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Stefanie Peyk
Susanne Henn
ONLINEFASSUNG
Sandra Tiersch
Tamara Trunk

Rund 30 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr im Dezember verkauft – und im Januar weggeworfen. Einige Händler bieten auch Online-Bestellungen an. Wie nachhaltig ist das und welche Alternativen gibt es?

In der Corona-Pandemie boomt der Online-Handel – viele Menschen ziehen nun auch den Kauf von Christbäumen über Online-Shops von Baumärkten und Supermarktketten in Betracht. Wie umweltfreundlich das ist, wenn wir unsere Weihnachtsbäume online kaufen, erklärt Stefanie Peyk aus der SWR-Umweltredaktion.

Bäume sollten einen möglichst kurzen Weg haben

Eine große Rolle spielt der Transportweg – denn der verursacht klimaschädliches CO2. Den sollte ich also klein halten und nach Möglichkeit Bäume aus der Region kaufen. Das ist klimafreundlicher als wenn die Bäume über Hunderte Kilometer durch die Gegend gefahren wurden. Viele Weihnachtsbäume, die online angeboten werden, sind aber nicht um die Ecke gewachsen. Woher genau sie kommen, ist nicht immer leicht herauszufinden. Stefanie Peyk aus der SWR-Umweltredaktion hat erlebt, dass die Bestell-Hotline was anderes behauptet als auf der Website steht. Aber oft werden die gängigen Anbaugebiete genannt: Nordrhein-Westfalen, Norddeutschland und Dänemark – mitunter können die Bäume also einen recht weiten Weg hinter sich haben, bis sie dann im Wohnzimmer stehen.

Weihnachtsbäume aus dem Online-Handel nicht immer klimaschädlich

Weihnachtsbäume im Straßenverkauf müssen ja auch nicht unbedingt aus der Region stammen – da lohnt es sich nachzufragen. Wenn Bäume aus derselben norddeutschen Plantage sowohl online angeboten werden als auch in meiner Umgebung im Straßenverkauf, dann machen die letzten Kilometer bis zur Haustür den Unterschied. Und falls ein Lieferant die Fuhren wirtschaftlich zusammenstellt und erst fährt, wenn genug Leute bestellt haben, dann dürfte das klimafreundlicher sein als wenn x Haushalte einzeln mit dem eigenen Auto zum Straßenverkauf hin- und zurückfahren, schätzt ein Experte für Umweltfolgen des Online-Handels. Vorsichtig sollte man bei einem Wunsch-Lieferterminen sein. Da muss der Lieferant dann unter Umständen halb leer fahren – schlecht für den ökologischen Rucksack.

Anbau von Bäumen aus dem Onlinehandel oft nicht transparent

Leider sind die Angaben auf den Websites oft nebulös oder fehlen ganz. Im Zweifel ist damit zu rechnen, dass die Bäume von ganz normalen konventionell bewirtschafteten Weihnachtsbaumplantagen stammen. Umweltverbände wie der NABU oder der BUND warnen: Das bedeute dann auch, dass gespritzt und mit Mineraldünger gedüngt wird. Ökologischer seien Weihnachtsbäume mit dem FSC-Siegel oder mit Biosiegel. Das ist aber eine kleine Nische – das gilt auch für den Online-Handel.

Zurückschicken von Online-Baum nicht möglich

Was, wenn der bestellte Baum nicht gefällt? Einfach zurückschicken? Peyk hat keinen Anbieter gefunden, der sich auf so etwas einlassen würde. Aber immerhin: Im Internet gibt es einen Anbauer von Bioland-Bäumen, der Fotos von all seinen Bäumen auf seine Website stellt. Dann kann man auswählen, welchen Baum man will – und genau der wird geschlagen und verschickt.

Egal wie man an den Baum kommt, die Kritik bleibt.Trotzdem bleibt die Ktitik, dass sie weggeworfen werden.

An der herkömmlichen Weihnachtsbaum-Tradition wird kritisiert, dass sie nach dem Gebrauch einfach weggeworfen werden – und vorher 10 bis 12 Jahre wachsen mussten, bis sie ihre Weihnachtsbaumgröße erreicht haben.

Die Bäume, die in den großen Städten auf zentralen Plätzen aufgestellt werden, sind noch viel höher: Die Weißtanne in Stuttgart etwa misst in diesem Jahr 21 Meter und ist ungefähr 65 Jahre alt.

Auch Weihnachtsbäume sind wichtige CO2-Speicher

Denn so ein Baum hat im Laufe seines Lebens eine Menge des Klimagases CO2 gespeichert, schätzungsweise etwa eine halbe Tonne. Und er hätte noch mehr gespeichert, wenn man ihn gelassen hätte. Das gilt natürlich für alle Weihnachtsbäume, egal wie groß und alt sie sind. Natürlich werden neue Bäume nachgepflanzt, aber diese Setzlinge binden vor allem in den ersten Jahren kaum CO2, erst wenn sie mehr Masse haben, nutzen sie dem Klima.

Pestizideinsatz auf Weihnachtsbaumplantagen

Weihnachtsbaumplantage (Foto: imago images / epd)
imago images / epd

Die Bäume werden meist in Plantagen angepflanzt und da von Anfang an klar ist, dass sie am Ende schön aussehen müssen, um als Weihnachtsbaum gekauft zu werden, wird eingegriffen. Das heißt: Schädlinge und Unkraut werden mit Pestiziden und Insektiziden bekämpft. Die Mengen sind zwar nicht so groß wie in der Landwirtschaft, trotzdem ist das weder gut für den Boden, noch fürs Grundwasser und auch nicht für uns, wenn wir die Bäume ins Wohnzimmer stellen.

Es gibt aber auch – wie bei fast allen Produkten – die Öko-Variante. Nach der muss man manchmal ein bisschen suchen. Bei der Umweltorganisation Robin Wood e.V. gibt es eine Liste mit Verkaufstellen von Öko-Weihnachtsbäumen in Deutschland.

Der Weihnachtsbaum ist so etwas wie ein Salat oder Kohlkopf. Das ist ein landwirtschaftliches Produkt, das kann man genießen. Schön wäre, wenn das Ding ein Zertifikat hat und dann stellt man sich das rein.

Und dann ab auf den Müll

weggeworfener Weihnachtsbaum (Foto: imago images / Stefan Zeitz)
imago images / Stefan Zeitz

Wenn die Weihnachtsbäume Anfang Januar ihre Pflicht erfüllt haben, werden sie zum allergrößten Teil geschreddert und kompostiert oder in Biomassekraftwerken eingesetzt. Dann setzen sie das CO2 wieder frei, das sie zuvor gespeichert haben. Das nennt man zwar klimaneutral, aber das ist in dem Fall ein wenig Schönfärberei, denn eigentlich hätte man diese ganzen Bäume gar nicht fällen müssen – sie waren ja kerngesund.

Nur wenige Alternativen für den echten Tannenbaum

Sich aber gar keinen Weihnachtsbaum zu kaufen, ist für die meisten Menschen auch keine Option. Und es ist auch keine wirklich gute Idee, sich einen Weihnachtsbaum aus Plastik zu kaufen. Der hat zwar gewissen Ähnlichkeit mit einem echten und man kann ihn auch jahrelang benutzen, aber er ist aus vielen verschiedenen Kunststoffen zusammengesetzt und wenn er dann mal entsorgt werden muss, macht er all die Probleme, die Plastik macht.

Es gibt auch Alternativen aus Holz, die sind deutlich nachhaltiger, haben aber wenig Ähnlichkeit mit einem echten Baum.

Weihnachtsbaum mieten: nachhaltig aber teuer

Und wer auf echtes Grün nicht verzichten möchte, der kann sich einen Baum mit Ballen kaufen und ihn nachher in den Garten pflanzen, in der Hoffnung, dass er anwächst. Allerdings braucht man dafür erst einmal einen Garten und außerdem kann man das nicht jedes Jahr machen, sonst ist der Garten bald voll.

Eine andere Möglichkeit ist ein sogenannter „Leihbaum“: Da wird ein Baum mit Ballen im Topf geliefert und nach dem Fest wieder abgeholt und – so das Versprechen – darf dann weiterwachsen. Aber das setzt voraus, dass man sich während der Leihzeit gut kümmert, den Baum gießt.

Außerdem ist der Spaß nicht ganz günstig – je nach Größe kostet er zwischen 50 und 100 Euro. Nachhaltig ist das auch nur, wenn der Baum aus der Nähe kommt und nicht durch ganz Deutschland gefahren wird. Der Markt für Mietweihnachtsbäume steckt noch in den Kinderschuhen, es gibt nur wenige Anbieter – aber einer davon sitzt beispielsweise in Mainz.

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