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Nicht nur in Australien brennt es. Momentan ist im Amazonasgebiet zwar Regenzeit, aber von Juli bis September gab es auch dort große Waldbrände. Inzwischen hört man kaum mehr davon. Was ist daraus geworden? Wir haben mit ARD-Korrespondent Ivo Marusczyk in Buenos Aires gesprochen.

Die Regenzeit hat die Brände im Amazonasgebiet zwar gelöscht, doch neue Daten bestätigen den verheerenden Eindruck. In Brasilien sind im Vegetationsjahr 2018/2019 an die 10.000 Quadratkilometer Wald vernichtet worden – das entspricht in etwa einer mittelgroßen Mittelmeerinsel wie Kreta. Die Zahlen wurden vom brasilianischen Institut für Weltraumforschung vorgelegt. „Inzwischen ist einiges wieder grün, aber es ist schon ziemlich viel zerstört worden“, so der ARD-Korrespondent. „Wenn man sich die Luftbilder der NASA anschaut, da sieht man wie sich immer mehr Schneisen in diesen Regenwald hineinfressen. Man kann leider inzwischen zuschauen, wie dieser Regenwald vernichtet wird.“

Die Karte zeigt aktive Brände in Brasilien, wie sie von Terra und Aqua MODIS vom 15. bis 22. August 2019 beobachtet wurden.; Foto: dpa/picture-alliance.de / NASA

Die Karte zeigt aktive Brände in Brasilien, wie sie von Terra und Aqua MODIS vom 15. bis 22. August 2019 beobachtet wurden.

dpa/picture-alliance.de / NASA

„Die Wälder sind dazu da, dass wir sie ausbeuten!“

Anders als in Australien, werden die Brände im Amazonasgebiet allerdings bewusst gelegt, um Regenwald abzuholzen. Sie haben nichts mit dem Klimawandel zu tun.

„Die Wälder sind dazu da, dass wir sie ausbeuten!“ So soll es die Regierung unter Präsident Bolsonaro gesagt haben. Wer ein Stück Land roden oder ein Feuer legen will, der hätte nichts zu befürchten. Fürchten muss sich allerdings immer mehr der Regenwald. Die Abholzung in Brasilien hat drastisch zugenommen. Das Institut für Weltraumforschung hat Daten für das gesamte Jahr vorgelegt und nach dieser Auswertung hat sich die Zahl der Brand-Alarme im Amazonasgebiet fast verdoppelt. „Im Moment ist zwar alles gelöscht, das sah im Juli, August, September aber noch ganz anders aus“, sagt Ivo Marusczyk im SWR3-Gespräch.

NASA-Livestream der Erde

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Welche Tierarten sind bedroht?

Laut Marusczyk gäbe es darüber keine Schätzungen. „Die Brände waren nicht so groß und es gab auch keine so Feuerwalzen wie in Australien. Deswegen gehe ich davon aus, dass die meisten Tiere im Amazonas noch flüchten konnten.“ Schlimme Bilder von verbrannten Tieren würden also fehlen, aber die Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem, die seien einfach dramatisch. „Es wird immer mehr von diesem Regenwald zerstört, vergiftet.“ Ein Problem, das man gar nicht so sieht, seien unter anderem die Goldsucher. „Ich war in einer Goldsucherstadt und es ist gigantisch, was die für Mondlandschaften anrichten und den ganzen Wald vergiften, weil sie mit Quecksilber arbeiten. Das richtet große Schäden an.“

Die Welt brennt – ist der Klimawandel schuld?

Gelder für den Amazonas

Es gibt einen großen Amazonasfond, an dem vor allem Norwegen beteiligt ist, aber auch Deutschland hat einige Millionen dazu beigesteuert. „Bolsonaro will allerdings keine Hilfe von anderen Ländern aus dem Ausland“, sagt Ivo Marusczyk. Die Gelder seien also vorerst eingefroren worden, weil die deutsche Bundesregierung gesagt hat: 'Mit dieser Regierung können wir nicht zusammenarbeiten, die wollen den Wald ja gar nicht schützen, die wollen den Wald immer weiter ausbeuten und wir wollen denen kein Geld dafür geben, dass die neue Straßen in den Wald schlagen.'

Wie geht es weiter, was kann passieren?

„Ich glaube, dass es dieses Jahr wieder die gleichen schlimmen Bilder geben wird, weil die Regierung sagt: 'Die Wälder gehören uns, wir wollen uns von niemandem reinreden lassen, vor allem nicht von den Europäern, die ihre eigenen Wälder längst abgeholzt haben.' Es wird genauso weitergehen mit der Waldzerstörung, weil sich an der Politik nichts geändert hat.“