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Cornelia Stenull (Foto: SWR3)

Für Zecken sind das goldene Zeiten: Der Klimawandel gibt ihnen mehr Zeit, um nach Wirten zu suchen. Und das Corona-Virus treibt die Menschen ins Grüne, wo die Zecken schon auf sie warten. Deshalb wird laut Prognose auch 2021 ein Zeckenjahr werden.

Nach den jüngsten Rekordwerten könnte das Risiko für eine FSME-Erkrankung nach Ansicht von Experten auch 2021 deutlich höher sein als in normalen Jahren. „Ich erwarte das zweithöchste FSME-Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001“, sagte Franz Rubel vom Wiener Institut für Öffentliches Veterinärwesen.

„Auch biologische Parameter spielen eine Rolle“

Unter anderem werde es im laufenden Jahr in Deutschland überdurchschnittlich viele Zecken geben, durch deren Bisse die Erreger für Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen werden können. Das steht in einer Prognose Rubels und anderer Wissenschaftler, die auf Grundlage eines mathematischen Modells die Zeckendichte voraussagt.

Auch biologische Parameter wie etwa die Zahl der Bucheckern und Eicheln, die Durchschnittstemperatur und die aktuelle Wintertemperatur spielen eine Rolle. „Speziell nach den als Mastjahre bezeichneten Jahren mit mehr Bucheckern gibt es auch mehr Wild- und Nagetiere“, erklärte Rubel. Diese seien wiederum Wirte für Blutmahlzeiten der Zecken. Zwei Jahre nach einem Mastjahr steigt dann die Zahl der Zecken an.

„Süddeutschland führt FSME-Statistik an“

Nach 2018 stand Baden-Württemberg auch 2020 wieder an der Spitze der Statistik. Laut Landesgesundheitsamt in Stuttgart sind vor allem höhere Lagen vom Anstieg der Zahlen betroffen — etwa im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben.

„Der Gemeine Holzbock ist inzwischen auch im Winter aktiv“

Zu einem besonderen Hotspot entwickle sich der Landkreis Ravensburg. In nördlicheren Bundesländern ist die FSME ebenfalls auf dem Vormarsch. Das könnte mit dem Klimawandel zu tun haben, vermutet die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim. Die häufigste heimische Zecke „Gemeiner Holzbock“ sei inzwischen auch im Winter aktiv. Die Parasitologin erklärte in einem SWR-Interview weiter:

Zecke auf einem Blatt in der Natur (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Zoonar | Artush Foto)

Biologie Zecken: Zahl der FSME-Fälle in BW steigt stark an

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Warum ist vor allem der Süden Deutschlands betroffen?

In diesen Regionen gibt es die meisten der sogenannten Hotspots oder Naturherde, wo infizierte Zecken das FSME-Virus übertragen. Aber Achtung, die Brennpunkte im Süden Deutschlands haben sich in den letzten Jahren teilweise verschoben. Eine übersichtliche Karte, wo besonders viele FSME-Fälle registriert werden, stellt das Robert-Koch-Institut immer aktuell zur Verfügung. Neue Risikogebiete sind hellblau markiert.

Warum breitet sich FSME so stark aus?

Das ist noch nicht genau geklärt. Vielleicht liegt es am Klimawandel – der sorgt gar nicht mal unbedingt für mehr Zecken. Aber milde Winter bringen eine längere Zeit pro Jahr, in der uns Zecken gefährlich werden können.

Von milden Wintern profitieren auch besondere Zeckenarten, zum Beispiel die sogenannte Auwaldzecke oder Winterzecke. Die Auwaldzecke sucht schon bei Temperaturen um die vier Grad aktiv nach Wirten, die sie beißen könnte. Wie sehr die Auwaldzecke hier inzwischen heimisch geworden ist, hatten Untersuchungen der Uni Hohenheim gezeigt.

Was hat die Corona-Pandemie mit FSME zu tun?

„Als Ursache für diesen dramatischen Trend können wir zum einen Corona mitverantwortlich machen“, sagte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (München) der Deutschen Presse-Agentur. Denn die dem RKI gemeldeten Zahlen der FSME-Fälle hingen unter anderem auch vom Freizeitverhalten der Menschen ab. Menschen hielten sich in ihrer Freizeit häufiger im Freien auf, so steige das Risiko.

Wie kann man sich vor FSME schützen?

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt FSME-Impfungen allen Personen, die sich in diesen Risikogebieten aufhalten und in der Natur bewegen, wo auch Zecken sind. Die Impfung sollte nach den Empfehlungen alle 3-5 Jahre aufgefrischt werden.

Die erste Impfung sollte frühzeitig vor dem Sommer sein, weil zwischen den insgesamt drei Impfterminen genügend Zeit verstreichen muss. Vor allem mit Blick auf eine mögliche Impfung gegen das Coronavirus sollte man hier unbedingt seinen Kalender zur Hand nehmen.

Das muss man gut planen, denn laut Empfehlung der ständigen Impfkommission, soll man bei der Coronaimpfung, zu anderen – planbaren – Impfungen, wie der FSME-Impfung, mindestens 14 Tage Zeitabstand vor und nach jeder Covid-Dosis geben. Es wäre nicht gut, wenn dann die zweite Covid-Impfung ansteht, zeitgleich mit der zweiten FSME-Dosis.

In Risikogebieten wie Baden-Württemberg und Bayern werden die Kosten für die FSME-Impfung übrigens von den Krankenkassen übernommen.

Zecken-Tipps: von Impfung bis Zeckenzange

Wer viel in der Natur unterwegs ist – egal, ob im Park, im eigenen Garten oder mit dem Hund im Wald – sollte folgende Hinweise beachten:

  1. Gegen FSME gibt es Impfungen, die gerade in den Risikogebieten für jeden empfohlen werden.
  2. Gegen die zweite wichtige, durch Zecken übertragene Krankheit Borreliose, gibt es zwar keine Impfung. Sie lässt sich aber gut mit Antibiotika behandeln.
  3. Bei Spaziergängen oder Wanderungen helle Kleidung tragen, auf der man Zecken gut sieht und feste Schuhe tragen.
  4. Nach einem Spaziergang im Freien aufmerksam den Körper untersuchen: Krabbelt da irgendwo eine Zecke? Hat sie sich schon festgebissen? Zecken verstecken sich gerne in Hautfalten und können leicht übersehen werden – deshalb: genau hinschauen!
  5. Wer von einer Zecke gebissen wurde, sollte sie möglichst schnell entfernen.
  6. Man kann die Zecke sorgfältig selbst entfernen – am besten mit einer Zeckenzange oder einem ähnlichen Gerät. Dabei solltet ihr die Zecke am Kopf anfassen und vorsichtig herausziehen. Auf keinen Fall am vollgesogenen Körper quetschen – darin sind die gefährlichen Krankheitserreger! Eine Bildanleitung vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gibt es hier.
  7. Oder aber man geht gleich zum Arzt und lässt sie dort professionell entfernen. Das ist die Nummer Sicher.
  8. Bei Rötungen und einem Hof, der sich um den Biss herum bildet, immer den Arzt aufsuchen.
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Cornelia Stenull (Foto: SWR3)

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