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Annalena Baerbock (Grüne) steht für Veränderung, Olaf Scholz (SPD) gilt als solide und Armin Laschet (CDU) gilt als einer, der sich doch noch durchsetzt. Wer wird Kanzlerin Merkel beerben?

Wer kann Kanzler, Kanzlerin? Was tun sie für mehr Klimaschutz? Was gegen Corona-Krach? Für Zusammenhalt in der Gesellschaft? Und was macht der Wahlkampf mit ihnen ganz persönlich? Das und mehr fragen SWR3-Moderator Constantin Zöller und RBB-Moderatorin Angela Ulrich die Kanzlerkandidaten und die Kanzlerkandidatin bei Kampf ums Kanzleramt – wer regiert Deutschland?: Am Montag (23. August) war Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) im Interview, am Mittwoch folgte Olaf Scholz (SPD) und zuletzt Armin Laschet (Union) jeweils von 18 bis 19 Uhr.

Kanzlerkandidaten-Check: Annalena Baerbock

Zum ersten Mal gibt es in der Geschichte der Grünen eine Kandidatin für das Kanzleramt: Annalena Baerbock geht für ihre Partei ins Rennen. Nach ihrer Nominierung – sie setzte sich gegen Robert Habeck durch – gab es zuerst eine Welle der Begeisterung für die Politikerin. „Ich trete an für Erneuerung, für den Status Quo stehen andere“, betonte Annalena Baerbock damals auf dem Parteitag im April.

Inzwischen musste Baerbock gegen viel Gegenwind ankämpfen – zum Teil auch selbst verschuldet. Verspätet gemeldete Nebeneinkünfte, mehrere Korrekturen am eigenen Lebenslauf, Plagiatsvorwürfe zu ihrem Buch – die Attacken der politischen Konkurrenz ließen nicht auf sich warten. Aber Baerbock äußerte sich offen zu den gemachten Fehlern wie den Ungenauigkeiten in ihrem Lebenslauf. „Das ärgert mich selbst tierisch“, sagte sie.

Vom „Insider-Tipp“ zur Kanzlerkandidatin der Grünen

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Wer kann Kanzler, Kanzlerin? Bei Kampf ums Kanzleramt – wer regiert Deutschland? werden die Kanzlerkandidaten und die Kanzlerkandidatin auf den Prüfstand gestellt. Annalena Baerbock von den Grünen machte am Montag den Anfang.  mehr...

Kampf ums Kanzleramt - Wer regiert Deutschland SWR3

Baerbock kommt aus Hannover und hat Völkerrecht studiert. Vor der Wahl zur Parteivorsitzenden der Grünen im Jahr 2018 war sie eigentlich fast nur Insidern bekannt. Was auch daran liegen kann, dass sie nie in einer Partei-Jugendorganisation war. Erst 2005, im Alter von 25 Jahren, wird sie Mitglied der Grünen. Ab da geht es schnell die Parteileiter hoch.

Von 2009 bis 2013 ist sie Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg. Dann wird sie Mitglied des Deutschen Bundestags und ist Sprecherin für Klimapolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2018 steht sie zusammen mit Robert Habeck an der Grünen Doppelspitze.

Obwohl Baerbock im Gegensatz zu den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) noch kein Regierungsamt hatte, sagt sie klar, dass sie sich das Kanzleramt zutraut. Niemand sei als Kanzler vom Himmel gefallen, alle müssten im Amt dazu lernen, stellte sie in einem Interview klar.

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Kampf ums Kanzleramt - Wer regiert Deutschland SWR3

Die Frage, ob er die Möglichkeit dazu bekommt, wird erst mit der Bundestagswahl am 26. September geklärt. Aber auf die Frage, ob er Kanzlerkandidat kann, hat Olaf Scholz bereits im Mai auf dem Bundesparteitag eine klare Antwort gegeben: „Ich kann das.“

„Ich kann meine Erfahrung, meine Kraft und meine Ideen einbringen. Als Regierungschef der Stadt Hamburg. Als Minister. Als Vizekanzler“, erklärte er. Klar ist: Scholz hat im Laufe seiner Karriere schon einige politische Ämter innegehabt.

Zwischen Hamburg und Berlin – der politische Weg des Olaf Scholz

Bereits als 17-jähriger Schüler tritt Scholz in Hamburg in die SPD ein, das war im Jahr 1975. Für ihn sei es schon als Jugendlicher wichtig gewesen, Partei zu ergreifen für Gerechtigkeit. Dafür stand für ihn die SPD, erzählte Scholz in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Während seines Jura-Studiums wird er Anfang der 1980er Jahre stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jungsozialisten (Jusos). 14 Jahre später übernimmt er dann den SPD-Vorsitz in Hamburg-Altona. Zum ersten Mal in den Bundestag nach Berlin geht es für Scholz im Jahr 1998 – damals unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Dann kommen Stationen als Innensenator in Hamburg, als SPD-Generalsekretär und Bundesarbeitsminister in Berlin.

Vom „Scholzomat“ zum Vizekanzler

Im März 2011 schafft Scholz dann den Sprung auf den Chefsessel des Hamburger Senats – er wird zum Ersten Bürgermeister von Hamburg gewählt. Wegen seiner steifen und eher wenig inhaltlichen Antworten bekommt er damals den Spitznamen „Scholzomat“. Seit 2018 ist er wieder in Berlin als Bundesfinanzminister in der Großen Koalition und Vizekanzler unter Angela Merkel (CDU).

Corona-Krisenmanager und Wirecard-Skandal

Nüchtern, sachlich, hanseatisch – das zeichnet den Stil des SPD-Kanzlerkandidaten Scholz aus. In der Corona-Pandemie besetzt Scholz als Finanzminister eine Schlüsselposition, für viele hat er das Image eines Krisenmanagers. Doch neben seinen Erfolgen muss sich Scholz auch mit Vorwürfen und politischen Skandalen auseinandersetzen: Zuletzt ging es um die Affären um Cum-Ex-Steuertricks in Hamburg und um den Wirecard-Skandal.

Kanzlerkandidaten-Check: Armin Laschet

Kampf ums Kanzleramt | Teil 3 Armin Laschet (CDU): Kämpfen, kämpfen, kämpfen

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Kampf ums Kanzleramt - Wer regiert Deutschland SWR3

Hat Armin Laschet es fast geschafft? Zumindest steht er auf der letzten Stufe vor dem Kanzleramt. Anfang des Jahres unterlagen ihm noch Friedrich Merz und Norbert Röttgen im Kampf um den CDU-Vorsitz. Dann zog auch CSU-Chef Markus Söder im unionsinternen Duell um den Kanzlerkandidaten den Kürzeren.

Vom freien Journalisten zum NRW-Ministerpräsidenten

Dabei hatte Laschet zunächst gar keine politische Karriere im Blick. Nach dem Jurastudium in München und Bonn (1. Staatsexamen) macht er zunächst ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk und arbeitet bis 1994 als freier Journalist. Nebenher ist er wissenschaftlicher Berater der ehemalige Präsidentin des deutschen Bundestags Rita Süssmuth. Von 1991 bis 1994 leitet Laschet in seiner Heimatstadt die Kirchenzeitung des Bistums Aachen als Chefredakteur, danach ist er Verlagsleiter des Einhard-Verlags.

Seine politische Laufbahn beginnt Laschet als 18-Jähriger im Jahr 1979 mit seinem Eintritt in die CDU – zunächst noch verhalten. Aber dann zieht er die sogenannte Ochsentour durch sämtliche politischen Ebenen durch: vom Aachener Stadtrat über den Bundestag, das Europaparlament bis zum Landtag in Düsseldorf. 2017 hebelt er Hannelore Kraft (SPD) überraschend aus dem Amt und wird in Nordrhein-Westfalen Regierungschef der derzeit einzigen CDU/FDP-Koalition in Deutschland.

Laschets Hochwasser-Krisenmanagement in der Kritik

Doch auch wenn Laschet seinen Weg bisher kontinuierlich gegangen ist, die Luft für ihn wird dünner. Sein Krisenmanagement nach dem Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wird aktuell stark kritisiert. Er selbst entschuldigte und kritisierte sein Lachen bei einem Termin im Hochwassergebiet von Erftstadt. „Das war blöd, dämlich, diese wenigen Sekunden hätten mir nicht passieren dürfen“, sagte Laschet danach in einem Interview mit RTL.

Und darum geht es bei Kampf ums Kanzleramt:

Baerbock oder Scholz? Der Potsdamer Wahlkreis 61

Baerbock wohnt mit ihrer Familie in Potsdam. Und genau dort, im Potsdamer Wahlkreis 61, gibt es in diesem Jahr ein besonderes, historisches Duell: Zwei Kanzlerkandidaten treten in diesem Wahlkreis gegeneinander an. Annalena Baerbock und Olaf Scholz kämpfen dort um Stimmen für ein Bundestags-Direktmandat. Denn auch Scholz wohnt mit seiner Frau in Potsdam.

Es wird ernst – die Wahl hat bereits begonnen

Bislang plätscherte der Wahlkampf eher so vor sich hin und die Kanzlerkandidaten haben sich für ihre diversen Fehler entschuldigt. Doch seit diesem Montag können die Briefwahlunterlagen ausgegeben werden. Die Wahl beginnt also bereits. Die Kanzlerkandidaten Scholz, Baerbock und Laschet müssen reagieren. Habt ihr euch schon entschieden? Wenn nicht kann unser Parteivergleich eine Hilfe sein:

Miete, Rente, Steuern,... Die Programme zur Bundestagswahl: Der große Parteivergleich

Welche Versprechungen machen uns die Parteien vor der anstehenden Bundestagswahl? Wir vergleichen die Vorschläge der Parteien zu den am heißesten diskutierten Themen.  mehr...

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