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Es klingt verlockend: Wer seine Liebsten trotz Corona treffen möchte, organisiert sich einen Selbst- oder Schnelltest, um alle möglichst zu schützen. Aber wie viel Sicherheit bieten sie wirklich?

Wie zuverlässig ist das Testergebnis?

Wenn ein Mensch gerade sehr ansteckend ist, dann sind die Corona-Schnelltests beziehungsweise Selbsttest ziemlich zuverlässig und ein Testergebnis ist bis zu 96 Prozent korrekt. Das Problem dabei: Am Anfang und auch zu Ende einer Erkrankung haben Infizierte – mal unabhängig von Symptomen – eine geringere Viruslast, dann sind sie eben nicht mehr so zuverlässig. Wenn man zum Beispiel auf Grund von Symptomen Zweifel an einem Testergebnis hat, auch an einem, das möglicherweise falsch positiv ist, sollte auf jeden Fall immer zusätzlich noch ein PCR-Test gemacht werden.  

Corona-Schnelltest: Auch ein falsch-negatives Ergebnis hilft! 

Schnell- und Selbsttests sind erst ab einer hohen Viruslast genau. Wo genau die Grenze ist, geben Hersteller in der Regel nicht an. Experten gehen aber davon aus, dass bei einer niedrigen Viruslast, also wenn die Tests ungenau sind, eine Ansteckung auch nicht besonders wahrscheinlich ist. Ein negatives Testergebnis heißt also nicht unbedingt, dass man nicht infiziert ist, aber immerhin, dass man wahrscheinlich nicht ansteckend ist. 

Wie lange ist der Test gültig? 

Leider sagt der Test nichts über die Zukunft aus. Da irgendwann die Nachweisgrenze erreicht ist, könnten sogar schon die 15 Minuten zwischen Probenentnahme und Testergebnis den Unterschied zwischen nicht ansteckend und ansteckend bedeuten. Das dürfte zwar ein Grenzfall sein, der nicht oft vorkommt, aber trotzdem können die Tests nur als Momentaufnahme gesehen werden. Das gilt übrigens auch für den PCR-Test. Der ist zwar genauer und gibt schon bei einer niedrigen Viruslast ein positives Ergebnis, aber da hier länger auf das Ergebnis gewartet werden muss, kann der Abstand auch wieder den Unterschied zwischen nicht ansteckend und ansteckend bedeuten. Da bei einem PCR-Test die Probe auch durch Fachpersonal entnommen werden muss, kann es natürlich auch sein, dass man sich auf dem Heimweg ansteckt. 

Ein negativer Selbst- oder Schnelltest ist kein „Freifahrtschein“! 

Wer sich zum Beispiel an Ostern trotzdem mit Freunden und Familie treffen will, sollte deswegen immer das Risiko abwägen: Treffe ich mich mit Risikopatienten? Können die AHA-Regeln eingehalten werden? Wenn das Wetter schön ist, können wir uns vielleicht draußen treffen? Und wie lange treffen wir uns? 

Eine Möglichkeit, mit der immerhin im Nachhinein die Sicherheit vergrößert werden kann, ist sich vor und nach dem Treffen zu testen. Oder wenn man das Osterwochenende bei der Familie verbringt, einmal am Tag. Dann bekommt man einen Zeitverlauf und kann sich – wenn auch immer noch nicht zu 100% – ein bisschen sicherer sein, in der Zwischenzeit nicht ansteckend gewesen zu sein. Sobald aber einer der Tests positiv ist, sollten sich alle Kontaktpersonen in Quarantäne begeben und sich, am besten nach einigen Tagen, beim Gesundheitsamt um einen PCR-Test bemühen.  

Gefahr für den Test: Sonnenschein und gutes Wetter

Jetzt, wo es wärmer wird, ist übrigens auch der Tipp aus dem Labor von Christian Drosten an der Charité wichtig, dass man Schnelltests nicht in die Sonne legen sollte. Denn: werden die zu sehr erhitzt, können die Ergebnisse wohl ungenauer ausfallen. 

Corona-Schnelltest beim Arzt oder Selbsttest zu Hause? Kaum ein Unterschied!

In Sachen Zuverlässigkeit gibt es übrigens keinen großen Unterschied zwischen den Antigen-Schnelltests beim Arzt oder Apotheker oder bei den Selbsttests aus dem Supermarkt, sagt eine Studie der Uni Heidelberg und der Charité in Berlin. Das ist auch nicht verwunderlich, denn als Selbsttest kamen nur solche Tests in Frage, die davor schon als Schnelltest im Einsatz waren und auch immer noch sind. Der Hauptunterschied: Beim Selbsttest geht es nicht um einen Nasenrachenabstrich, es wird also nicht so tief in der Nase gebohrt und die ganze Prozedur ist daher nicht so unangenehm.  

Wie so ein Test genau funktioniert, ob durch einen Abstrich in der Nase oder eventuell auch mit Gurgeln, das steht in der deutschsprachigen Gebrauchsanleitung, die weitestgehend leicht verständlich sein sollten. Die muss enthalten sein, sie war nämlich, neben dem CE-Kennzeichen, eine Voraussetzung für die Genehmigung. Für knapp 30 Schnelltests unterschiedlicher Hersteller gibt es inzwischen eine Sonderzulassung durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte – weitere Hersteller warten noch auf eben diese Zulassung. 

Auch bei der Drogeriekette DM gibt es inzwischen in einigen Filialen Testzentren mit Gratistests – in Stuttgart, Karlsruhe, Ettlingen, Mainz, Tübingen, Frankfurt a.M. und Ludwigshafen zum Beispiel. Darüber hinaus wollen die Discounter Lidl und Kaufland bundesweit auf ihren Parkplätzen Schnelltest-Zentren einrichten.  

Ziel ist es, in den kommenden Wochen mehrere hundert Testzentren in Deutschland aufzubauen und somit ein flächendeckendes Angebot von kostenfreien Tests im Rahmen der Corona-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums zu schaffen.

Eines steht fest: Schnelltests sind gerade jetzt, bei den hohen – und steigenden täglichen Neuinfektionen und Inzidenzwerten – ein gutes Vorwarnsystem als Momentaufnahme – wenn alle verantwortlich damit umgehen. 

In Österreich zum Beispiel müssen Schüler zwei solcher Tests pro Woche machen. In Kombination mit Impfungen und AHA-Regeln könnten sie nach Ansicht von Experten mit dazu beitragen, unser Leben wieder ein bisschen zu normalisieren. 

Unterschiede zwischen PCR-Test und Selbsttest 

  • PCR-Tests sind der „Goldstandard“ unter den Coronatests, schreibt das Bundesgesundheitsministerium. Sie weisen das Erbgut des Virus nach und liefern das genaueste Ergebnis. Da sie aber nur durch geschultes, medizinisches Personal durchgeführt werden können und im Labor ausgewertet werden, dauert es hierbei am längsten, bis ein Ergebnis vorliegt. Häufig werden PCR-Tests genutzt, um ein vorläufiges (positives) Schnell- oder Selbsttestergebnis zu überprüfen. Binnen 24 Stunden soll ein Testergebnis vorliegen. 
  • Selbsttests sind für den privaten Gebrauch zu Hause gedacht, da sie einfach in der Handhabung sind. Es gibt keinen großen Unterschied in der Genauigkeit zu den Schnelltests beim Arzt oder Apotheker. Das liegt natürlich auch daran, dass die Tests nach dem gleichen Prinzip funktionieren wie die Schnelltests – beide sind sogenannte Antigen-Tests, bei denen bestimmte Eiweiße des Virus nachgewiesen werden. Antigen-Schnelltests können auch durch geschultes Personal durchgeführt werden (zum Beispiel in der Apotheke), da hier, ähnlich wie beim PCR-Test, ein Nasen- oder Rachenabstrich gemacht wird. Allerdings wird das Teststäbchen, anders als beim Selbsttest, tiefer in die Nase eingeführt und damit schwer selbst durchzuführen. Das Testergebnis liegt innerhalb von 15 Minuten vor. 

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