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Was schauen Teenager auf Youtube am liebsten? Wie viele nutzen die Videoplattform auch zum Lernen und von wem lassen sie sich bei der Wahl der Videos am meisten beeinflussen?

Der Großteil der deutschen Jugendlichen (86 Prozent) zwischen 12 und 19 Jahren nutzt Youtube. Das hat die Studie „Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung“ ermittelt. Die Videoplattform ist nach WhatsApp (mit 92 Prozent) das zweithäufigst genutzte Medium, noch vor Instagram und Facebook. Der Anteil der 12- bis 13-jährigen Youtube-Gucker liegt bei 75 Prozent, die Zahl steigt bei den 18- bis 19-Jährigen bis 93 Prozent. Nur 14 Prozent der Jugendlichen nutzen Youtube garnicht.

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Fast die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen nutzen Youtube-Tutorials, um Schulstoff nachzuholen und sich auf Prüfungen vorzubereiten. Der große Vorteil: Die Videos sind unterhaltsam, leicht verständlich und grafisch schön gestaltet. Da können auch Erwachsene noch was lernen!  mehr...

Youtube-Videos machen neugierig, begeistern und motivieren Jugendliche, die verschiedensten Dinge auszuprobieren. Dazu sollten die Videos nach ihrer Meinung aber „unterhaltsam“, „witzig“ und „zeitgemäß“ sein.

Youtube hat mir Videos vorgeschlagen, die mich erstmals auf manche Sachen aufmerksam gemacht haben, wie Tanzen zum Beispiel. Durch die Tanz-Videos habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren.

Fast die Hälfte der Jugendlichen nutzen Youtube auch zum Lernen

47 Prozent der Schülerinnen und Schüler finden YouTube auch für die Schule wichtig, vor allem zur Wiederholung von Unterrichtstoff und für Hausaufgaben.

Lernvideos auf Youtube sind vor allem beliebt wegen ihrer unbegrenzten Wiederholbarkeit und der ständigen Verfügbarkeit. Natürlich ist auch der Unterhaltungsfaktor entscheidend: Der Schulstoff wird bei Youtube lustiger erklärt, cool, nicht langweilig oder spießig.

Man kann sich das so lange angucken, bis man es verstanden hat.

SWR3-Audio: Beitrag anhören (Foto: SWR3)

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Dauer

Dennoch ist den Jugendlichen bewusst, welchen Vorteil die Schule dagegen bietet: der persönliche Kontakt mit den Lehrerinnen und Lehrern, dass Rückfragen möglich sind, auf den Einzelnen eingegangen werden kann, und natürlich auch der Austausch mit den Mitschülerinnen und -schülern.

Kritische Auseinandersetzung mit Youtube im Unterricht erwünscht

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Von der Schule erhofft sich die Hälfte der jungen Youtube-Nutzer mehr Unterstützung für die Produktion von eigenen Webvideos, also für Film, Schnitt und Beleuchtung.

Und der größere Teil (60 Prozent) wünscht sich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Youtube im Unterricht: über Vor- und Nachteile der Plattform zu sprechen und die Videos zu hinterfragen. Das gilt für alle Altersstufen und für Mädchen und Jungen gleichermaßen.

Freunde und Influencer bestimmen die Themenwahl

Bei der Auswahl von Youtube-Videos sind für 91 Prozent der Jugendlichen die Tipps von Freunden, Bekannten, Mitschülerinnen und -schülern wichtig. Influencer geben für nahezu zwei Drittel der Jugendlichen entscheidende Impulse dafür, was sie bei Youtube anschauen, besonders die Jüngeren.

Der Einstieg bei Youtube erfolgt für etwa die Hälfte der Befragten am häufigsten mit einer gezielten Suche. Ein weiteres Drittel nutzt die Vorschläge von Youtube und klickt sich von Video zu Video. Die Zahl der Likes und Abonnenten spielen bei der Wahl auch eine große Rolle.

Empfehlungen von Lehrerinnen und Lehrern sind nur für knapp ein Drittel der Befragten interessant. Jungen ignorieren die viel häufiger ganz.

Medienkompetenz gefragt!

Youtube steuert den Videokonsum über Algorithmen, die auf maximale Seh- und Verweildauer abzielen, nicht auf pädagogische oder lernbezogene Werte.

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Wenn ein kommerzieller Anbieter wie Youtube zum Leitmedium wird, sind Eltern und Erzieher gefragt, die Auswahl- und Bewertungskompetenzen der Jugendlichen zu stärken.

Für die Schulen zeigt sich, wie wichtig es ist, Medienkompetenz zu vermitteln und die Urteilsfähigkeit in diesem Sinne zu trainieren.

Influencer haben einen hohen Einfluss auf Jugendliche, verdienen ihr Geld aber überwiegend mit Werbung. Es geht also auch darum, die durch ökonomische Interessen bestimmte Darstellungsformen einiger Influencer zu thematisieren und kritisch zu hinterfragen.

Wir müssen Kinder und Jugendlichen in Schulen nicht mehr zeigen, wie die digitalen Medien funktionieren. Sondern eher: Wie geh ich damit um? UND: Wo ist die Gefahr, Stichwort Fake News. Das fehlt einfach in Schulen, diese Auseinandersetzung!

Geschlechterunterschiede und Verbote

Jungen nutzen Youtube intensiver (42 Prozent mindestens täglich) als Mädchen (34 Prozent mindestens täglich).

Mehr als ein Drittel der 12- bis 13-Jährigen müssen ihre Eltern um Erlaubnis fragen, wenn sie Youtube nutzen möchten. Die Einflussnahme der Eltern schwindet mit steigendem Alter der Kinder. 16-Jährige dürfen Youtube zu jeder Zeit fast uneingeschränkt nutzen. Die Mädchen müssen eindeutig häufiger um Erlaubnis fragen.

Jugendliche, deren Eltern sich nicht für den Youtube-Konsum ihrer Kinder interessieren, dürfen die Plattform uneingeschränkt nutzen, wann immer sie es möchten. Von den Jugendlichen, deren Eltern an ihrer Youtube-Nutzung interessiert sind, muss hingegen jeder Vierte um Erlaubnis fragen.

Unterschiedliche Interessen von Jungen und Mädchen

Jugendliche nutzen Youtube: Sohn am Laptop, Vater verzweifelt (Foto: Elnur AdobeStock)
Elnur AdobeStock

Werden die Jugendlichen nach ihrem allgemeinen Interesse an kulturellen Aktivitäten gefragt, so unterscheiden sich die Interessen von Jungen und Mädchen sehr stark.

Die Interessen der Mädchen sind vielfältig und vor allem künstlerischer, musikalischer und kreativer Natur. Jungen interessieren sich demgegenüber zu rund 80 Prozent fast ausschließlich für Computerspiele.

Ich sehe ständig, wie die Gamer in Let‘s Play richtig coole Sachen machen und das will ich auch schaffen.

Das beliebteste Genre bei Mädchen sind Musik- und Konzertvideos (65 Prozent). Mehr als die Hälfte sehen sich darüber hinaus „Funny Clips“ und Videos zum Thema „Fashion/Mode/Beauty“ an.

Bei den Jungen ist vor allem der Themenbereich „Let´s Play/Gaming/Gaming-Trailer“ äußerst beliebt (74 Prozent), danach kommen „Funny Clips“, Musikvideos und Film-Trailer.

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