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AUTOR/IN
Svenja Maria Hirt
Svenja Maria Hirt (Foto: SWR3)
INTERVIEW
Nicola Müntefering

Samuel Koch wollte Wettkönig bei Wetten, dass..? werden, dann verletzte er sich. Seitdem sitzt er im Rollstuhl. Zehn Jahre ist das her. Thomas Gottschalk spricht im SWR3-Podcast Podschalk darüber.

Am 4. Dezember 2010 tritt Samuel Koch bei der ZDF-Unterhaltungssendung Wetten, dass..? auf. Seine Wette: Mit Sprungfederstelzen in vier Minuten mindestens drei von fünf auf ihn zufahrende Autos mit Saltos zu überspringen. Ursprünglich wollte Samuel Koch nur über einen Kleinwagen – wie einen Smart – springen. Schließlich wurde daraus ein Geländewagen.

Fünf Monate hatte er dafür trainiert. Der erste Sprung gelingt. Bei Nummer zwei bricht der Leistungssportler ab. Das folgende Auto nimmt er locker. Das Unvorstellbare passiert beim vierten Auto: Ausgerechnet beim niedrigsten und von seinem Vater perfekt gelenkten Fahrzeug, stürzt Koch mit dem Kopf auf die Dachkante und bleibt danach reglos auf dem harten Boden liegen.

Podschalk (Foto: SWR3)

Podschalk Lebenswege

Dauer

Gottschalk erzählt über den Abend vor dem Unfall

Thomas Gottschalk spricht im SWR3-Podcast Podschalk darüber: „Ich erinnere mich natürlich an diesen Moment, weil er ein einschneidender Moment in meiner Fernsehtätigkeit war und weil mir natürlich die ganze Unsinnigkeit meiner Unternehmungen – wenn sie mir nicht vorher aufgefallen wäre – spätestens da aufgefallen ist.

Warum muss ein Mensch den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen, nur weil er glaubte, bei mir auf Stelzen über Auto springen zu können? Aber das führt natürlich zu der Frage: Warum müssen Menschen auf Pferde steigen? Und warum müssen Menschen auf Berge steigen, um dann runterzufallen – sowohl von den Pferden als auch von den Bergen?“

Der Mensch ist in seiner ganzen Struktur von einer Unternehmenslust – die ihm nicht immer die besten Ergebnisse bringt.

Samuel Koch weiß nicht, wie es zu dem Unfall kommen konnte

Samuel Koch berichtet in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa: „Ich bin blöderweise innerhalb eines Sturzes gleich zweimal auf den Kopf gefallen.“ Was genau falsch lief, sei ihm bis heute ein Rätsel. Die Live-Übertragung wird abgebrochen. Thomas Gottschalk gibt nach mehr als zwei Jahrzehnten die Moderation infolge des Unglücks ab.

Samuel Koch und Thomas Gottschalk (Foto: picture alliance / ZB | Robert Schlesinger)
Samuel Koch sitzt 2012 anlässlich der Präsentation seines Buches „Samuel Koch – Zwei Leben“ neben dem Moderator Thomas Gottschalk. picture alliance / ZB | Robert Schlesinger

Im Podschalk erzählt Thomas Gottschalk, dass er sich noch an den Abend vor dieser Sendung erinnern kann: „Ich hab Samuel mit seinem Vater in der Bar getroffen. Das war nach der Generalprobe und er war unglaublich optimistisch, dass für ihn die Welt ab dem morgigen Tag anders aussehen würde. Damals haben 15 Millionen zugeschaut und am Montag über das gesprochen, was am Samstagabend im Fernsehen passierte. Die Zeiten sind vorbei. Samuel ist fest davon ausgegangen, dass man über ihn sprechen würde.

Und als ich dann bei der Probe am Samstagnachmittag gemerkt habe, dass das doch eine wackelige Angelegenheit ist, habe ich zu Samuel gesagt, lass diese großen Autos, und nimm nur diese Smarts. Er hat gesagt: 'Nee, das will er machen.' Und wer bin ich, ihm zu sagen, lass das?

Ich war dann auch in der Klinik, als er eingeliefert wurde. Und da wurde auch ein Mädchen eingeliefert, auch querschnittsgelähmt, die vom Pferd gefallen war. Und das war natürlich dann eine gewisse Relation zu dem, was da passiert ist. Also, man kann offensichtlich auch vom Küchenhocker fallen und querschnittsgelähmt sein. Also, das ist einfach eine Binsenweisheit.“

Die Schuld an dem „Wetten, dass..?“-Unfall

Auf die Frage der dpa, ob jemand Schuld an dem dramatischen Sturz hatte, antwortete Samuel Koch entschieden: „Ja, da mache ich schon jemanden verantwortlich – relativ uneingeschränkt mich.“ Er wolle sich nicht anmaßen, andere zu verurteilen. Er habe sich gut vorbereitet gefühlt: „Für mich war es aber nicht riskant, ich hätte das auch mit verbundenen Augen hingekriegt. Das war so sicher wie Straßenbahnfahren.“

Ich habe ein latent schlechtes Gewissen, weil ich ja irgendwie damit zu tun hatte. Aber kann mir nicht vorwerfen, dass ich unmittelbar Schuld daran hatte.

Thomas Gottschalk kritisiert Medienberichte

Von Seiten der Medien gab es immer so eine Nachfrage, ob wir denn jetzt Freunde fürs Leben sind. Na klar haben wir Kontakt. Aber es ist nicht so, dass wir uns nun in regelmäßigen Abständen immer wieder telefonisch vergewissern, wie es dem anderen geht.

Samuel hat sich offensichtlich auch sehr gut mit diesem Schicksal arrangiert. Abfinden kann man sich mit so etwas glaube ich auch nicht.

Im Podschalk zugeschaltet war Samuel Koch nicht, er hatte ein Seminar. Gottschalk kritisiert: „Es ist eine schmierlappige Beschäftigung der Medien mit diesem Thema, die natürlich immer gerne mich anrufen und Samuel anrufen und uns dann so ein bisschen ausspielen.

Dann fragen sie Samuel: „Fühlen Sie sich ein bisschen von ihm [Gottschalk] im Stich gelassen? Dann sagt er, nee eigentlich nicht. Und dann ist das eine Art von peinlicher Befragung, die natürlich nur eins zum Ziel hat: Da irgendwas hochzujazzen, was zehn Jahre her ist – und womit der Samuel fertig werden muss, der als einziger da wirklich daran trägt.“

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