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Wenn das Herz eines Menschen stehen bleibt, können bereits wenige Minuten für das Überleben entscheidend sein. Wir klären, was im Notfall zu tun ist.

Wiederbelebung: Hauptsache helfen!

Der Erste-Hilfe-Kurs für den Autoführerschein ist bei vielen wahrscheinlich schon lange her. Deshalb haben viele Angst, im Notfall etwas falsch zu machen. Benno Wolcke, Notarzt an der Uniklinik Mainz, kennt das Problem und schildert im SWR3-Interview, dass bewusstlosen Menschen in Deutschland oft nicht geholfen wird, bis der Notarzt kommt. Das kann fatale Folgen haben.

Mir ist kein Fall bekannt, dass jemandem falsch geholfen wurde. Das Schlimmste ist, nichts zu tun. Haben Sie keine Angst! Sie können nichts falsch machen.

Die ersten Minuten können entscheidend sein, ob eine bewusstlose Person mit oder ohne große Schäden (zum Beispiel Hirnschäden) davonkommt. Das sind die wichtigsten drei Begriffe, die wir abrufen müssen, wenn vor uns plötzlich jemand bewusstlos umkippt:

Erste Hilfe in drei Schritten

  1. Prüfen: Auf das Unfallopfer oder den Erkrankten zugehen und fragen, ob man ihm helfen kann: Zeigt der Patient noch Lebenszeichen? Ist er ansprechbar, atmet er noch?
  2. Rufen: Um Hilfe rufen und den Notruf anrufen – 112 wählen! Über den Notruf bekommt man auch Anleitungen, was man machen kann.
  3. Drücken: Wenn der Mensch bewusstlos ist und nicht atmet, sollte man unbedingt auf den Brustkorb drücken: Den Brustkorb von der Kleidung freimachen, die Mitte des Brustbeins suchen, Handballen auflegen und 100-mal in der Minute drei bis fünf Zentimeter tief drücken.

Herzdruckmassage – traut euch!

Viel falsch machen können wir bei der Herzdruckmassage nicht, am wichtigsten ist: SICH TRAUEN! So geht es am besten:

Diese Songs helfen bei einer Herzdruckmassage

Stayin’ alive von den Bee Gees, Highway to Hell von AC/DC oder auch Atemlos von Helene Fischer haben den perfekten Beat, wenn es um das Timing bei einer Wiederbelebung geht. Das Geheimnis sind die 100 BPM (Beats pro Minute), die diese Songs gemeinsam haben. Studien haben gezeigt, dass mit einer Frequenz von 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute, also ca. zweimal pro Sekunde, der beste Blutfluss durch das nicht mehr eigenständig pumpende Herz eines Bewusstlosen erreicht werden kann.

Externer Defibrillator – automatisiert und einfach zu nutzen

Immer öfter sind automatisierte externe Defibrillatoren (AED) an öffentlichen Orten und in Unternehmen für die Erste Hilfe zu finden. Sie sind so konzipiert, dass auch ein Laie ihn im Notfall nutzen kann.

Wann sollte ein Defibrillator eingesetzt werden?

Ganz wichtig: Die Person, die wiederbelebende Maßnahmen wie eine Herzdruckmassage durchführt, sollte auf keinen Fall Zeit mit der Suche eines Defibrillators verschwenden.

Drücken, drücken, drücken, weil es ganz wichtig ist, diese Zeit des no flows also des nicht-flusses irgendwie zu überbrücken und nach Möglichkeit jemand anderen den Defibrillator holen lassen.

Wer alleine Erste Hilfe leisten muss, beginnt bei einer bewusstlosen Person gleich nach dem Notruf mit der Herzdruckmassage.

Defibrillator – so funktioniert er

Der externe automatische Defibrillator wurde so konzipiert, dass nichts schiefgehen kann, wenn man die Anweisungen befolgt. Die Geräte verfügen über eine Sprachfunktion und geben so jeden notwendigen Schritt an, die die Hilfeleister durchführen müssen. Der Defibrillator sollte mindestens zu zweit verwendet werden, damit eine Person sich weiterhin auf die Herzdruckmassage konzentrieren kann.

Automatisierter externer Defibrillator (AEM) (Foto: IMAGO, YAY Images)
Automatisierter externer Defibrillator (AEM) YAY Images

Die zwei Klebeelektroden des Defibrillators werden oben rechts auf die Brust und unten links in Höhe des Herzens angeklebt. Diese Angaben stehen auch den Elektroden und auf dem Gerät. Je nach Zustand des Betroffenen reagiert der Defibrillator und gibt den Helfern passende Anweisungen, die durchzuführen sind.

Erste Hilfe ist Pflicht

Die allerwichtigste Regel: Erste Hilfe ist Pflicht – ganz egal, ob ich verantwortlich bin für eine Gruppe oder ob ich nur zufällig dabei bin oder vorbeikomme. Ich muss helfen, sonst mache ich mich strafbar.

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