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Wer im Winter mit vereisten Scheiben Auto fährt, der riskiert nicht nur einen Unfall, sondern mitunter auch eine Menge Geld. Wir haben fünf gute Tipps für euch, wie ihr das Auto fahrbereit kriegt.

5 gute Tipps für den eisfreien Start in den Tag

Fangen wir an mit den konstruktiven Tipps, also denen, die wirklich funktionieren und es morgens einfacher machen, das Auto von Eis zu befreien.

Tipp 1: Abdeckfolie fürs Auto

Günstig und fast immer die Garantie für eine freie Scheibe, deshalb der beste Tipp: die Abdeckfolie. Wer nicht kratzen will, sollte abends schon daran denken, die Folie anzubringen. Dann aber kann sie immer wieder gegen das Eis verwendet werden. Bei unserem Test hat sich Eis erst unter der Folie festgesetzt, als es wirklich hohe Minusgrade hatte. Und selbst dann ist es meist recht schnell entfernt, weil die Schicht eben doch dünner ist als wenn das Auto nicht abgedeckt wurde.

Folien gibt es im Internet schon ab 10 Euro, in vielen Discountern und Supermärkten im Wintersortiment und an jeder Tankstelle. Der Tipp aus dem SWR3-Verkehrszentrum: Immer erst die Scheibenwischer hochklappen und dann erst die Folie festklemmen, so hält sie richtig. Außerdem können die Wischblätter dann nicht festfrieren und kaputt gehen.

Die noch günstigere Alternative: Die Scheiben mit Pappkarton abdecken. Wer das mal gemacht hat, gibt vielleicht doch lieber ein paar Euro aus, denn der Pappkarton lässt sich nicht lückenlos befestigen und saugt außerdem die ganze Feuchtigkeit beim Auftauen ein. Das ist ein bisschen umständlich, im blödesten Fall friert der aufgeweichte Karton dann doch an der Scheibe fest. Aber wer es selbst ausprobieren mag, hat wenigstens eine gute Verwendung für den Karton, der sowieso nur in die Mülltonne wandern würde.

Tipp 2: Enteisungsspray

Erst die schlechte Nachricht: Autoscheiben-Enteiser ersetzen nicht komplett den Eiskratzer. Das Enteisungsspray löst die Eischicht, die dann mit dem Kratzer besser und schneller zu entfernen ist. Liegt eine Schneedecke auf dem Auto, muss diese erst einmal mit einem Besen weggemacht werden. Der Enteiser macht also nicht jeden morgendlichen Arbeitsaufwand hinfällig.

Dennoch: Wer nicht so stark Drücken muss beim Kratzen, schont auf Dauer seine Scheibe. Der ADAC jedenfalls warnt, dass zu heftiges Drücken des Eiskratzers zu Schäden führen kann – das liegt an kleinen Schmutzpartikeln, die sich auf der Scheibe sammeln können und unter dem Eiskratzer wie Schmirgelpapier funktionieren. Dann muss eventuell poliert werden.

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Insgesamt spart der Enteiser also Zeit und Energie, die ja gerade vor der Fahrt in die Arbeit viel wert sein kann. Er kann außerdem das Risiko wenigstens vermindern, die Scheibe zu verkratzen.

Der ADAC hat Enteiser getestet. Ein wichtiges Ergebnis: Keines der Produkte ist gesundheitsschädlich. Hier könnt ihr euch die Ergebnisse anschauen und gucken, welcher Enteiser in Sachen Preis und Leistung am besten abschneidet.

Tipp 3: Autoentfeuchter

Ein Problem, das oft unterschätzt wird: Feuchtigkeit im Auto. Wenn sich Feuchtigkeit im Innenraum des Wagens sammelt, beschlagen die Scheiben und gefrieren auch von innen. Das macht das morgendliche Kratzen nahezu unmöglich, die Eisschicht fängt sich in der Wölbung der Scheibe und ist kaum zu lösen. Dazu kommt: Selbst wenn das Auto von außen freigekratzt ist, beschlägt die Scheibe wieder von innen. Ein Unfallrisiko, wie viele Experten betonen. Auf Dauer kann die Feuchtigkeit im Auto außerdem Rost und Schimmel auslösen, wie der ADAC anmerkt.

Nun lässt es sich aber kaum vermeiden, in den Wintermonaten Feuchtigkeit ins Auto zu schleppen – über Regenschirme, Schuhe und Schnee auf der Jacke. Ein Grund für ein feuchtes Auto können außerdem undichte Stellen an Türen, Fenstern oder Heckklappen sein. Wer Langstrecken fährt, kann das Auto über die Heizung wieder trocknen, Kurzstreckenfahrer haben es schwerer.

Wichtig ist, erst einmal das Problem zu finden. Ist der Grund für die Feuchtigkeit eine undichte Stelle, sollten die Isolierungen ausgetauscht werden. Kommt die Feuchtigkeit vor allem über Kleidung und reingeschleppten Schnee, kann es helfen, beispielsweise bei den Fußmatten von Stoff auf Gummi zu wechseln oder sie zum Trocknen zwischendurch in die Wohnung zu holen. Experten empfehlen darüber hinaus insbesondere für Kurzstreckenfahrer den Auto-Entfeuchter. Es gibt unterschiedliche Modelle mit variierender Füllung, sie alle sollen die Feuchtigkeit aus dem Wagen anziehen und speichern, so dass sie sich im Kissen und eben nicht an den Scheiben sammelt.

Mehrere Verbraucherportale haben Auto-Entfeuchter getestet, beispielsweise Bußgeldkatalog oder 1a-Tests. Sie sind ab 10 Euro erhältlich. Die meisten Portale empfehlen, beim Kauf vor allem auf die maximale Feuchtigkeitsaufnahme zu achten – also darauf, wie viel Flüssigkeit sie absorbieren können. Außerdem wird bei anhaltenden Wasser-Problemen häufig dazu geraten, mehrere Kissen an unterschiedlichen Stellen im Auto zu verteilen.

Tipp 4: Türschloss-Enteiser und Vaseline für die Tür

Wenn ihr vergesst, euch rechtzeitig einen Türschloss-Enteiser zu besorgen, dann bringt euch auch der beste Eiskratzer im Auto nichts – deshalb den Enteiser immer in die Tasche stecken. Der Tipp aus dem SWR3-Verkehrszentrum: Die Türdichtungen mit Vaseline oder Talkum einschmieren, dann geht die Tür auch ohne Gewalt auf.

Tipp 5: Bewusste Parkplatzsuche

Wer die Möglichkeit hat, sich einen Stellplatz auszusuchen, kann bei geringen Minusgraden versuchen, möglichst dicht im Schutz einer Mauer zu parken. Denn: Der Grund für Eisbildung auf den Scheiben ist, dass ein frisch im Freien geparktes Auto noch Energie ausstrahlt, die aber über Nacht verloren geht. Das Auto kühlt ab, der Wasserdampf in der Luft schlägt sich auf den Scheiben nieder, bei Minusgraden bildet sich Eis. Wenn der Wagen an einer Mauer abgestellt ist, kühlt er nicht so stark ab. Zumindest an der Mauerseite bildet sich nicht so schnell Eis.

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5 schlechte Tipps, die ihr besser nicht ausprobieren solltet

Weiter geht's mit den Tipps, die man häufig im Internet findet oder vielleicht schon mal von Freunden gehört hat, die aber wirklich nicht empfehlenswert sind.

Tipp 1: CD-Hülle oder Scheckkarte als Kratzer

Keinen Kratzer zur Hand, aber eine Scheckkarte im Geldbeutel oder eine alte CD im Auto rumliegen? Keine gut Idee, sagen unsere Experten des SWR3-Verkehrszentrums. Die können richtig schnell böse Kratzer in der Scheibe verursachen.

Tipp 2: Scheibe mit Zwiebeln einreiben

...klingt nach einer ökologisch großartigen Möglichkeit, die Scheibe freizukriegen und die Reste vom gestrigen Salat zu verwerten. Es funktioniert nur leider nicht. Wer diesen Tipp in Internetforen findet und brav abends mit einer halben Zwiebel die Scheibe massiert, hat am nächsten Morgen gefrorene Zwiebelreste auf dem Auto – nicht mehr und nicht weniger. Wir haben es ausprobiert, es war nicht schön.

Tipp 3: Heißes Wasser drüber schütten

Wasser über das Auto zu schütten, ist immer noch ein gern genannter Tipp. Es soll auch schon funktioniert haben, ohne dass die Scheibe des Auto danach gesprungen ist. Stellt sich nur die Frage: Wenn es neunmal funktioniert und beim zehnten Mal die Scheibe dahin ist – sollte man es dann wirklich weiterempfehlen? Jeder Experte jedenfalls rät davon ab, zumal sich so ein Schaden (weil: fahrlässig) schwer über die Versicherung abwickeln lässt.

Tipp 4: Spiritus aufsprühen

...wird oft empfohlen, kann bei niedrigen Minusgraden auch scheinbar gut funktionieren. Das Problem: Wenn es richtig kalt ist, kann der Spiritus an der kalten Scheibe innerhalb einer Sekunde regenbogenartig festfrieren, bildet eine Eisblume auf der Scheibe und versperrt damit völlig unvorhergesehen jegliche Sicht. Absolutes Unfallrisiko! Dazu kommt, dass der Spiritus laut Experten Dichtungen und Gummi angreift – auf Dauer also ein teurer Spaß.

Tipp 5: Motor warmlaufen lassen

In der Straßenverkehrsordnung (StVo) und im Landes-Immissionsschutzgesetz ist klar geregelt, was man darf und was man nicht darf – durch Abgase die Umwelt unnötig zu verschmutzen gehört zu den Dingen, die man nicht darf. Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten.

Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen und Fahrzeugtüren übermäßig laut zu schließen.

§ 30 Umweltschutz, Sonn- und Feiertagsfahrverbot, Absatz 1 (StVo)

Und auch wenn sicherlich schon Viele es einmal gemacht haben: Den Motor laufen zu lassen, um sich das Eiskratzen zu sparen ist durchaus „unnötig“. Die Ordnungswidrigkeit der unnötigen Abgasbelästigung kostet laut Bußgeldkatalog 10 Euro.

Freie Sicht ist gesetzlich vorgeschrieben
Eiskratzen; Foto: dpa/picture-alliance

Einfach nur ein kleines Sichtfenster freikratzen genügt nicht.

dpa/picture-alliance

Eine freie Sicht beugt aber nicht nur einem Unfall vor, sondern spart mitunter auch eine Menge Geld. Denn wer im Winter mit vereisten Scheiben fährt, riskiert zumindest einmal ein Bußgeld. Das gilt übrigens auch für alle Faulpelze, die sich nur eine kleines Sichtfenster auf der Fahrerseite freikratzen.

Wenn die Temperaturen wieder fallen, so wie jetzt, heißt es für viele: morgens früher aufstehen. Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, die Kinder in die Schule bringt oder Besorgungen machen will, der muss kratzen. Vereiste Scheiben sind für viele eine nervige Angelegenheit, aber hier muss man sorgfältig sein. Einfach nur ein kleines Sichtfenster frei kratzen, weil es schnell gehen muss oder der nächste Halt nur um die Ecke liegt – das sollte man nicht riskieren.

In der Straßenverkehrsordnung ist festgelegt, dass jeder Autofahrer für freie Sicht sorgen muss. Die Sicht darf nicht durch die Ladung oder den Zustand des Kraftfahrzeugs beeinträchtigt werden. Die Verkehrssicherheit darf nicht leiden. Das heißt im Winter dann: Scheiben frei kratzen. Auch die Außenspiegel.

Bußgeld; Foto: dpa/picture-alliance

Wer Scheiben und Spiegel nicht ausreichend freikratzt muss nicht nur mit einem Bußgeld rechnen. Im Falle eines Unfalls kann es richtig teuer werden.

dpa/picture-alliance

Zehn Euro Bußgeld

Wenn die Polizei einen Autofahrer anhält, der eine dreckige oder vereiste Scheibe hat, kann ein Bußgeld fällig werden. Zwar sind das nur zehn Euro. Aber wenn ein Unfall passiert, kann es teuer werden.

Mitschuld am Unfall

Wenn ein Autofahrer etwas übersieht, weil die Scheibe vereist oder beschlagen ist, kann ihn eine Mitschuld am Unfall treffen. Dazu muss die freie Sicht nach vorne nicht unbedingt etwas mit dem Unfall zu tun haben, denn: Ein Unfall hat auch oft viele Ursachen. Muss der Fahrer abrupt bremsen, weil er ein Hindernis wegen schlechter Sicht zu spät bemerkt und fährt ihm jemand hinten drauf, kann ihn eine Mitschuld treffen. Dann müssen die Kosten unter Umständen geteilt werden.

Wenn ein Autofahrer etwas übersieht, weil die Scheibe vereist oder beschlagen ist, kann ihn eine Mitschuld am Unfall treffen. Hier kommt es immer auf die konkrete Situation an. Wenn dem Fahrer mit der vereisten Scheibe jemand hinten drauf fährt, hat die freie Sicht nach vorn nicht unbedingt etwas mit dem Unfall zu tun. Aber: Ein Unfall hat auch oft viele Ursachen. Muss der Fahrer abrupt bremsen, weil er ein Hindernis wegen schlechter Sicht zu spät bemerkt und fährt ihm jemand hinten drauf, kann ihn eine Mitschuld treffen. Dann müssen die Kosten unter Umständen geteilt werden.

Strafrechtliche Konsequenzen können drohen 

Übersieht der Autofahrer wegen vereister Scheiben ein Hindernis und es kommt zum Unfall, können sogar strafrechtliche Konsequenzen drohen. Wenn ein Mensch hier zu Schaden kommt, kann sich der Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung strafbar machen, im schlimmsten Fall sogar wegen fahrlässiger Tötung. Hier kann eine Geld- oder Haftstrafe drohen.

Sicher durch den Winter

Sommerrreifen; Foto: dpa/picture-alliance

Nicht nur alle die ihre Scheiben nicht ausreichen freikratzen müssen mit einem Bußgeld rechnen. Auch wer im Winter mit Sommerreifen unterwegs ist muss mit einem Bußgeld rechnen.

dpa/picture-alliance

Wer sicher durch den Winter kommen will und Bußgelder vermeiden möchte, muss nicht nur die Scheibe frei kratzen.

Es kann zwischen 60 und 100 Euro kosten, wenn ein Autofahrer bei schneebedeckten Straßen mit Sommerreifen unterwegs ist. Hier müssen Winterreifen aufgezogen werden. Wer den Motor vor Beginn der Fahrt warmlaufen lässt und erwischt wird, muss zehn Euro Bußgeld zahlen. Das ist eine unzulässige Lärmbelästigung und belastet die Umwelt. Bei einem schneebedeckten Nummernschild droht ein Bußgeld von fünf Euro.