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Anne Vogd
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Steffen Auer
Steffen Auer (Foto: SWR3)

Beim Gendern steht Deutschland immer kurz vor einem Bürgerkrieg. Vor allem in Berlin.

Berichterstattungen aus der Hauptstadt werden immer schwieriger. Man überlegt schon, die Stadt wieder unter die Aufsicht der Alliierten zu stellen. Folgende Situation: Eine genderbewusste Frau betritt eine Berliner Kneipe und sagt zum Wirt: ‚Eine Radlerin bitte‘. Der Wirt, typisch Cis Mann, schnodderig zurück: ‚Tut mir leid, das ‚Zapfhuhn‘ ist kaputt.‘ Ja, sag mal… geht’s noch?

Die Hälfte der Menschheit ist weiblich. Höchste Zeit, dem mit einem Quotendeutsch gerecht zu werden! Und unsere Sprache hat sich doch auch schon immer an Entwicklungen angepasst. Anstatt ‚Ein Herold überbrachte Schriften. Ich werde zum Einlasstor eilen und sie überbringen‘ sage ich doch auch einfach ‚Ich hol die Post rein‘.  

Und von wegen, Gendern verschandelt die Sprache. Also ‚Tschüssikowski‘ und ‚dannimanski‘ finde ich persönlich schlimmer als ein ‚in‘ oder ‚innen‘ dranzuhängen. Ja okay, wenn aus Bürgermeisterkandidat auf einmal BürgerInnenmeisterInnenkanditatIn wird, dann… Also wenn irgendwo eine Obergrenze, dann hier! Ansonsten wird’s sperrig. Und bevor ich überlege, ob Studentenheim, Student*innenheim oder Studierendenheim jetzt richtig ist, sage ich doch lieber gleich ‚College-Block‘ oder?

Komisch ist ja auch, dass Verbalaufseher*innen dieses ‚in‘ gerne für Wörter mit Aura beanspruchen wie Autorin, Ärztin, Anwältin. Aber Faulpelzin oder Dickköpfin habe ich noch nie gehört. Noch komischer, dass ausgerechnet der Deutsche Germanistenver-band ein ‚vergendertes‘ Rundschreiben an seine ‚Mitgliederinnen und Mitglieder‘ verfasste. Dabei heißt es doch schon ‚DAS‘ Mitglied!

Immer diese Angst vor Diskriminierungsvorwürfen: Wenn man’s weiter so übertreibt, werden gendergerechte Stellenausschreibungen an Berliner Gymnasien bald lauten: Gesucht wird ein Rektor, eine Rektorin oder... ein Rektum.

Nein, ich finde es gut, Frauen durch Sprache sichtbarer zu machen. Aber ein Wort wie ‚Mannschaft‘ gehört deswegen doch nicht in den Giftschrank. Und einen Bürger*innensteig braucht doch auch kein*e Mensch*in. Und wenn im Baumarkt Silikonspender gegendert werden, ist das doch auch völlig übertrieben. Neulich las ich da auf einem Etikett ‚Fugenfüller *innen‘. Krass oder?

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