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#BlackLivesMatter, Ermittlungen gegen Polizisten, die rassistische Nachrichten in Chats austauschen – die Gesellschaft reagiert inzwischen aufmerksamer auf alltäglichen Rassismus. Nicht so ein Online-Shop für Faschingskostüme. Choreografin Nikeata Thompson hat die rassistischen Kostüme kritisiert.

„Buschmann“ lautet der Name des Kostüms, gefolgt von dieser Beschreibung: „Afrikaner-Kostüm als Overall in dunkelbraun, dazu Leoparden Slip und Riesenpenis – hängend.“

Kritik an der Karnevalskultur

„So sieht sie aus, unsere deutsche Karnevalskultur. [...] Was sich dort hinter verschlossenen Türen abspielt ist eine der primitivsten Formen den Rassismus zu unterstützen“, schreibt Nikeata Thompson auf Instagram, als sie auf das rassistische Kostüm im Shop des Online-Händlers „FunKauf“ aufmerksam macht. Nikeata Thompson ist Tänzerin und Choreografin, saß in diversen TV-Shows in Jurys und ist als Laufstegcoach bei Germany's next Topmodel bekannt.

So sieht sie aus, unsere deutsche Karnevalskultur. Und das seit vielen Jahren & Jahrzehnten. Tanzshows nennen die Vereine ihre Shows. Was sich dort hinter verschlossenen Türen abspielt ist eine der primitivsten Formen den Rassismus zu unterstützen. 
Kulturen und Hautfarben sind weder Lachnummern noch Kostüme! Bis heute, werde ich angehalten und mir wird gesagt, wie gut ich doch deutsch spreche. Wacht auf! Wir sind seit dem 18. Jahrhundert in Deutschland. 
Die Kostüme von Widmann die @otto_de in ihrem Shop vertreibt sind absolut unterirdisch, die Wortwahl ebenso. So wird eine Kultur als lächerliches Kostüm dargestellt und als Zitat: „BUSCHMANN: Afrikaner-Kostüm als Overall in dunkelbraun, dazu Leoparden Slip und Riesenpenis - hängend“ betitelt. Ich muss mir bis heute immer wieder anhören wie laut, primitiv, exotisch und wild wir seien.. das einzig wirklich primitive hier, sind die Menschen die ohne schlechtes Gewissen in jeglicher Form diese schreckliche ‚Tradition‘ beibehalten, sie weiterhin unterstützen und sich am Leid Anderer auch noch finanziell bereichern. 
Worum es hier geht ist schlicht und einfach Rassismus und kann nicht mit Bauchtanzkostümen oder Filmen verglichen werden. Hier wird sich nicht über eine fiktive Filmfigur lustig gemacht, oder sich als glitzernde, strahlende Tänzerin verkleidet. Mit diesen Kostümen wird Rassismus gelebt und gefördert. 
Als Kind war ich natürlich selbst beim Karneval in Köln. Dort diese Kostüme zu sehen war für mich sehr traumarisierend. Dadurch habe ich mich schon als Kind als hässlich und minderwertiger gesehen. Blackfacing hat eine Herkunft! @otto_de hat sich per Mail bei meinem Management gemeldet und ich werde mit Ihnen ins Gespräch gehen. 
Die Zusammenarbeit mit Widmann muss sofort beendet werden.

Thompson: Hautfarben sind keine Lachnummern

„Kulturen und Hautfarben sind weder Lachnummern noch Kostüme“, schreibt Thompson weiter – und bringt damit die Debatte um solche Verkleidungen und das Blackfacing auf den Punkt: Zur Belustigung und Unterhaltung werden rassistische Stereotype aufgegriffen, meist von Menschen weißer Hautfarbe. Das verstärke Rassismus, sagen Kritiker, und trage dazu bei, dass Menschen anderer Kulturen und Hautfarben als weniger Wert wahrgenommen werden.

Das von Thompson hervorgehobene Kostüm ist nicht mehr direkt in dem Shop zu finden. Dort finden sich auch vergleichbare Angebote. Bei manchen wird als Tipp gleich noch Blackfacing mitgeliefert, um das Kostüm zu komplettieren: „Fehlt nur noch das schwarze Make Up und die Afroperücke und fertig ist der Afrikaner.“

Über die Info-Hotline des Unternehmens wurde SWR3 auf Nachfrage mitgeteilt, man kenne Frau Thompson nicht. Es gehe auch nicht um Beleidigungen, Stereotype oder politische Botschaften. Es gehe um Verkleidungen, das sei Fasching. Es gebe ja auch Bayern, Chinesen oder Spanier als Kostüm.

Ähnlicher Fall bei großem Versandhändler

Ein ähnliches Kostüm hatte auch der Versandhändler Otto.de im Sortiment: eine Verkleidung als Jules Winnfield, Samuel L. Jacksons Rolle in dem Film „Pulp Fiction“ – für das Kostüm dargestellt von einem Mann, dessen Haut offensichtlich schwarz geschminkt wurde. Otto.de hat bereits reagiert und sich im Nachhinein für diese Produkte entschuldigt und sich von „jeglicher Art der Diskriminierung“ distanziert.

Konzerne distanzieren sich heutzutage gerne regelmäßig in Statements von Diskriminierung und Rassismus. Hier ein weiteres Beispiel. Hier geht es aber um mehr. Schlicht und einfach darum Rassismus zu fördern. Dass man sich von Taten im Nachhinein nicht distanzieren kann scheint vielen Konzernen immer noch nicht bewusst zu sein. @otto_de sollte sich anstatt sich hinter schnellen Aussagen zu verstecken, ausdrücklich und sofort von der Firma Widmann distanzieren, in dem die Zusammenarbeit beendet wird. Wer bewusst eine solche Zusammenarbeit aufrecht erhält, der fördert Rassismus und die Absicht nicht weiße Menschen als anders und wertloser darzustellen. Kulturen sind keine Kostüme. @otto_de gerne bin ich zu einem Gespräch bereit. Bitte kontaktiert hierzu mein Management.

Ein üblicher Schritt von Unternehmen nach Bekanntwerden solcher Probleme. Thompson genügt das nicht, sie fordert den Versandhändler auf, die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Kostümhersteller Widmann zu beenden.

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