STAND
AUTOR/IN
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)

Nach der Messerattacke auf Salman Rushdie geht es dem Schriftsteller offenbar wieder besser. Sein Manager berichtet, er müsse nicht mehr beatmet werden und könne wieder sprechen.

Rushdie wurde Freitag bei einer Lesung in den USA auf der Bühne niedergestochen. Der mutmaßliche Täter macht keine Angaben zu seinem Motiv. Er hat sich vor Gericht als nicht schuldig bezeichnet. Der 24 Jahre alte Mann sitzt laut Polizeiangaben in Untersuchungshaft, ohne dass derzeit eine Möglichkeit zur Freilassung gegen Kaution besteht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und Körperverletzung vor.

Hinweise auf ein Motiv gibt es auf seinen Social-Media-Kanälen. Aus New York berichtet SWR3-Korrespondentin Claudia Sarre.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Rushdie: Suche nach Tatmotiv

Dauer

Autor Salman Rushdie auf Bühne angegriffen

Was ist genau passiert? Rushdie wollte gerade seinen Vortrag beginnen, als er angegriffen wurde. Reporter berichten, dass ein Mann die Bühne stürmte und 10 bis 15 Mal auf den 75-Jährigen einschlug oder einstach. Der Autor wurde zu Boden gedrückt oder stürzte zu Boden, der Angreifer wurde festgenommen. Ein Augenzeuge sagte, der Angriff habe etwa 20 Sekunden gedauert. Eine andere Augenzeugin berichtet, der Angreifer sei schwarz gekleidet gewesen und habe eine schwarze Maske getragen.

Rushdie wurde per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Nach Polizeiangaben wurde auch der Moderator der Veranstaltung, Henry Reese, angegriffen. Der 73-Jährige sei am Gesicht verletzt worden, konnte aber nach seiner Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Polizeisprecher: Angreifer ein 24-jähriger Amerikaner

Bei dem Angreifer handelte es sich um einen 24-jährigen Amerikaner aus New Jersey. Das sagte Polizeisprecher James O'Callaghan bei einer Pressekonferenz. Er hatte ersten Erkenntnissen zufolge wohl keine Komplizen.

An diesem Punkt gehen wir davon aus, dass er allein war, aber wir versuchen sicherzustellen, dass dies der Fall war.

Am Tatort sei ein Rucksack sichergestellt worden.

Der 24 Jahre alte mutmaßliche Täter steht neben seinem Pflichtverteidiger während einer Anklageverlesung im Chautauqua County Courthouse.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/AP | Gene J. Puskar)
Der 24 Jahre alte mutmaßliche Täter steht neben seinem Pflichtverteidiger Nathaniel Barone während einer Anklageverlesung im Chautauqua County Courthouse. picture alliance/dpa/AP | Gene J. Puskar

Warum wurde Salman Rushdie niedergestochen?

Das Tatmotiv sei unklar, sagte die Polizei. 1988 hatte der iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini wegen des Romans „Die satanischen Verse“ dazu aufgefordert, Autor Rushdie zu töten. Chomeini erließ eine sogenannte Fatwa, die zur Tötung Rushdies und all derer aufrief, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. In dem Land wurden mehr als drei Millionen Dollar Belohnung für die Tötung des Autors ausgesetzt.

Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen und erhielt Polizeischutz. Die Lage entspannte sich aber in den späten 1990er-Jahren, nachdem die Regierung des Iran 1998 erklärte, Rushdies Ermordung nicht zu unterstützen.

Entsetzen über Angriff auf Salman Rushdie

Der Messerangriff auf den Schriftsteller Salman Rushdie ist weltweit mit Bestürzung aufgenommen worden.

Omid Nouripour, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, findet diese klaren Worte:

Die Attacke auf #SalmanRushdie ist ein Angriff auf die Freiheit des Wortes. Und ist die schlimme Frucht eines Hasses, der seit Jahrzehnten vom iranischen Regime geschürt und finanziert wird. Auch sie trägt für diese Schandtat Verantwortung. Ich bete für seine schnelle Genesung.

Diese Autorin ist solidarisch und zeigt diese Haltung:

Menschen sollten Bücher lesen, anstatt sie zu verbrennen oder ihre VerfasserInnen zu verfolgen, zu bedrohen, zu attackieren oder zu töten. Get well soon, #SalmanRushdie! #SatanischeVerse ist übrigens ein bezauberndes, literarisch großartiges Buch.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte, Gewalt sei keine Antwort auf Meinungsfreiheit. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron meinte, Hass und Barbarei hätten feige zugeschlagen. Die US- Regierung sprach von einer entsetzlichen Gewalttat. Die deutsche Kulturstaatssekretärin Claudia Roth (Grüne) nannte das Attentat einen Angriff auf die Freiheit des Denkens. Dabei sei aber klar: Es klebe Blut an den Händen, nicht nur des Attentäters, „sondern auch und ganz besonders an denen des iranischen Regimes, das bis heute an der schrecklichen Fatwa gegen ihn festhält“.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Viele Personen, Unternehmen und Vereine sind auf Twitter aktiv. Sie schreiben Tweets mit wichtigen Infos über sich selbst. Ein solcher Tweet kann dadurch zu einer Nachrichten-Quelle für uns werden. Wir prüfen natürlich, ob das Profil und der Tweet echt sind. Ein Haken neben dem Profil bedeutet, dass es durch Twitter auf seine Echtheit geprüft wurde. Twitter ist ein in den USA gegründetes soziales Netzwerk und wird häufig von Politikern oder Journalisten genutzt.

Die ARD - das sind zehn öffentlich-rechtlichen Rundfunksender in Deutschland zusammen. Dazu gehören zum Beispiel der SWR (Südwestrundfunk), der BR (Bayrische Rundfunk) und der WDR (Westdeutscher Rundfunk). Die ARD-Journalisten berichten in Radio, Fernsehen, Internet und über Social Media, was in ihrer Region oder auch weltweit passiert. Außerdem gibt es Redaktionen für spezielle Themen zum Beispiel die Politik in Deutschland oder Gerichtsentscheidungen in Karlsruhe oder Sendungen wie Tagesschau oder Sportschau.

Zeitungen, Zeitschriften und Magazine - wie zum Beispiel Spiegel, Welt, Focus, Bild, Stuttgarter Zeitung, Backspin und GameStar - sind für uns auch Quellen. Das gilt besonders, wenn sie exklusive Informationen haben. Das heißt, sie haben durch ihre Recherche eine Nachricht herausgefunden und veröffentlicht. Immer wieder decken sie Skandale auf oder werten Statistiken und Daten aus.

STAND
AUTOR/IN
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)

Meistgelesen

  1. Das ändert sich jetzt alles Neu im Oktober: Mindestlohn, Gas, Maskenpflicht

    Neuer Monat, neue Regelungen: Was es ab Oktober für wichtige Änderungen gibt, haben wir hier für euch zusammengefasst.  mehr...

  2. Flut im Ahrtal Videos aus Hubschrauber setzen Innenminister Lewentz unter Druck

    Schockierende Videos der Polizei aus der Flutnacht im Ahrtal sind aufgetaucht. Die Öffentlichkeit darf sie noch nicht sehen. Nun wird ermittelt: Wer wusste wann von den Videos?  mehr...

    NOW SWR3

  3. Gasumlage ist vom Tisch Bundesregierung beschließt Gaspreisbremse

    Die Bundesregierung will die hohen Gaspreise durch Subventionen in Milliardenhöhe begrenzen. Verbraucher sollen außerdem nun doch nicht Gasimporteure bezuschussen.  mehr...

    PUSH SWR3

  4. Erst die Krim, jetzt weitere Regionen Annexion: Putin verkündet, dass Teile der Ukraine zu Russland zählen

    Russlands Präsident Putin glaubt wohl an Zaubertricks. Denn durch seine Unterschrift gehören ukrainische Gebiete für ihn plötzlich zu Russland. Doch das Ausland kritisiert das als völkerrechtswidrig.  mehr...

    PUSH SWR3

  5. Liveblog: Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen Ukraine stellt Antrag auf schnelleren Nato-Beitritt

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.  mehr...

  6. Patagonia-Gründer Yvon Chouinard Wer ist der Milliardär, der seine Firma verschenkt, um die Erde zu retten?

    Mit seiner Entscheidung sorgt er für Schlagzeilen: Der Gründer der Outdoor-Marke Patagonia hat das Unternehmen für den Umweltschutz gespendet.  mehr...

    NOW SWR3