Tierdokus – toll, kann man machen. Aber die Dokufilmer-Brüder Weinert zeigen lieber die harte Realität weltweit: den Slum in Manila oder das Rebellendorf im Kongo. SWR3-Moderatorin Regina Beck hat mit den beiden Jungs über ihre teils echt gefährlichen Projekte gesprochen.

Die Brüder Dennis (24) und Patrick (22) Weinert sitzen in Bangkok in einem winzigen Hotelzimmer. „Wir planen gerade unsere nächste Reise und recherchieren für unser nächstes Filmprojekt“, erzählen die beiden. Dennis und Patrick gehen mit ihrer Kamera dorthin, wo sonst niemand hin will. In die Slums von Manila, in Rebellendörfer im Kongo, in Bordelle in Dubai. Sie berichten in ihren Doku-Filmen über Menschenhandel, Armut und Gewalt – auf eigene Faust, ohne eine Organisation oder ein Medienunternehmen im Rücken. Nicht ganz ungefährlich, vor allem weil sie oft mit versteckter Kamera drehen.

Manila Slum; Foto: WeinertBrothers
WeinertBrothers

Filmen statt Abi und Studium

Vor drei Jahren haben Dennis und Patrick ihren Eltern eröffnet, dass sie Schule und Studium schmeißen wollen. Patrick stand kurz vor dem Abi, Dennis hatte gerade ein Jahr Studium hinter sich. Ihr Plan: Filmen und fotografieren. „Wir wollten einfach das tun, was wir von Kind auf immer gemacht haben und damit unser Geld verdienen. Es war ein harter Kampf mit unseren Eltern, aber schlussendlich haben sie uns vertraut.“

Der Start: eher traditionell mit kleinen Aufträgen aus der Werbung. Sie fotografieren und filmen Schmuck oder Pflegeprodukte. Mit dem, was sie da verdienen reisen sie auf die Philippinen. Aber nicht auf die kleinen Inseln, an den Strand. Ihre Reise geht in die Slums von Manila, wo die Menschen in Hütten aus Pappe und Wellblech wohnen, die Kinder im Müll nach Essen suchen.

KidsSlum; Foto: WeinertBrothers
WeinertBrothers

Mit versteckter Kamera im Bordell

In diese Viertel trauen sich nicht mal die Taxifahrer rein, Gewalt und Raubüberfälle sind hier Alltag. „Es war das erste Mal, dass wir so eine Armut erlebt haben. Diese Erfahrung hat uns richtig mitgenommen“, erzählt Dennis.

„Wenn wir morgens zum Dreh losgefahren sind, haben mir richtig die Knie gezittert. Wir wussten einfach nicht, was uns erwartet. Für eine Kamera wird in den Slums auch schon mal jemand umgebracht.“

Als der Film fertig ist, und sie ihn auf Youtube gestellt haben, wissen Dennis und Patrick: wir haben unsere Aufgabe gefunden. Ein Zurück in die Werbebranche können sich beide nicht mehr vorstellen. Ihr Ziel: filmen und zeigen, was viele lieber ausblenden – Unterdrückung, Gewalt und Armut. „Klar, unsere Eltern haben schon Angst um uns. Als wir in Dubai in Sachen Menschenhandel mit versteckter Kamera in einem Bordell gefilmt haben, hat unser Vater gefragt, ob das jetzt wirklich sein muss. Aber wir haben ja inzwischen auch ein bisschen Erfahrung und unseren Eltern erzählen wir dann erst hinterher, was wir gemacht haben“.