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Kira Urschinger
Kira Urschinger (Foto: SWR3)
Mirja Raff
Mirja Raff (Foto: SWR3)
Celine Werner
Celine Werner (Foto: privat)

Endlich wieder draußen im Garten frühstücken – doch dann das: Alles voller Wespen! Panisch rumwedeln? Keine gute Idee. Wir haben Tipps, wie du wespenfrei dein Essen genießen kannst.

Aufgrund der anhaltenden Hitze und der hohen Trockenheit werden Wespen in diesem Jahr wohl noch mehr werden. Laut Insektenforschern ist der Höhepunkt des „Wespenjahres“ im September zu erwarten. Insbesondere in Baden-Württemberg sind mehr Wespen als im Vorjahr zu erwarten.

Was Wespen nicht mögen: 5 Tipps, wie du Wespen loswirst

Im Netz und auch im Umfeld von Freunden und Bekannten kursieren viele Tipps, was angeblich gegen Wespen helfen soll und was nicht. Da ist eine Menge Unsinn dabei. Wir haben 5 Tipps zusammengefasst, die durchaus (wenigstens ein bisschen) helfen.

  1. Essen zudecken: Es klingt banal, aber es ist tatsächlich der beste Tipp: Essen und Trinken zudecken oder den Frühstückstisch schnell von Marmelade & Co befreien.
  2. Futterplatz für Wespen einrichten: Wer eine Feier im Garten plant, kann rechtzeitig damit beginnen, einen Futterplatz für Wespen einzurichten. Mit 5 bis 10 Meter Abstand zum Tisch können sich die Tiere hier schon an einen verlässlichen Ort für Nahrung gewöhnen. Die Schülerinnen Maike Sieler und Henrike Weidemann fanden bei einem Experiment für Jugend forscht heraus, dass sich überreife Weintrauben dazu am besten eignen. Stellt man ein Tellerchen ein paar Meter von seinem Frühstücksplatz entfernt hin, fliegen die Wespen wohl eher die Weintrauben an. Auch an Schinken beißen sich die gelb-schwarzen Insekten gerne ein Stückchen raus – so bleiben die Wespen in Schach. Vorsicht: Unverdünnte Marmelade oder reiner Honig wirken als Ablenkung weniger gut. Sie machen die Tiere aggressiv.
  3. Zitronen, Nelken, Lavendel – Duftstoffe aufstellen: Wespen nehmen Duftmoleküle wahr und können Nelkenduft, Lavendel, Zitrusfrüchte oder auch Weihrauch nicht besonders gut leiden. Das kann helfen, aber Schinkengeruch oder Marmelade & Co riechen halt dann doch nochmal ein bisschen besser für die Wespen. Ätherisches Öl kann funktionieren, aber der Einsatz von Pflanzen und Blumen ist auf dem Tisch nicht zu empfehlen. Wespen jagen andere Insekten, die sich an und um die Pflanzen versammeln.
  4. Wespennest-Atrappe: Aus braunem Papier oder einer Mülltüte lässt sich leicht eine Wespennest-Attrappe bauen. Wespen denken, dass da schon ein anderer Stamm sein Häuschen gebaut hat und bauen lieber woanders.
  5. Süßliches Parfum vermeiden: Wespen können von Parfum, Cremes und bunter Kleidung angezogen werden. Am besten vermeidet man süßliche Düfte. Rauch kann die Insekten vertreiben, allerdings fliegen sie gerne mal einen Bogen um den Rauch herum, um auf dem Objekt der Begierde zu landen.

Wespen ganz einfach einfangen

Eine Wespe hat sich in die Wohnung verirrt? Dann kannst du sie ganz einfach einfangen. Dafür benötigst du lediglich:

  • eine leere Streichholzschachtel
  • etwas Fingerspitzengefühl

Sobald die Wespe an der Wand, auf dem Boden oder am Fenster sitzt, kannst du sie mithilfe der Streichholzschachtel einfangen und draußen wieder freilassen. Im Video kannst du dir den Trick anschauen:

Welche Wespen nerven besonders?

In Deutschland werden den Menschen eigentlich nur zwei Arten von Wespen lästig: Die Deutsche und die Gemeine Wespe. Vertreter dieser beiden Sorten lieben unser Essen wie wir. Alle anderen Arten lassen uns und unsere Speisen in Ruhe und ernähren sich lieber von Insektenlarven & Co. Es gibt also viel mehr Wespenarten als dem genervten Marmeladebrötchen-Esser im Alltag auffallen.

Wann fliegen uns am meisten Wespen auf den Teller?

Bis etwa Ende Juli brauchen diese Wespen nur Eiweiß zur Aufzucht ihrer Larven und jagen dazu hauptsächlich kleinere Insekten“, erklärt Stefanie Bernhardt. Die Pressereferentin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) aus dem fränkischen Hilpoltstein ergänzt: „Wenn die Brut dieser Arten dann selbstständig ist, können die Alttiere ihr eigenes restliches Leben bis zum Herbst genießen. Dann gönnen sie sich gerne Süßes.

Sind Wespen nützlich?

Auch wenn das keiner so richtig glauben mag und sie oft als Nervensägen gelten: Wespen werden gebraucht. Sie jagen Ungeziefer, sind sozusagen biologische Schädlingsbekämpfer im Garten und sorgen damit für ein gutes Gleichgewicht im Ökosystem. Außerdem leisten sie, genauso wie Bienen oder Hummeln, einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen.

Sind Wespen intelligent?

Intelligenz ist ja eine sehr komplexe Sache. Aber Wespen können auf jeden Fall lernen und das tun sie auch ganz konkret beim Kämpfen. Also eigentlich dadurch, dass sie anderen Wespen zugucken, wie sie das machen und daraus Schlüsse ziehen für ihren eigenen Einsatz. Das haben Wissenschaftler der University of Michigan speziell bei Papierwespen beobachtet, die man damit regelrecht als Gaffer der Tierwelt bezeichnen könnte. Mehr dazu gibt's bei SWR Wissen.

Wie lange lebt ein Wespen-Staat?

Im April fängt eine Jung-Wespenkönigin mit dem Bau ihres Nestes an und legt die ersten Eier ab. Daraus werden Arbeiterinnen, die sich fortan um den Nestbau und das Füttern des Nachwuchses kümmern, damit die Königin sich voll und ganz aufs Eier legen konzentrieren kann. Ein Wespennest wird aus hygienischen Gründen immer nur für ein Jahr bezogen.

Außerdem stirbt mit der alten Königin auch der gesamte Staat – bis auf die neuen Jung-Königinnen. Sie überleben übrigens den Winter mithilfe einer Art Frostschutzmittel im Körper und verfallen in eine Kältestarre.

Darf ich Wespen vernichten?

Wer eine Wespe tötet, hat keine Ahnung davon, wie eng der Zusammenhalt im Stamm ist. Wespen mögen es gar nicht, wenn einer ihrer Freunde oder eine ihrer Freundinnen erschlagen wird. Sie wollen sich rächen und damit steigt die Gefahr, gestochen zu werden. Außerdem kann es ganz schön teuer werden, Wespen zu töten.

Wespe beim Fressen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR3 Morningshow Muss ich wirklich 50.000 Euro zahlen, wenn ich eine Wespe töte?

Dauer

In Rheinland-Pfalz gibt es Bußgelder bis zu 5.000 Euro, in Baden-Württemberg und Hessen muss bei besonders geschützten Arten ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro bezahlt werden. Es ist allerdings ein Märchen, dass dieses Bußgeld fällig würde, wenn jemand in seinem Garten eine einzige Wespe tötet, wie das Correctiv nach einigen falschen Meldungen bereits 2018 aufklärte.

Das hilft nicht gegen Wespen!

Es gibt einige Mythen, wie man sich am besten Wespen vom Leib hält. Doch folgende Punkte solltest du lieber nicht machen:

  • Wespen anpusten: Auf keinen Fall! Atem, der ausgeatmet wird, enthält Kohlendioxid und Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal. Folge: Die Wespen werden aggressiv.
  • Sirup-Fallen bauen: In Sirup-Fallen verenden Wespen qualvoll, außerdem gibt die sterbende Wespe noch einen Stoff ab, der kampfeslustige Artgenossen anlockt. Und: Meist gehen eh nur alte Tiere in die Falle, der Stamm wird nicht weiter dezimiert.
  • Bunte Farben meiden: Bunte Tischdecken oder auch bunte Kleidung kann Wespen anziehen. Weiß hält die kleinen Nervensägen eher ab. Aber auch hier gilt: Geruchssinn schlägt Sehsinn. Es hilft nichts, wenn man komplett in weiß gekleidet und vor einer weißen Tischdecke sitzt und ein Eis isst. Die Wespe wird es riechen und dann ist ihr egal, ob da was Weißes oder was Buntes sitzt.
  • Wild rumfuchteln: Es fällt zwar nicht immer ganz leicht, aber rumfuchteln und hektische Bewegungen können Wespen überhaupt nicht leiden. Sie fühlen sich dadurch bedroht und werden angriffslustig.
  • Wespen mit Wassernebel verjagen: Angeblich denken die Insekten, dass es anfängt zu regnen, folgen ihrem Instinkt und flüchten in ihr Nest um Schutz zu suchen. Da gibt es aber geteilte Einschätzungen und Erfahrungen, ob das wirklich was bringt. Wichtig ist: Werden Sprühflaschen verwendet, sollte darauf geachtet werden, dass keine Putzmittel in der Flasche waren.

Was kann ich tun bei einem Wespennest?

Im Normalfall können Wespennester einfach dort bleiben, wo sie sind – solange niemand dabei gestört wird, weder die Tiere, noch die Menschen. Befindet sich das Nest allerdings an einer Stelle, an der man täglich vorbei kommt, dann muss ein Profi vorbeikommen. Wespennester sollte man niemals alleine entfernen, vor allem auch weil viele Wespenarten unter Naturschutz stehen. Am besten man wendet sich an den NABU. Manchmal hilft auch die örtliche Feuerwehr bei der Beseitigung bzw. Umsiedlung.

Vorsicht: Bei der Bekämpfung wird auch oft abkassiert, wie SWR Marktcheck getestet hat:

Was hilft, wenn ich gestochen wurde?

  • Für die ganz Eiligen: Spucke geht immer. Spucke lindert zumindest kurzzeitig den Juckreiz.
  • Das Gift NICHT aussaugen.
  • Falls der Stachel noch drinsteckt: Am besten wegkratzen, sodass nicht noch mehr Gift in die Wunde kommt.
  • Bei einer Schwellung an der Einstichstelle hilft Kühlen. Mit einem Kühlpad oder Eiswürfel, die in ein Handtuch gewickelt werden.
  • Solange die Stelle nicht geschwollen ist hilft Wärme: Einen Löffel unter warmes Wasser halten und anschließend auf die Einstichstelle legen. Das verhindert, dass der Juckreiz kommt.
  • Gut ist auch eine Zwiebelhälfte auf die betroffene Stelle zu legen. Die enthält unter anderem Schwefelöl. Das kühlt nicht nur, sondern desinfiziert auch noch.
  • Kalten Essig auf ein Tuch geben und die Stelle damit umwickeln. Essig wirkt neutralisierend.
  • Anti-Insekten-Creme oder Anti-Insekten-Gel auftragen – diese sogenannten Antihistaminika können die Wirkung des körpereigenen Stoffes Histamin eindämmen. Gel ist sogar noch besser als Creme, weil es nicht nur den Juckreiz lindert, sondern zusätzlich auch kühlt.
  • Wenn der Stich im Rachenraum vorliegt, sollte der Notarzt direkt kontaktiert werden. Bis dieser vor Ort ist, könnt ihr Eis essen, sodass die Schwellung nicht stärker wird.
  • Richtig gefährlich werden Wespenstiche für Allergiker. Sollte euch kurz nachdem ihr gestochen wurdet schwindelig oder schlecht werden, ihr keine Luft bekommen oder sich rote Pusteln am ganzen Körper ausbreiten, solltet ihr unbedingt den Notarzt rufen! Auch wer bislang keine größeren Probleme mit Wespenstichen hatte, kann eine Allergie gegen das Wespengift entwickeln.

Hier könnt ihr euch auch noch ein paar Tipps anschauen, was man tun kann, wenn eine Wespe zugestochen hat:

Der erste Wespenstich – bin ich allergisch?

Viele Eltern machen sich aktuell Sorgen um ihre Kinder. Vor allem bei denen, die noch nie von einer Wespe gestochen worden sind. Reagiert mein Kind im schlimmsten Fall vielleicht sogar allergisch auf einen Wespenstich?

Eine Sorge, bei der Allergologe Uwe Kirschner aus Mainz erstmal Entwarnung gibt. Denn: Den ersten Wespenstich haben wir quasi frei.

Wer wirklich niemals gestochen wurde, kann im Grunde gar nicht allergisch reagieren. [...] Wenn ich gestochen werde, beobachte ich das gut. Wenn ich eine sehr, sehr starke Reaktion habe, eventuell Kreislaufbeschwerden, dass mir übel wird, dass ich mich hinlegen muss, Kopfweh bekomme – dann sollte ich das zeitnah testen lassen. Blindtestungen, ohne je gestochen worden zu sein, machen überhaupt keinen Sinn.

Gibt es Anzeichen für eine mögliche Wespenstich-Allergie?

Kann ich vor dem ersten Stich schon erkennen, ob ich ein höheres Risiko habe, allergisch auf Wespenstiche zu reagieren? Zum Beispiel, wenn ich besonders stark auf Mückenstiche reagiere?

Nein, weil die Gifte komplett unterschiedlich sind. Auch wenn Sie gegen Wespen reagieren, heißt es nicht, dass Sie gegen Bienen reagieren müssen. Innerhalb der Arten gibt es schon große Unterschiede.

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