STAND
AUTOR/IN
Carola Knape
Carola Knape (Foto: SWR3)

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 sterben bei dem verheerenden Hochwasser mehr als 130 Menschen. Sechs Monate später ist noch nichts wieder richtig normal – aber es wird langsam besser.

Wenn Touristen ins Ahrtal kommen, sagen sie oft: „Eigentlich sieht man gar nicht mehr so viel von der Flut“. Das ist allerdings nur der erste, schnelle- und unaufmerksame Blick. Denn tatsächlich sind die Spuren der Wassermassen noch an fast jedem Haus im Flutgebiet erkennbar. Es ist diese braune Linie, die zeigt, wie hoch das Wasser der Ahr in der Nacht vor einem halben Jahr stand.

Es gibt noch immer wahnsinnig viele Häuser, die mehr Ruine sind als Haus und nur auf den Abriss warten. Und noch immer ist für viele Menschen unklar, ob sie ihre Häuser überhaupt wieder aufbauen können oder sich einen ganz anderen Standort suchen müssen.

Er war direkt nach der Flutkatastrophe vor Ort. Und dann immer wieder. Zuletzt vor ein paar Tagen. Die Menschen im Ahrtal wollen sich nicht unterkriegen lassen, erzählt er. „Sie kämpfen sich Stück für Stück in Richtung Normalität. Aber dieser Kampf wird noch viele Jahre dauern“.

Altenburg

Bei den Menschen nach der Flut Katastrophe im Ahrtal: Flucht mit drei Kindern vor dem Wasser

Die Flut im Ahrtal nahm der Familie Gemein alles. Auch Monate nach der Katastrophe ist ihr Alltag noch weit von der Normalität entfernt.  mehr...

Trauma-Therapeutin Katharina Scharping arbeitet mit vielen Betroffenen vor Ort. Sie sagt, dass sich bei ihr jetzt, ein halbes Jahr danach, viel mehr Menschen melden.

In den ersten drei Monaten waren die Menschen damit beschäftigt, die Schäden an ihren Häusern und die Verluste zu bewältigen. Jetzt kommen die Leute zur Ruhe und fangen an zu spüren, was sie alles verloren haben oder wie viel Angst sie hatten. Dazu kommt dann die dunkle Jahreszeit.

Rheinland-Pfalz

Flutkatastrophe im Ahrtal Kachelmann: „Evakuierung hätte stattfinden müssen“

Mehrere Wetterexperten haben im Untersuchungsausschuss zur Flut im Ahrtal ausgesagt. Praktisch alle sagen: Das Ausmaß der kommenden Katastrophe hätte den Behörden klar sein müssen.  mehr...

Drei Viertel der Menschen entlang der Ahr wurden vom Hochwasser getroffen. Von den rund 4200 Gebäuden im Flutgebiet sind mehr als 70 Prozent beschädigt worden. In ihnen und an ihnen wurde im letzten halben Jahr unermüdlich gearbeitet. Oft haben sie jetzt neue Fenster und innen liegt frischer Estrich.

Auch auf den Straßen wurde monatelang gebuddelt. Viele haben inzwischen eine neue Asphaltschicht bekommen. Darunter wurden Versorgungsleitungen und auch Glasfaser neu verlegt. Aber auch hier ist noch lange nicht alles fertig.

Danke an alle Helfer auf einer zerstörten Hauswand (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Boris Roessler)
Boris Roessler

Ohne die vielen tausenden Helfer wäre man sowieso noch lange nicht so weit. Da sind sich die Betroffenen sicher. Monatelang sind jeden Tag hunderte Menschen aus ganz Deutschland ins Ahrtal gekommen. Viele haben sich extra Urlaub genommen, manche sogar ihren kompletten Jahresurlaub. Sie alle wollten helfen, mit anpacken. Einige sind auch jetzt – ein halbes Jahr danach – noch da.

Bis jetzt haben wir rund 100.000 freiwillige Helfer befördert

Ein großes Problem im Moment ist die Auszahlung der Hilfen und Spenden. Denn die werden wohl erst gezahlt, wenn klar ist, welche Schäden die Versicherungen übernehmen. Aber die zahlen oft nicht. Viele Betroffene haben sich deshalb einen Anwalt genommen. Markus Gerd Krämmer vertritt aktuell 60 Flutbetroffene. Bis auf zwei warten alle noch auf das Geld der Versicherungen.

Es gibt viele Versicherer, die fahren die ganz harte Linie. Die sagen tatsächlich – Du musst so wieder aufbauen wie es war. Wenn du meinst, du kannst so nicht mehr aufbauen, dann weise mir doch mal nach, was du jetzt anders machen musst – und das können die Mandanten jetzt noch nicht, weil die Vorschriften noch nicht veröffentlicht wurden.

Helmut Lussi ist der Bürgermeister von Schuld – einem Ort der von der Flut besonders schwer getroffen wurde. Auch wenn es nach einem halben Jahr noch lange nicht wieder so ist, wie es mal war. Lussi lässt sich wie so viele Menschen im Ahrtal nicht kleinkriegen: „Jede Katastrophe kann auch ein Fortschritt sein. In unserem Ort wird es bald schöner und besser sein.“

Meistgelesen

  1. Lauterbach blamiert: „Warum Grundrechte einschränken ohne Daten?“

    Klartext von Pfleger Ricardo Lange: Selbst Lauterbach tue nichts, um mehr Personal in die Pflege zu geben. „Wenn die Ursache nicht behoben sei, warum werden dann Grundrechte eingeschrenkt?“  mehr...

  2. Liveblog zum Krieg in der Ukraine Gouverneur von Donezk ruft zur Flucht auf

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen: Während die Welt den Einmarsch verurteilt, zerstören russische Truppen Städte und Infrastruktur. Alle Infos dazu.  mehr...

  3. Spanien, Italien, Kroatien, Griechenland... Trinkgeld im Urlaub: So machst du es richtig!

    Trinkgeld geben funktioniert überall gleich? Leider nein! Wir sagen euch, wie viel ihr in den beliebtesten Urlaubszielen bezahlen solltet und warum das so ist.  mehr...

  4. Bergsteiger waren in Südtirol unterwegs Nach Gletschersturz: Weitere Leiche in Lawine gefunden

    Mindestens sieben Menschen starben, als in Südtirol eine Lawine aus Eis, Schnee und Felsen ins Tal rollte. Nach bisherigem Stand waren auch zwei Deutsche in das Unglück verwickelt.  mehr...

  5. Tote am Unabhängigkeitstag Nach Schüssen bei Parade in Chicago: Weiteres Opfer gestorben

    Ein Mann hat bei einer Parade am Independence Day das Feuer eröffnet und sechs Menschen erschossen. Jetzt hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst.  mehr...

  6. Positiver Corona-Test 7 Fakten zum CT-Wert bei Omikron

    Bin ich mit einem CT-Wert von über 30 besonders ansteckend? Wie hängen Quarantäne und Isolation damit zusammen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum CT-Wert bei der Omikron-Variante.  mehr...