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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Die Spritpreise in Deutschland sind in den vergangenen Tagen massiv gestiegen. Die Rohölpreise sind zwischenzeitlich gesunken – warum hat sich das nicht wirklich an den Tankstellen bemerkbar gemacht?

Warum steigen die Spritpreise?

Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland war es ein Schock: Die Kraftstoffpreise kletterten in der vergangenen Woche erstmals über 2 Euro. Ein Grund: Der Krieg in der Ukraine. Russland ist das Land, von dem Deutschland am meisten Öl bezieht. Nach Daten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen kamen im Jahr 2021 insgesamt 27,7 Millionen Tonnen Rohöl aus Russland. Damit führt Russland die Tabelle an – zum Vergleich: Auf dem zweiten Platz liegen die USA, sie lieferten im selben Jahr 10,1 Millionen Tonnen an Deutschland. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks ist die Gesamtmenge an importiertem Öl seit 2005 gesunken – die Menge, die Deutschland aus Russland bezieht, sei aber mit etwa 30 Millionen Tonnen pro Jahr relativ konstant geblieben.

Noch erreicht das russische Öl Deutschland. Die Sorge um mögliche ausbleibende Lieferungen aus Russland ließen die Preise aber in die Höhe schnellen. Bisher gibt es kein Einfuhrverbot der Bundesregierung gegen russisches Öl. Laut dem Wirtschaftsverband Fuels and Energy e.V. seien die Ölpreise aber auch gestiegen, „weil die Unternehmen auf eigene Initiative den Import von Diesel und auch Rohöl aus Russland reduzieren, auch wenn keine Sanktionen verhängt sind.“ Beim Thema Diesel komme auch der Aspekt der Nachfrage hinzu: „Wir registrieren zurzeit beispielsweise eine deutliche höhere Nachfrage nach Diesel aus osteuropäischen Ländern, die teilweise auch von Deutschland aus bedient wird.“ Ein weiterer Grund ist laut Stefan Gerwens, Leiter Verkehr beim ADAC, das Thema Heizöl, das ähnlich hergestellt wird. Er sagte im Gespräch mit SWR Aktuell:

Hier ist es schon überraschend, dass viele Verbraucher jetzt auch in diese Hochpreis-Phase hinein Heizöl ordern, wohl in der Sorge, dass es im Jahresverlauf noch teurer wird. Aber das trägt natürlich ganz wesentlich dazu bei, dass Heizöl jetzt dreimal so teuer ist, wie vor einem Jahr und der Dieselmarkt ein ähnliches Produkt dann auch eben zu so hohen Preisen neigt.

Mittlerweile sind die Rohölpreise wieder gesunken, zuletzt stiegen sie wieder etwas an. Die Lage an den Tankstellen hat sich zwar etwas beruhigt – dennoch sind die Preise noch immer hoch. „Natürlich gibt es momentan durch den Krieg eine Sondersituation – aber in den Preisen an der Tankstelle ist derzeit noch viel Luft nach unten“, sagte ADAC Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht der Deutschen-Presse-Agentur. „Der aktuelle Rückgang muss weitergehen. Autofahrer können dies durch ihr Fahr- und Tankverhalten unterstützen.“

Hohe Preise an den Tankstellen – wer macht Gewinn?

Wegen sinkenden Ölpreisen und weiterhin hohen Spritpreisen sind die Mineralölkonzerne in der Kritik. So etwas sei aber keine Selteneheit, sagte Karen Pittel, Energie-Expertin am Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) am Donnerstag der Augsburger Allgemeinen. Bei einer weiter hohen Nachfrage am Markt könnten sich hohe Preise stabilisieren, „beispielsweise, weil die Abnehmer für die Zukunft noch höhere Preise erwarten“.

Dennoch ruft die aktuelle Situation das Bundeskartellamt auf den Plan – wohl auch auf Initiative von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck.

Es darf nicht sein, dass Unternehmen aus der jetzigen Situation unangemessene Gewinne schlagen. Wenn es dafür Hinweise geben sollte, etwa auch beim Vergleich mit den Preisbewegungen in anderen EU-Ländern, werden wir gesetzgeberische Maßnahmen vorbereiten, um dem Bundeskartellamt eine bessere Marktüberwachung bei den Kraftstoffen zu ermöglichen.

Das Bundeskartellamt teilt auf seiner Homepage mit:

Wir beobachten die Preisentwicklung an den Tankstellen fortlaufend und sehr aufmerksam. Aufgrund der geopolitischen Lage sind die Preise flächendeckend schockartig gestiegen. Wenn die Rohölpreise jetzt wieder sinken und die Tankstellenpreise dem nicht folgen oder sogar weiter steigen sollten, muss man sich das genau ansehen. Dazu gehören mehrere Marktstufen: vom Rohölmarkt über die Raffinerien und den Großhandel bis zu den Tankstellenbetreibern.

Wut über hohe Spritpreise entlädt sich eher direkt an den Zapfsäulen, bei den Tankstellenbetreibern. Der Preis wird aber maßgeblich an anderen Stelle beeinflusst – auch an Rohstoffbörsen. Beim sogenannten Terminmarkt geben Händlerinnen und Händler an, wann sie in der Zukunft welche Menge Rohöl kaufen. Also: Bei Unsicherheit im Bezug auf Lieferungen steigen die Preise. Natürlich spielen auch Kosten, die bei der Förderung von Öl entstehen, eine große Rolle. Hier ist auch die OPEC ein wichtiger Einflussfaktor, die Organisation erdölexportierender Länder. Die Opec regelt die Fördermengen – und versucht damit den Ölpreis zu beeinflussen. Und: Angebot und Nachfrage sind auch beim Ölpreis entscheidend.

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Die Bundesregierung diskutiert darüber, wie die Menschen an den Tankstellen entlastet werden können. So setzt sich der Spritpreis zusammen:

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Wann sinken die Spritpreise wieder?

Wann sich die Lage an den Tankstellen wieder beruhigt, hängt maßgeblich von den weiteren Entwicklungen im Ukraine-Krieg ab. Finanzminister Christian Lindner schließt aktuell ein Embargo für russisches Öl nicht aus. Die USA haben wegen des Ukraine-Krieges bereits einen Importstopp für russisches Öl verhängt. Auch Großbritannien kündigte diesen Schritt an. Die EU ist in der Frage gespalten, die Angst vor negativen wirtschaftlichen Folgen durch die Abhängigkeit von Russland ist groß. Bundeskanzler Olaf Scholz hat ein solches Embargo bisher zurückgewiesen.

Hier gibt es Tipps, wie du trotz hoher Spritpreise günstiger tanken kannst:

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