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Patrick Schütz (Foto: SWR3)

Egal, ob mit Doppelpunkt, Sternchen oder Binnen-I – inzwischen wird vielerorts gegendert. Eine Studie zeigt, viele Deutsche finden es überflüssig. Was spricht dafür, was dagegen?

Ist Gendern sinnvoll oder einfach nur nervig? Psychologin Pia Kabitzsch von psychologeek hat sich mit dieser Frage beschäftigt und erklärt die Vor- und Nachteile.

Dass unser Sprachgebrauch unsere Gedanken beeinflusst, veranschaulicht sie anhand einer Geschichte aus der psychologischen Forschung:

Ein Vater sitzt mit seinem Sohn im Auto. Kurz bevor sie zu Hause sind, haben die beiden einen schweren Autounfall. Der Vater stirbt noch an der Unfallstelle, der Sohn wird mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht und muss sofort operiert werden. Die OP wird vorbereitet, alles ist fertig. Als der Arzt reinkommt sagt er: Ich kann dieses Kind nicht operieren – das ist mein Sohn. 

Wie kann das sein? Obwohl mit der Bezeichnung „Arzt“ sowohl Frauen als auch Männer gemeint sein können, denken viele erstmal an einen männlichen Arzt – in diesem Fall ist es aber eine Frau. Hier könnte Gendern helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Was ist das Ziel vom Gendern?

Es sollen alle Geschlechter angsprochen und einbezogen werden. Die Sprache soll für alle gerecht gemacht werden. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass das sogenannte generische Maskulinum, also die männliche Form von Wörtern, wie z.B. Psychologen, Schüler oder Studenten, beim Gendern nicht benutzt wird.  

Wie funktioniert Gendern? 

Im Deutschen hat man verschiedene Möglichkeiten zu gendern. Hier am Beispiel „Student“ erklärt:

  1. Möglichkeit: Einfach eine kurze Sprechpause zwischen dem „Student“ und dem „Innen“. Beim Schreiben kann man zwischen „Student“ und „Innen“ dann z.B ein Sternchen, einen Doppelpunkt oder einen Unterstrich setzen. Oder man schreibt das „I“ von Innen einfach groß.
  2. Möglichkeit: Einfach von „Studenten und Studentinnen“ (oder andersrum) sprechen.
  3. Möglichkeit: Die neutrale Form vom Wort benutzen und anstatt „Studenten“ „Studierende“ sagen bzw. schreiben. Das funktioniert allerdings nicht mit allen Wörtern. 

Wie wichtig ist es uns, zu gendern?

Eine aktuelle Meinungsumfrage mit über 2000 Teilnehmer*innen hat gezeigt, dass weniger als 30% der Deutschen gendern überhaupt wichtig finden. Über 70% haben gesagt, dass sie gendern für unwichtig halten oder, dass sie keine feste Meinung zu dem Thema haben.

Argumente gegen das Gendern  

1. Lesbarkeit und Verständlichkeit 

Gendergerechte Sprache kann die Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten verschlechtert werden. Texte werden länger, die Sonderzeichen im Wort stören und lenken vom eigentlichen Inhalt des Textes ab. 

2. Gendergerechte Sprache ist nicht immer barrierefrei 

Ein weiteres Problem ist, dass gendern nicht zu 100% barrierefrei ist. Lesebehinderte oder blinde Personen sind oft darauf angewiesen, dass ihnen ein Programm Texte vorliest. Das funktioniert bei Sonderzeichen nicht gut und schließt diese Gruppen daher zum Teil aus. Und genau das soll durch das Gendern ja eigentlich vermieden werden.

3. Betont die Rolle von Geschlechtern 

Häufig wird kritisiert, dass durch das Gendern die Rolle der Geschlechter erst recht betont wird. Dabei soll das durch das Gendern ja eigentlich vermieden werden: Es soll keine Rolle spielen, welches Geschlecht ich habe.  

Wissenschaftliche Studien zeigen allerdings, dass geschlechtergerechte Sprache ihren Teil zur Gleichberechtigung beitragen kann. Durch Sprache kann nämlich unser Denken und somit auch unser Verhalten verändert werden..

Argumente für das Gendern 

Studien zeigen: Sprache verändert unser Denken 

In einer Studie von 2015 wurden knapp 600 Grundschulkindern verschiedene Berufsbezeichnungen mit der passenden Beschreibung vorgelesen. Entweder wurden den Kindern die Berufe geschlechtergerecht, also in der männlichen und weiblichen Form vorgelesen, oder nur im generischen Maskulinum (z.B. Polizist). Die Kinder sollten dann sagen, ob sie sich vorstellen können, in dem Beruf mal zu arbeiten. Es hat sich gezeigt, dass Mädchen, denen die geschlechtergerechten Berufsbezeichnungen vorgelesen wurden, sich viel eher zugetraut haben, einen „typisch männlichen“, Beruf auszuüben, als Mädchen, denen nur das generische Maskulinum genannt wurde. 

Eine weitere Studie von 2013 mit insgesamt über 800 Schulkindern kam zu  ähnlichen Ergebnissen. In der Studie trauten sich Mädchen nicht nur eher zu, später auch Polizistin zu werden, sie haben diese „typischen männlichen“ Jobs auch als leichter erlernbar und weniger schwierig eingeschätzt, wenn bei der Berufsbezeichnung gegendert wurde.

„Gendern - nervig oder notwendig?“ – Das ganze Video von psychologeek

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