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Lea Kerpacs
Lea Kerpacs (Foto: SWR3)

Mineralölbestandteile im Essen? Bitte nicht. Leider aber doch, wie Stiftung Warentest jetzt festgestellt hat.

Stiftung Warentest vergleicht 25 Kartoffelsnacks

Bei Kartoffelchips scheiden sich die Geister: Welche Marke und welche Geschmacksrichtung bietet die optimale Kombination aus Crunch, Kartoffelnote und Gewürz? Stiftung Warentest hat sich jetzt darangesetzt, den beliebten Snack objektiv zu bewerten. Getestet wurden unter anderem der sensorische Eindruck (Geruch, Geschmack, Aussehen und Mundgefühl), die Fettqualität, Keimbelastung, Schadstoffbelastung des Produkts und die Recyclingfähigkeit der Verpackung. Um Gleiches mit Gleichem zu vergleichen, wurden die 25 Testprodukte in verschiedene Gruppen aufgeteilt: Tütenchips mit Paprikageschmack, Stapelchips und Kartoffelsnacks, die nicht als Chips durchgehen. Das Ergebnis: Viele sind gut, große Marken aber nicht unbedingt. Das Problem: Pflanzengifte, Mineralölbestandteile und Glycidol.

Glycidol in Kartoffelchips gefunden

Glycidol klingt für Laien nach nichts, das man gerne im Körper hat, und das stimmt auch: Es entsteht während der Raffination von Pflanzenfett bei 200 bis 300 Grad Celsius. Tests mit ähnlichen Stoffen haben gezeigt, dass sich bei zu hohen Konzentrationen Wucherungen in der Leber entwickeln können. Die Internationale Agentur für Krebsforschung schätzt Glycidol als wahrscheinlich krebserregend und erbgutschädigend ein. Die gute Nachricht: Keine Probe lag über dem zulässigen Grenzwert. Angst müssen wir beim Knabbern also nicht haben. Trotzdem hatten die Chips von Trafo und Pringles vergleichsweise hohe Werte an Glycidol in ihren Produkten. Andere Marken zeigen, dass auch weniger geht.

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Highlights anhören Stiftung Warentest: Kartoffelchips im Vergleich

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Janine Schlenker von der Stiftung Warentest erklärt im SWR3-Interview die Testergebnisse des Kartoffelsnack-Vergleichs.

Mosh: Mineralölbestandteile bei Pringles gefunden

Ja, Mineralölbestandteile. Klingt absurd, ist aber gar nicht so selten: Immer wieder werden solche Verunreinigungen in Lebensmitteln und Kosmetika gefunden. Die Vorstellung ist aber trotzdem unangenehm. Konkret geht es um Mosh, also gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe. Sie sind ein Produkt bei der Erdölraffinerie und haben eigentlich gar nichts mit Lebensmitteln zu tun: Mosh sind in manchen Druckerfarben und Maschinenölen enthalten. In Kontakt mit Lebensmitteln können sie bei der Produktion oder beispielsweise durch Recyclingverpackungen kommen, in denen noch Druckerfarbreste zurückgeblieben sind.

Weil sich die Kohlenwasserstoffe im Körper einlagern, spricht Foodwatch von der mengenmäßig größten Verunreinigung im menschlichen Körper. Es gelten deshalb auch strenge Grenzwerte, die hier nicht überschritten wurden. Trotzdem war die Belastung bei Pringles deutlich höher als bei fast allen anderen Testprodukten. So hoch, dass es ein Mangelhaft in der Kategorie Schadstoffbelastung gab. Stiftung Warentest hat Mosh erst kurze Zeit vorher auch bei Ferreros Nutella festgestellt:

Mineralölteile, Fett und Zucker Nutella fällt bei Ökotest mit Note 6 durch: Das sagt Ferrero dazu

Nutella landet bei Ökotest auf dem letzten Platz unter 21 getesteten Nuss-Nougat-Cremes. Hier lesen, was Hersteller Ferrero dazu sagt.

Für Stiftung Warentest ist klar: Wer in einer Kategorie nur ein Mangelhaft bekommt, darf in der allgemeinen Bewertung auch nicht darüber liegen. Trotzdem schneidet die getestete Pringles-Sorte in Teilen aber auch besser ab: Ein Sehr gut gibt es für die „Mikrobiologische Qualität“, also die Salmonellen- und Keimfreiheit. Gut war außerdem die Fettqualität. Für die Recyclingfähigkeit der Verpackung hat es mit der Note 3,5 gerade so noch für ein Befriedigend gereicht.

Auch andere Marken- und Bio-Chips im Test durchgefallen

Mit Denns und Trafo landen zwei Bio-Anbieter auf den letzten Plätzen. Bei beiden lag das an der Mangelhaft-Bewertung des Geschmacks: Denns' Denree Kartoffelchips riechen laut Testergebnis nach ranzigem Fett, Trafos Bio Organic Potato Chips & Paprika hätten unangenehm bitter geschmeckt. Bei Denns kommt außerdem noch eine hohe Schadstoffbelastung obendrauf.

Andere Markenchips, die die letzten Plätze belegen: Die getesteten Chipssorten von Kettle und Rob's weisen, wie Pringles, zu hohe Schadstoffwerte auf. Und dabei wirbt Rob's auf der Packung auch noch mit: „Chips wie sie sein sollten.“ Dass da noch deutlich Luft nach oben ist, zeigen die günstigeren Konkurrenten.

Diese Chips sind laut Stiftung Warentest unbedenklich

Als Testsieger nennt Stiftung Warentest die Chips Krosse Kerle. Bei den Snacks, die nicht direkt die Bezeichnung „Kartoffelchip“ tragen dürfen, liegen die Pombären ganz vorne. Bei den Stapelchips fahren Kunden mit den Hausmarken von Edeka und Rewe am besten und müssen nicht auf teure Marken zurückgreifen. Geschmacklich biete Aldi mit den Sun Snacks Chips das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

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