerwartet.

Eigentlich steht Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling wegen mehreren Kommentaren zu Transsexualität und Geschlechtern in der Kritik. Nun äußerte sie sich überraschend zu eigenen Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen und Missbrauch in ihrer ersten Ehe – ohne sich selbst als Opfer darstellen zu wollen, wie sie in einem Essey auf ihrer Webseite schreibt.

Ich stehe nun seit über 20 Jahren im Blickpunkt der Öffentlichkeit und habe nie öffentlich darüber gesprochen, dass ich eine Überlebende von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen bin.

J.K. Rowling, Autorin

In dem Essay lässt Rowling eigene Erfahrungen einfließen und erläutert ihre Äußerungen über Trans-Menschen. Sie argumentiert etwa mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung und zeigt sich besorgt, dass immer mehr junge Frauen eine Geschlechtsanpassung wünschten. Grundsätzlich sei sie zudem besorgt, dass radikale Trans-Aktivisten keine Differenzierung der Geschlechter mehr zulassen würden, betont sie.

Für welche Äußerungen wurde Rowling kritisiert?

Die 54-Jährige hatte kurz zuvor mit kritischen Äußerungen zu Transgender-Menschen starke Proteste ausgelöst – und das nicht zum ersten Mal. Es geht in der Debatte beispielsweise um Frauen, die laut Geburtsurkunde als Männer auf die Welt kamen. Rowling hatte kürzlich auf Twitter einen Artikel kritisiert, in dem Frauen als „Menschen, die menstruieren“ bezeichnet wurden. Das englische Wort women für Frauen war in dem Artikel vermieden worden.

Daraufhin schrieb Rowling auf Twitter: „Ich bin sicher, dass es ein Wort für solche Menschen gegeben hat“. Rowling fragte in ihrem Tweet spöttisch, ob das frühere Wort „Wumben“, „Wimpud“ oder „Woomud“ geheißen habe. „Ich bin sicher, dass es früher ein Wort für diese Menschen gab. Kann jemand helfen?“

„Das Geschlecht ist real“

In ihrem Beitrag vom Dezember bekundete Rowling außerdem Unterstützung für die Wissenschaftlerin Maya Forstater, die ihren Job nach der Aussage verloren hatte, Menschen könnten ihr biologisches Geschlecht nicht ändern. Daraufhin twitterte Rowling: „Bezeichne dich, wie auch immer du willst. Schlafe mit welchem Erwachsenen auch immer einvernehmlich, der dich will. Lebe dein bestes Leben in Frieden und Sicherheit. Aber Frauen aus ihren Jobs für die Aussage zu drängen, dass das Geschlecht real ist?

Dress however you please. Call yourself whatever you like. Sleep with any consenting adult who’ll have you. Live your best life in peace and security. But force women out of their jobs for stating that sex is real? #IStandWithMaya #ThisIsNotADrill

Daraufhin bekam die Autorin viel Kritik von Twitter-Nutzern und Anhängern der LGBTQ-Community. Davon abgehalten, weitere kontroverse Gedanken zu dem Thema zu teilen, hat sie das aber offensichtlich nicht. Zuletzt postete Rowling erneut einen umstrittenen Tweet. Darin schrieb sie: „Wenn das Geschlecht nicht real ist, dann gibt es auch keine Anziehung zwischen gleichen Geschlechtern.“

If sex isn’t real, there’s no same-sex attraction. If sex isn’t real, the lived reality of women globally is erased. I know and love trans people, but erasing the concept of sex removes the ability of many to meaningfully discuss their lives. It isn’t hate to speak the truth.

Emma Watson und Daniel Radcliffe kritisieren Rowling

Auch die 30-jährige Schauspielerin Emma Watson, die einst Hermine Granger verkörperte, sprach Klartext: Trans-Menschen wüssten schon selbst, was sie seien.

Emma Watson hat sich jetzt auch zu J. K. Rowlings Kommentar über Trans-Personen geäußert. Die Harry-Potter-Autorin hatte Anfang der Woche getwittert, dass sie zwar Transgender kenne, aber sie an biologische Geschlechter glaube. - Die Kritik: Sie sagt damit aus Sicht vieler, dass Trans-Frauen keine Frauen seien. Auch Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe hatte dem widersprochen. Es war nicht das erste Mal, dass Rowlings Aussagen als transphob eingeschätzt wurden. - Wir haben euch in der Bio ein Video verlinkt, in der maiLab die Wissenschaft hinter Transgender erklärt. - 📸 Will Oliver, dpa - #transgender #jkrowling #harrypotter #emmawatson #funk

Zuvor hatte sich bereits Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe in einem Gastbeitrag auf der Webseite des LGBTQ-Netzwerkes The Trevor Projekt geäußert. Dort schrieb der Schauspieler, er habe Rowling zwar viel zu verdanken, könne zu den Äußerungen der Autorin aber nicht weiter schweigen.

Transgender-Frauen sind Frauen. Jedes Statement, in dem das Gegenteil gesagt wird, beschädigt die Identität und Würde von Transgendern und Queeren und geht gegen jegliche Empfehlungen von Experten, die wesentlich mehr Expertise in diesem Thema haben als Jo oder ich.

Daniel Radcliffe, Schauspieler

Außerdem bezieht sich Radcliffe auf Zahlen des Trevor-Projektes, wonach rund 78 Prozent der Transgender-Leute davon berichtet haben, wegen ihres Geschlechtes diskriminiert worden zu sein. Es sei klar, dass die Gesellschaft mehr tun müsse, um transgender und queere Menschen zu unterstützen.

Die Harry Potter-Darsteller Emma Watson und Daniel Radcliffe posieren neben Autorin J.K. Rowling. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Ian West/epa/dpa)
Die Harry Potter-Darsteller Emma Watson und Daniel Radcliffe posieren 2015 neben Autorin J.K. Rowling bei der Premiere von „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“. picture alliance / Ian West/epa/dpa

Radcliffe: „Es tut mir leid“

Schließlich entschuldigte sich Radcliffe für den Schmerz, den die Kommentare von Rowling bei Harry-Potter-Fans verursacht haben. Es tue ihm leid, sollten die Kommentare die Erfahrung der Bücher für manche von ihnen entweiht haben.

Ich hoffe wirklich, dass ihr die Werte, die die Bücher für euch vermittelt haben, nicht komplett verliert. Wenn diese Bücher euch beigebracht haben, dass Liebe die stärkste Kraft im Universum ist und alles besiegen kann (...) dann ist das zwischen euch und dem Buch. Und meiner Meinung nach kann euch das keiner nehmen.

Daniel Radcliffe, Schauspieler
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