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In Zeiten von Corona boomen Verschwörungsmythen, zum Beispiel „Corona ist eigentlich eine Biowaffe aus China“. Teilweise schicken sogar Freunde oder Familie diese Behauptungen über Gruppenchats oder teilen sie in den sozialen Netzwerken. Wir haben die Expertin gefragt, wie man damit am besten umgeht.

Tipp 1: Unter „vier Augen“ reden!

Katharina Nocun hat ein Buch über Verschwörungsmythen geschrieben. Im Interview mit SWR3 hat sie Tipps gegeben, wie man Menschen überzeugt, die diesen Behauptungen glauben.

Grundsätzlich gilt: Wenn man den anderen darauf anspricht, dass er ungeprüfte Behauptungen teilt, sollte man das im persönlichen Gespräch machen, d.h. unter vier Augen und nicht im großen Gruppenchat.

Der Grund ist, niemand möchte so gerne öffentlich zugeben, dass er unrecht hat. Das fühlt sich für viele Menschen wie ein Gesichtsverlust an. Im besten Fall redet man sogar nicht nur unter vier Augen, sondern auch im persönlichen Gespräch – nicht über Chat. Das geht natürlich nur, wenn man denjenigen auch persönlich kennt.

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Der Vorteil: In diesem Fall hat man auch die meiste Chance, den anderen zu überzeugen. Bei Freunden oder Familie sollte man deshalb nicht zu schnell aufgeben. Es lohnt sich, den anderen zum Nachdenken oder Umdenken anzuregen.

Tipp 2: Lieber EIN Argument als viele!

Im Gespräch sollte man sich auf ein gutes Argument konzentrieren, statt den anderen mit Fakten zu bombardieren. Wenn man gleich ganz viele Fakten anspricht, kann es sonst zum Bumerang-Effekt kommen: Der andere „macht zu“, verschließt sich also gegen die Argumente, weil er sich durch die vielen Argumente eingeengt oder sogar attackiert fühlt.

Besser ist: Vorher überlegen, was das eigene Hauptargument ist und dazu gezielt Fakten suchen.

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Tipp 3: Oft bringen Fragen mehr als Fakten

Wenn man merkt, dass der andere schon tief in einer Verschwörungstheorie gefangen ist, z.B. weil er glaubt, dass alle Politiker lügen oder alle Medien morgens einen Anruf vom Kanzleramt bekommen, bringt es nichts Faktenchecks zu teilen.

Katharina Nocun

Wenn jemand Fakten von offiziellen Stellen ganz generell genauso wie Recherchen von seriösen Medien misstraut, ist es am besten, Fragen zu stellen:

„Warum glaubst du denn, dass dieser YouTube-Kanal glaubwürdiger ist als beispielsweise die seriösen Medien?“ – „Warum glaubst du, dass alle Wissenschaftler lügen? Ist das nicht ganz schön weit hergeholt? Weil es müssten ja Millionen Menschen sein, die sich absprechen.“

Entscheidend ist, WIE man die Fragen stellt

Wichtig ist dabei, dass man die Fragen ruhig, sensibel und sachlich stellt, nicht wütend, herablassend oder abwertend. Das würde nur wieder dazu führen, dass der Gesprächspartner sich verschließt und noch mehr an seiner Theorie festhält.

Ziel ist es also nicht, dass der andere sofort einlenkt, sondern dass er über die Fragen und Antworten kritisch nachdenkt. Denn meistens sind die, die an Verschwörungstheorien glauben, kluge und kritische Menschen. Auslöser für ihre spekulative Theorie war zunächst eine ganz berechtigte Frage. Zum Beispiel ob Medien zu viel Macht haben oder die Politik stellenweise korrupt ist. Es kann sich also durchaus lohnen, den anderen sachlich nach Quellen und Belegen zu fragen.

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