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Bei Vorträgen hatte eine Frau Xavier Naidoo als Antisemiten bezeichnet. Naidoo klagte erfolgreich dagegen. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht der Frau aber Recht gegeben.

Dass eine Referentin der Heidelberger Amadeu-Antonio-Stiftung Sänger Xavier Naidoo einen Antisemiten genannt hat, wurde ihr zu Unrecht verboten. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am Mittwoch entschieden.

Die Frau hatte eine Verfassungsbeschwerde eingereicht, nachdem ihr das Landgericht Regensburg und das Oberlandesgericht Nürnberg verboten hatten, Naidoo als Antisemiten zu bezeichnen. Die Karlsruher Richter gaben der Frau jetzt aber Recht. Die Gerichte, die Naidoos Klagen stattgegeben haben, hätten „die Bedeutung und Tragweite der Meinungsfreiheit im öffentlichen Meinungskampf“ verkannt.

Referentin nannte Xavier Naidoo Antisemit

Was genau ist in dem Fall eigentlich passiert? Die Amadeu-Antonio-Stiftung in Heidelberg unterstützt bundesweit Hunderte Projekte bei ihrer Arbeit gegen Antisemitismus – also Hass auf Juden –, Rechtsextremismus und Rassismus.

Nach einem Vortrag zum Thema Reichsbürger wurde die Referentin gefragt, wie sie Xavier Naidoo einschätze. Sie sagte, sie sehe ihn „mit einem Bein bei den Reichsbürgern“. Und: „Er ist Antisemit, das darf ich, glaub' ich, aber gar nicht so offen sagen, weil er gerne verklagt. Aber das ist strukturell nachweisbar.

Die Frau argumentierte vor Gericht, Anlass für ihre Überlegungen waren Liedtexte und Interviews von Naidoo. Außerdem seine Rede vor dem Reichstag in Berlin 2014. Damals hatte er bei einer Veranstaltung von Reichsbürger gesprochen. Reichsbürger lehnen die Bundesrepublik als Staat und ihre Behörden ab.

Karlsruher Richter: Naidoo ist mit seinen Ansichten selbst an die Öffentlichkeit

Die Gerichte in Regensburg und Nürnberg hatten Naidoo Recht gegeben, weil die Aussagen der Frau Naidoos Würde beeinträchtigten und ihn an den Pranger stellten. Das Bundesverfassungsgericht hob die beiden Urteile aber auf – und argumentierte, Naidoo sei mit seinen Ansichten an die Öffentlichkeit gegangen.

Lebenslauf eines gefallenen Stars: Wer ist Xavier Naidoo eigentlich?

Bekanntgeworden ist Xavier Naidoo 1998. Damals steuerte er zum Film „Asterix und Obelix gegen Cäsar“ den Song „Sie sieht mich einfach nicht“ bei. 2006 spielte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft seinen Song „Dieser Weg“ bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land als Motivationssong in der Kabine ab.

Naidoo war in vielen Fernsehsendungen zu sehen und wurde mit Preisen für seine Musik überhäuft. Dann gab es aber auch immer wieder Blicke auf die dunkle Seite des Mannheimers, dessen Eltern aus Südafrika stammen.

Xavier Naidoo war immer wieder kontrovers

Seine Sympathien für die Ideen der Reichsbürgerbewegung hat Naidoo noch nie versteckt. Schon im Jahr seines Durchbruchs 1998 zweifelte Naidoo in einer MTV-Sendung die Legitimität der Bundestagswahl an.

Zwei Jahre später gab er der Bunte ein Interview in dem er sagte: „Ich rauche eigentlich ziemlich viel Marihuana.“ Es folgten eine Hausdurchsuchung und eine Verurteilung zu einer Geldstrafe und einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung wegen Drogenbesitzes und mehrfachen Fahrens ohne Führerschein.

2011 der nächste Schnitzer. Damals sagte er in einem Moma-Interview: „Deutschland ist immer noch ein besetztes Land, Deutschland hat keinen Friedensvertrag.

2017 gab es erste Anzeichen von Antisemitismus in Naidoos Texten

2017 ging Naidoo in den Augen der Presse noch einen Schritt weiter: Mit den Söhnen Mannheims nahm er den Song „Marionetten“ auf. Den Text bezeichneten viele Journalisten als antisemitisch, rechtspopulistisch und verschwörungstheoretisch. Auch die Stadt Mannheim distanzierte sich darauf von Naidoo.

Während der Corona-Pandemie driftete Naidoo dann komplett ins Lager der Verschwörungstheoretiker ab. Am 10. März 2020 veröffentlichte er auf seinem Telegram-Kanal ein Video, in dem er Hass gegen Asylsuchende schürt.

Xavier Naidoo glaubt wohl an Adrenochrom-Verschwörungstheorie

Nur einen knappen Monat später saß er vor dem Rechner und referierte in einem Video heulend über die „Adrenochrom“-Verschwörungstheorie. Demnach werden Kinder entführt und in unterirdischen Anlagen gefoltert und missbraucht. Ihrem Körper soll dann Adrenochrom entnommen werden, das dann von Hollywoodstars gegen ihre Alterserscheinungen eingenommen wird. Im selben Monat leugnete Naidoo die Existenz des Coronavirus – und wollte sogar dagegen vor Gericht ziehen.

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